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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Wer zahlt, der fährt

Plötzlich scheint für Vitaly Petrow wieder die Renault-Sonne: an seiner Fahrleistung kann es nicht liegen Bild: AP

In der Formel 1 geht es im Moment nicht nur darum, ein paar gute Runden hinzukriegen. Es geht eher darum, einigermaßen über die Runden zu kommen. Deshalb haben junge Fahrer gute Chancen auf ein Cockpit - sofern sie eine Mitgift beisteuern.

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          Wie hieß es früher im Fahrerlager? „Wenn Dir jemand einen ,Guten Morgen' wünscht, dann solltest Du zur Kontrolle lieber auf die Uhr schauen.“ Diese Zeiten sind vorbei. Höfliche Begrüßungen gehören längst zur Ausnahme. Wer mitrechnet, wird sich allerdings verkalkulieren. Nein, die Täuschungsquote ist nicht gesunken. Im Gegenteil. Die jüngste Variante ist noch kurioser. Obwohl die Rennställe über ausgeklügelte Wetterinformationssysteme auf die Minute erfahren, wann ein Wolkenbruch einsetzt, kommt es ständig zu falschen Vorhersagen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Im Moment sprechen Team-Manager bis hinauf zum Chef-Vermarkter Bernie Ecclestone von Sonnenschein. Die Formel 1 sei im Aufschwung. Sponsoren drückten sich die Türklinken in die Hand. Angeblich regnet es wieder Millionen Dollar. Ein schönes Bild. Aber leider nur ein Ausschnitt aus der Gesamtwetterlage. Die wenigen großen Teams mögen schon wieder ein paar Sonnenstrahlen auffangen. Viele andere aber stehen im Regen. Natürlich geben sie das nicht zu. Es wäre geschäftsschädigend. Aber verheimlichen lässt sich die wahre Situation auch nicht.

          Wie es wirklich um Sauber, Renault, Williams, Virgin, Force India oder HRT steht, verrät ihre umtriebige Geschäftigkeit. Sie suchen fieberhaft nach Geld. Die Schweizer um Peter Sauber haben nicht nur ein neues Geschäftsmodell, den diskreten Millionärsklub für stille Teilhaber, aus der Taufe gehoben. Inzwischen ist auch der Sohn des reichsten Mexikaners mit an Bord. Zuvor wurde der 22 Jahre alte Sergio Perez für das zweite Cockpit neben Kamui Kobayashi verpflichtet - ein Mexikaner. So jugendlich war Sauber selten. Und so unerfahren auf dem Steuermannposten. Ist das clever?

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          Wer eine schöne Mitgift beisteuert, hat bessere Chancen

          Wahrscheinlich. Denn es geht im Moment nicht allein darum, eine gute Runde hinzukriegen. Es geht darum, über die Runden zu kommen. Deshalb haben die Wettermacher von Renault in den vergangenen Wochen Nebel produziert. Kimi Räikkönens vorsichtige Anfrage diente ihnen als willkommene Druckvorlage für die Geldgeber im Hintergrund des russischen Piloten Vitaly Petrow.

          Renault spielte in der Öffentlichkeit mit dem Namen des Weltmeisters. Und siehe da: plötzlich hat Petrow angeblich wieder ein Zukunft bei den Franzosen. Nur einen Grund kann man für diese Prognose ausschließen: seine Fahrleistung.

          Nicht das Essen war ihm auf den Magen geschlagen

          Man sollte aus diesen Spielchen keine falschen Schlüsse ziehen. Natürlich steht der Pilot immer noch im Mittelpunkt der Formel 1. Gerade weil Nico Hülkenberg bei Williams zum Ende seiner ersten Saison ganz andere Erfahrungen macht. Nachdem Williams die Optionsfrist verstreichen ließ, ist seine Zukunft ungewiss. Das wäre wohl kaum so, wenn Hülkenberg Rubens Barrichello in Grund und Boden gefahren hätte.

          Die prekäre Lage für den jungen Deutschen hängt allerdings auch mit der wirtschaftlichen Situation bei Williams zusammen. Diese berühmte Rennwagenschmiede verliert zum Ende des Jahres potente Sponsoren. Was also, falls sich ein Pilot findet, der bei gleichem Talent noch eine Mitgift ins Spiel bringt?

          Kein großer Qualitätsverlust, aber ein schlechtes Zeichen

          In Wahrheit hat die Wirtschaftskrise erst in diesem Jahr die Formel 1 erreicht und teilweise verändert. Man kann sich wieder bei renommierten Teams einkaufen. Das muss nicht in jedem Fall gegen die Qualität „reicher“ Piloten sprechen. Aber es beweist, dass mehr und mehr Rennställe ihre Unabhängigkeit in einer für den Sport entscheidenden Frage verlieren. Beim Rennstall HRT ist dieser Wandel am auffälligsten. Der Teamchef Colin Kolles muss sich nun schon vor jedem Grand Prix fragen lassen, wer diesmal in den hoffnungslos langsamen Boliden Platz nehmen wird.

          Die Antworten des Rennstalls erinnern an alte Zeiten. Vor zwei Wochen in Singapur, so bedauerte HRT, konnte Sakon Yamamoto leider nicht fahren. Ihn plage eine „Lebensmittelvergiftung“. Wer diese Krankmeldung des Teams nachprüfte, der fand draußen vor dem Tor der Rennstrecke tatsächlich einen arg verstimmten Japaner vor. Nur war ihm nicht das Essen auf den Magen geschlagen. Yamamoto hatte kurzerhand von seinem Team keinen Pass für das Fahrerlager erhalten. Das ist zwar in diesem Fall kein großer Qualitätsverlust, aber ein schlechtes Zeichen: Wer zahlt, der fährt.

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