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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Träum weiter - auf italienisch

Über „die Sache” nicht viel gesprochen: Fernando Alonso Bild: dpa

In diesen Wochen spricht Alonso nur vom erfüllten Traum, Ferrari zu fahren. Nach den ersten Tests jubeln seine Fans, als sei der dritte Weltmeistertitel schon Realität. Doch der Spanier könnte bei Ferrari schneller Probleme bekommen, als ihm lieb ist. Probleme, wie er sie schon einmal bei McLaren hatte.

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          Er hat Michael Schumacher 2006 geschlagen in Rente geschickt. Er war der jüngste Grand-Prix-Sieger, bis ihn Sebastian Vettel 2008 in Monza unterbot. Er war der jüngste Weltmeister, abgelöst durch Lewis Hamilton. Ebenfalls 2008. Seither war Fernando Alonso die Zukunft der Formel 1 gewesen.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Jetzt fährt Fernando Alonso bei Ferrari. Jetzt kann er aufhören. Sagt José Luis, Fernandos Vater. „Das hat er mir früher schon gesagt: Wenn Du bei Ferrari fährst, ist Dein Leben erfüllt.“ Fernando Alonso sagt in diesen Tagen auch, dass er seinem Vater Recht gebe. Ferrari, ein erfüllter Traum. Nicht nur wegen der 25 Millionen Euro, die sein Gasfuß dort angeblich wert ist.

          Fernando bei Ferrari, das ist vor allem ein Traum für seine Fans. 36.400 in Valencia, um die ersten Tests Anfang des Monats zu sehen. Mehr, als die Grand-Prix-Strecke in Istanbul im vergangenen Jahr beim Rennen zu sehen bekamen. Die Folge: Absperrungen vor dem Motorhome wie beim Staatsbesuch im Regierungsviertel. Und dann die Rundenzeiten: Schneller als Schumacher! Schneller als Hamilton! Schneller als Massa! Begeisterung wie im Fußballstadion.

          Am liebsten bis zur Rente: Alonso hat Ferrari Treue geschworen
          Am liebsten bis zur Rente: Alonso hat Ferrari Treue geschworen : Bild: dpa

          Endlich wieder italienisch

          Tutto bene also für den Spanier in Italien? Nur auf den ersten Blick. Zwar ist der Ferrari F10 offenbar kein Fehlwurf wie das Vorgängermodell F60. Das zeigen auch die Rundenzeiten der verregneten Tests in Jerez de la Frontera in der vergangenen Wochen. Zwar ist Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo begeistert von seinem Team: Parliamo italiano, endlich wieder. Zu den einheimischen Rennlenkern Domenicali (Teamchef), Costa (Technikdirektor) und Marmorini (Motorenchef) kommt das romanische Fahrerduo Alonso/Massa. Wann hat es das zuletzt gegeben?

          1991 sitzen die Franzosen Prost und Alesi am Steuer. Doch während dem jungen Alesi mit seinen italienischen Wurzeln die Sympathien der Fans zufliegen, verabschiedet sich der kühle Stratege Prost genervt vom Chaos schon früh in der Saison innerlich vom Team.

          1982 kommen der von den Ferraristi für seinen flamboyanten Fahrstil wie kaum ein Zweiter verehrte Franko-Kanadier Gilles Villeneuve und der Franzose Didier Pironi nicht miteinander aus. Es wird die schrecklichste Saison in Ferraris Formel-1-Geschichte. Villeneuve verliert sein Leben in Zolder, als er, vom Ehrgeiz gepackt, kurz vor Ende des Trainings zum Großen Preis von Belgien die Zeit des Teamkollegen unterbieten will. Pironi steuert später auf den Gewinn der Weltmeisterschaft zu, als er in Hockenheim verunglückt. Danach fährt er nie wieder ein Formel-1-Rennen.

          Massa als Nummer zwei? Nicht mit dem Brasilianer

          Längst vergangene, bedeutend unsicherere, bedeutend unprofessionellere Formel-1-Zeiten. Doch der letzte Ferrari-Weltmeister mit romanischem Zungenschlag war Alberto Ascari 1953. Und ob Alonso mit Felipe Massa wesentlich besser auskommt als 2007 mit Lewis Hamilton bei McLaren, ist keineswegs gesichert. Vor dem protegierten Briten floh Alonso nach einer Saison zurück zum unterlegenen Renault-Team.

          Der emotionale Brasilianer Massa, vom schweren Unfall in Ungarn genesen, sieht sich jedenfalls beileibe nicht als Nummer zwei in der Garage. Warum auch? Seit 2006 ist er bei Ferrari heimisch, hat elf Rennen gewonnen. Er weiß, dass er den für seine akribische Arbeit bekannten Alonso schlagen muss, um nicht als ewig geschlagenes „Felipe-Baby“ (Funkspruch Domenicali) in die Ferrari-Historie einzugehen. Diese Saison ist seine wohl letzte Chance. Und war es nicht Alonsos Renault-Team, das Massa mit Nelson Piquets inszenierten Unfall in Singapur 2008 wertvolle Punkte klaute, Punkte, die ihm später fehlten, als ihn Lewis Hamilton um ein winziges Pünktchen der Weltmeisterschaft beraubte?

          Gesprochen habe er über die Sache mit Massa noch nie, sagt Alonso. Über „die Sache“, den größten bekannten Skandal in sechzig Jahren Formel 1, spricht der Asturier ohnehin nicht viel. Schließlich wird seinem früheren Manager Flavio Briatore der Betrug angelastet. In diesen Wochen spricht Alonso nur vom erfüllten Traum, Ferrari zu fahren. Am liebsten bis zur Rente.

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