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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Texas Hold’em

Gutes Blatt? Nicht in Austin Bild: dpa

Poker ist ein texanisches Spiel. Doch deshalb wird aus der Formel 1 noch lange keine amerikanische Rennserie. Für den Großen Preis von Amerika im kommenden Jahr sieht es düster aus.

          2 Min.

          Ach, Amerika, angebliches Land der Optimisten. „Oh, say can you see“, heißt es im „Star-Spangled Banner“, „by the dawn’s early light…“ Von wegen. Wir sehen schwarz, zumindest in Sachen Formel 1. Land der unbegrenzten Möglichkeiten, das war vielleicht mal.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Heute ist es ein klarer Fall von: Früher war alles besser. Zum Beispiel die Piloten. Phil Hill. Mario Andretti. Weltmeister, der eine mit Ferrari (Hill), der andere mit Lotus (Andretti). Namen mit Klang.

          Womit wir nicht sagen wollen, dass es beim letzten Amerikaner, der zu einem Grand Prix startete, am Sound mangelte. Leider versprach der Nachname des glück- und erfolglosen Scott Speed mehr, als der Fahrer halten konnte. Er wurde Mitte 2007 von einem jungen Deutschen namens Vettel bei Toro Rosso abgelöst.

          Auch beim vorletzten amerikanischen Fahrer lag es eher nicht am Nachnamen, dass die Erfolge ausblieben. Michael Andretti hatte nur die Initialen, nicht aber das Fahrtalent seines Vaters Mario geerbt. Und seine Starts für McLaren liegen inzwischen auch schon 18 Jahre zurück.

          Machen wir es kurz: Überragende amerikanische Talente, die den Sprung in die Formel 1 wagen würden, sind weiterhin nicht in Sicht. Und nach der kapitalen Bruchlandung, die Ken Anderson und Peter Windsor mit ihrem US Formula 1 Team vor Beginn der vergangenen Saison hingelegten – das Engagement war trotz anders lautender Bekenntnisse finanziell nie tragfähig – scheint es auch wenig wahrscheinlich, dass demnächst ein amerikanisches Team sein Glück in Übersee versucht.

          Keine Fahrer, kein Team – da klang es zunächst nach einer guten Nachricht, dass es ab 2012 wieder einen amerikanischen Grand Prix geben würde, auf einer noch zu bauenden Strecke, dem Circuit of the Americas im texanischen Austin.

          Denn immerhin liegt der letzte Grand Prix in Indianapolis auch schon wieder vier Jahre zurück und von den Ausflügen der Formel 1 auf den „Brickyard“ ist allgemein nur das Trauerspiel von 2005 in Erinnerung geblieben, als Michelin seinen Kundenteams vom Start aus Sicherheitsgründen abriet und ganze sechs Fahrer an den Start gingen. Der Auftritt ruiniert den Ruf der Serie in Amerika bis heute, der Neustart in Austin sollte ihn wieder aufpolieren.

          Spa und Monaco in New Jersey

          Doch dann wurden die Nachrichten ein bisschen zu gut für unseren Geschmack: Schon 2013 nämlich soll es noch ein zweites Rennen auf amerikanischem Boden ausgetragen werden. In Weehawken, New Jersey, gegenüber der Skyline von New York City.

          Ist das Monaco? Oder doch Spa? Fragezeichen in Weehawken
          Ist das Monaco? Oder doch Spa? Fragezeichen in Weehawken : Bild: dpa

          New Jerseys Gouverneur Chris Christie rührte gleich die ganz große Werbetrommel. Ein Kurs so anspruchsvoll wie Spa und ein Ambiente wie in Monaco soll Weehawken bieten – klar, darunter machen sie es nicht in Amerika. Think big, this is New York City, baby, oder jedenfalls fast.

          Ein paar Anmerkungen hätten wir zwar schon, zum Beispiel wüssten wir gerne, wer denn bitte Höhenunterschiede wie in den Ardennen in die topfebene Betonlandschaft der New Yorker Suburbs baggert. Ganz zu schweigen vom amerikaweit bekannten Ruf der Jersey Shores und seiner Bewohner, der nun alles andere als monegassisch mondän ist, sondern wohlwollend als amerikanisches Pendant zum Ruhrpottcharme und dessen landläufig bekannten Attributen gedeutet werden kann.

          Baustopp in Austin

          Inzwischen aber scheint es, als sollte noch nicht einmal das Rennen in Austin im kommenden Jahr über die Bühne gehen. In Texas ruhen im Moment alle Kräne und Bagger – Baustopp. Denn bislang hat niemand das Kleingedruckte zum geplanten Rennen gelesen, und zwar zwangsläufig. Denn die Betreiberfirma der künftigen Strecke hat bislang keinen Vertrag mit Bernie Ecclestone. Und der Promoter des Rennens, Ecclestones langjähriger Freund Tavo Hellmund, hat keinen Vertrag mit den Betreibern der Strecke.

          Was das bedeutet? Bis Dezember sollten die Differenzen behoben werden, dann wird der Rennkalender fürs kommende Jahr verabschiedet. „Jungs, verliebt Euch und heiratet, sonst wird es mit dem Rennen nichts“, zitiert die Nachrichtenagentur Reuters Ecclestone. Kein Problem, westlich des Mississippi kennt man sich schließlich mit Pistolen auf der Brust aus und Poker ist ein texanisches Spiel, sagen Sie? Nun ja. Er würde kein Geld auf die texanische Zwangsehe und ein Rennen im kommenden Jahr setzen, sagt Ecclestone. Wir auch nicht.
           

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