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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Sieben Runden und ein Boxenstopp

WM-Kandidat Vettel: Eigentlich gute Aussichten Bild: AFP

Sieben Rennen, fünf Fahrer, drei Teams: Wer wird Formel-1-Weltmeister? Der Crashtest wagt den Ausblick und analysiert die Chancen von Webber, Hamilton, Vettel, Button und Alonso auf den Kursen von Spa bis Abu Dhabi. Fazit: Ein Red Bull gewinnt - eigentlich.

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          Die Rechenaufgabe der Woche: Was ergibt sieben mal 25? Richtig, 175. 175 Punkte werden die Sieger der sieben ausstehenden Grand Prix der Formel-1-Saison noch unter sich verteilen - und 532 weitere Punkte werden die Niederlagen für die Verlierer erträglicher machen. Ergibt zusammen 707 Punkte aus sieben Rennen, an denen vor allem, und bei dieser achten Zahl soll der Glücksfall für Zahlenfetischisten enden, fünf Fahrer ein gesteigertes Interesse haben: Mark Webber, Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Jenson Button und Fernando Alonso.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Sie drehen ihre Runden noch mit ernsthaften Ambitionen auf die Fahrer-Weltmeisterschaft - unter ähnlichen Voraussetzungen. Schließlich liegt Frontmann Webber derzeit nur 20 Punkte vor dem Fünften Alonso. Ein Rückstand, den der Spanier mit einem Sieg in einen Vorsprung verwandeln könnte. Gleiche Chancen für alle also? Eher nicht, wie die Crashtest-Prognose zeigt. Denn auf den Strecken, die über den Titel entscheiden, sind die Vorteile ganz und gar nicht gleich verteilt.

          Runde eins: Spa-Francorchamps, 29. August
          Für viele Fahrer (und Fans) ist Spa der schönste Kurs im Formel-1-Kalender. In diesem Jahr dürften sich vor allem Sebastian Vettel und Mark Webber zu den Freunden des belgischen Grand Prix zählen, denn nach der Sommerpause wird Red Bull wohl weiterhin das Auto mit der besten Fahrbalance an den Start bringen. Ein großer Vorteil in den flüssigen Kurven durch die Ardennen - die bergaufführende Kemmel-Gerade hinter der berühmten Kurve Eau Rouge wird den stärkeren und in der Höchstgeschwindigkeit schnelleren McLaren keinen rennentscheidenden Vorteil bringen.

          Boxenstopp: Paris, 8. September
          Der Fia-Weltrat beschäftigt sich mit Ferraris Stallorder beim Grand Prix in Hockenheim. Das Szenario der möglichen Strafen wirkt bedrohlich (das Regelwerk ermöglicht Punktabzüge und gar den Ausschluss des Teams), die Konsequenzen dürften für die Italiener erträglich bleiben. Ferraris Teamchef Stefano Domenicali klingt nicht sonderlich beunruhigt: „Der Weltrat wird die Gesamtsituation richtig zu bewerten wissen.“ Drei um die Weltmeistschaft konkurrierende Teams gibt es im Herbst einer Saison nicht alle Jahre.

          Beliebtes Belgien: Die Strecke in Spa-Francorchamps
          Beliebtes Belgien: Die Strecke in Spa-Francorchamps : Bild: AFP

          Runde zwei: Monza, 12. September
          Zwei Wochen nach Spa später könnte sich das Blatt wenden. Nach dem Rückbau des Hockenheimrings 2002 und dem Umbau in Silverstone ist Monza der letzte verbliebene Highspeed-Kurs. Nirgends stehen die Heckflügel flacher, nirgends steigt der Tacho weiter. McLaren muss auf Monza setzen, Button und Hamilton müssen hier um jeden Preis gewinnen - die Chancen stehen dank des „F-Duct“-Windkanals und der Mercedesmotoren nicht schlecht. Red Bull hat den deutlich schwächeren Antrieb, Ferrari will den Heimvorteil nutzen, um die eigenen Fans zufrieden zu stellen.

          Runde drei: Singapur, 26. September
          Dritter Auftritt der Formel 1 im Stadtstaat, die bisherigen Sieger heißen Lewis Hamilton (2009) und Fernando Alonso. Der durfte sich für den Sieg 2008 bei seinem manipulierenden Team um Flavio Briatore und für die Unterstützung seines Teamkollegen Nelson Piquet jr. bedanken, der seinen Renault auf Anweisung in die Streckenbegrenzung lenkte und für die entscheidende Saftey-Car-Phase sorgte. Auch in dieser Saison hat Alonso schon bewiesen, dass fair nicht immer Vorfahrt hat, weil es im Zweifel weniger Punkte bringt (Hockenheim). Die Chancen, Red Bull in Singapur zu besiegen, stehen für Ferrari nicht schlecht - weil Safety-Car-Einsätze auch ohne Manipulation nicht unwahrscheinlich sind und die Strategie allein auf Alonso ausgerichtet sein wird.

          Runde vier: Suzuka, 10. Oktober
          Der nächste Klassiker im Mammutprogramm der Saison 2010. Die Strecke im Vergnügungspark Motopia dürfte nach derzeitigem Stand ein weiterer Fall für Red Bull sein. Viele Kurven, nur zwei Geraden - doch schon häufiger wurde der japanische Grand Prix zum Regenrennen. Wird es nass, steigen die Chancen der McLaren-Piloten erheblich.

          Runde fünf: Yeongam, 24. Oktober
          Rätselhaftes Korea: Die Premiere auf dem Korean International Circuit ist ein Problem für die zahlengläubigen Rechner in den Rennteams. Sie reisen ohne Erfahrungswerte an. Angesichts des Vorteils, den Vettel, Webber und Alonso bis dahin herausgefahren haben könnten (und im Hinblick auf die noch folgenden Kurse), sollten Hamilton und Button den Start im Formel-1-Neuland zu ihren Gunsten nutzen - doch der von Hermann Tilke entworfene Kurs lässt keinen entscheidenden McLaren-Vorteil vermuten.

          Runde sechs: Sao Paulo, 7. November
          Das Autodromo Carlos Pace war in den letzten Jahren regelmäßig für Auto-Dramen gut. 2007 krönte Kimi Räikkönen seine Aufholjagd mit dem Weltmeistertitel, 2008 freute sich Felipe Massa ein paar Sekunden zu früh - Lewis Hamilton überholte Timo Glock und wurde Weltmeister. Und im vergangenen Jahr versenkte Sebastian Vettel seine WM-Chancen schon während des Qualifyings im strömenden Regen. Die Red-Bull-Fahrer sind in diesem Jahr wieder erste Kandidaten auf den Sieg - allerdings erreichen die Piloten vor dem Senna-S und am Ende der Oposta-Gerade einen letzten Geschwindigkeitshöhepunkt der Saison (je rund 320 Stundenkilometer). Letzte Hoffnung für McLaren?

          Runde sieben, Abu Dhabi, 14. November
          Vom Golf an den Golf: Was in Bahrein im März begann, endet Mitte November in Abu Dhabi. Im vergangenen Jahr gewann Sebastian Vettel überlegen vor Mark Webber, Wiederholung 2010 nicht unwahrscheinlich. 2010 sollte das Jahr eines der beiden Red-Bull-Fahrer werden, die ausstehenden Rennen und die bisherige Dominanz ihres Autos sprechen für sie. Fliegen allerdings Vettel und Webber mit intakten WM-Chancen nach Abu Dhabi, das steht spätestens seit dem Istanbuler Bullenkampf fest, könnte es schnell einen lachenden Dritten geben. Doch wie sagte Fernando Alonso Anfang der Woche: „Button, Hamilton und ich waren schon Weltmeister. Wir wissen, wie es geht.“ Gut möglich, dass Vettel und Webber diesen Beweis trotz aller Vorteile weiter schuldig bleiben.

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