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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Probleme für Wachtmeister Todt

Der Präsident hat eine Idee: Jean Todt Bild: AP

Fia-Präsident Jean Todt hat eine Idee: Rennfahrer, die im Straßenverkehr zu viel Gas geben, sollen beim Rennen in der Box bleiben. Ein Plan von beschränkter Umsetzbarkeit. Kein Formel-1-Fahrer braucht einen Führerschein, um Rennen zu fahren.

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          „Guten Abend, Herr Wachtmeister!“ Wer kennt sie nicht, die glatte Lüge aus dem Straßenverkehr? Prompt werden freundliche Worte zu frommen Bitten, den nicht gesetzten Blinker zu übersehen, die doch sicher noch gelbe Ampel zu akzeptieren und überhaupt: Stand denn dort hinten wirklich ein Tempo-30-Schild?

          „Guten Abend, Mister Hamilton!“, dürfte der prominente Delinquent als Antwort bekommen haben, als er Ende März in Melbourne nach getaner Arbeit beim unvorschriftsmäßigen Betrieb seines Kraftfahrzeugs im Amüsierviertel St. Kilda erwischt wurde. Nur ein etwas heftiger Kavaliersstart eines Formel-1-Weltmeisters in der australischen Nacht?

          Mitnichten jedenfalls ein Kavaliersdelikt, abgeschleppt wurde das potente Fortbewegungsmittel schwäbischer Machart, die strikten australischen Ordnungshüter schlossen von durchdrehenden Reifen auf einen für den öffentlichen Straßenverkehr zu frei drehenden Lewis Hamilton. Der Pilot brauchte einen Chauffeur. Das hat nun den obersten Wachtmeister des internationalen Motorsportverbands Fia auf den Plan gebracht.

          Familienangelegenheit: Todts Lebensgefährtin Yeoh als Botschafterin der Fia-Kampagne „Make roads safe” in Manila

          Und des einen Fahrers Leid könnte künftig zur Freude der anderen werden, wenn Fia-Präsident Jean Todt seine Idee durchsetzt, Formel-1-Piloten für die Verkehrssünden abseits der Rennstrecke auf derselben büßen zu lassen. „Ein Formel-1-Fahrer ist ein Verkehrsteilnehmer wie jeder andere auch. Sanktionen für die Piloten, die sich falsch verhalten, könnten eine Möglichkeit sein.“ Im Klartext: Zu viel Tempo auf öffentlichen Straßen wird mit der erzwungenen Vollbremsung auf der Rennstrecke sanktioniert. Oder: Mehr Punkte in Flensburg werden zu weniger Punkten in der Weltmeisterschaft. Ein ambitionierter Plan mit begrenztem Umsetzungspotential.

          Die Geliebte und der General

          Hintergrund der Idee des im vergangenen Jahr an die Stelle von Max Mosley getretenen früheren Rallye-Co-Piloten Todt ist sein Plan, den Motorsport und insbesondere die Formel 1 in politisch und strategisch korrekte, also vermarktbare Gefilde zu lotsen. Also engagiert sich Todt für die Wiedereinführung des Energie-Rückgewinnungssystems Kers und führt die für das große Ganze zuständige Fia-Kampagne „Make cars green“.

          Die Sicherheit im Straßenverkehr, schon seinem Vorgänger Mosley ein Anliegen, wird unter dem Slogan „Make roads safe“ geparkt - und für Todt zur Familienangelegenheit. Seine schauspielende Lebensgefährtin Michelle Yeoh ist als „Global Ambassador“ Frontfrau der Kampagne. Jüngst traf sie in New York mit dem Chef der russischen Verkehrspolizei, General Viktor Kirjanow zusammen - einem Fachmann für das Thema, sind Russlands Straßen doch dann besonders sicher, wenn gewichtige Größen in angemessen dunklen und schweren Limousinen- und Geländewagenkolonnen in mit für sie angemessener Geschwindigkeit über abgesperrte Straßen rasen. Jedenfalls für die Insassen. Für alle anderen Verkehrsteilnehmer gilt in diesen Situation: Rette sich, wer kann. Gibt es ein Problem, Herr Wachtmeister?

          Viele sind mit schwerem Gasfuß unterwegs

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