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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Nie wieder verlieren

Philosoph Alonso: „Der Samurai ist ein Krieger, der alles als Herausforderung begreift” Bild: dpa

Von der Formel 1 lernen heißt siegen lernen. Oder zumindest lernen, ohne Niederlage zu leben. Während Rosberg noch hart an dieser Kunst arbeitet, ist Alonso der Großmeister fehlschlagfreier Dialektik.

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          Sportler sein, das ist ein Traum, und am allerschönsten träumt es sich selbstverständlich als Formel-1-Pilot. Denn während es ja grundsätzlich so ist, dass man sich als Sportler die meisten Niederlagen schön reden kann, stößt diese Technik manchmal doch an gewisse Grenzen. Ein  Beispiel liefert der Dienstagabend: Das 0:4 gegen die Bayern wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch unter Aufwendung stärkster Suggestivkräfte eine Niederlage für alle Spieler des FC Barcelona bleiben. In der Formel 1 hingegen wird seit Jahren sehr erfolgreich an der Abschaffung der Niederlage gearbeitet.

          Da sind zum einen die überaus eifrigen PR-Abteilungen aller Teams. Sie sind für die Fahrer das, was Medien und Könighaus in Bahrein für Bernie Ecclestone sind. Glaubt man an ihre Botschaften, sieht die Welt ganz anders aus. Bei den Teams gibt es, ob in Bahrein oder anderswo, ganz selten schlechte Nachrichten, und wenn, dann nur in Kombination mit guten.

          Kleines Beispiel:  Nico Rosberg. Neunter beim Rennen durch die Wüstenei, das ist nach herkömmlicher Definition der Erfolgsfibel für Mercedes-Angestellte nicht eben ein Erfolg. Rosberg klang nach dem Rennen, das er immerhin als Erster begonnen hatte, entsprechend („Ernüchternd. Grausam.”) - offensichtlich meistert er die Kunst des niederlagenfreien Rennfahrens noch nicht.

          Hat fast gar nicht wehgetan

          Macht nichts, das kann man schminken: „Hoffentlich geht es voran, bevor wir nach Europa kommen”, heißt die Überschrift des offiziellen Rosberg-Statements, und überhaupt war es „ebenso schön, von der Pole Position ins Rennen zu starten” - kurze Gedankenpause, nochmal Luft einziehen, hilft ja nichts, da müssen wir gemeinsam durch - „wie ärgerlich, als Neunter ins Ziel zu kommen.” Ausatmen, hat fast gar nicht weh getan. Sagte jemand was von Niederlage?

          Lehrling Rosberg: „Ernüchternd. Grausam“

          Noch gelungener niederlagenfrei lebt es sich selbstverständlich für Rennfahrer, die auf die Kosmetik des PR-Teams gar nicht angewiesen sind. Stellen Sie sich vor, Sie fahren seit ein paar Jahren bei einem gewissen italienischen Rennstall. Nun klemmt Ihr Heckflügel und das Team ruft Sie deshalb so oft zum Boxenstopp, dass der Teamchef rot sieht. Alles kein Problem, wenn Sie Fernando Alonso sind. Lass den Boss Stefano Domenicali schimpfen („So kann man nicht gewinnen”), dachte sich der Spanier in Bahrein, in der Dialektik eines Champions gibt es keine Niederlagen. Sondern Twitter. Dort spricht der Meister der Kurznachricht seit geraumer Zeit als Samurai zu uns (sofern er nicht gerade mit Freunden speist).

          Wir zitieren: “Normalsterbliche begreifen alles als Gnade oder Fluch. Der Samurai ist ein Krieger, der alles als Herausforderung begreift.

          Fantastisch - wir werden am Wochenende daran denken, wenn wir die Sommerreifen auf die Familienkutsche ziehen. Und Senor Alonso? Wird nie wieder verlieren, da kann ihm der Vettel noch so oft auf und davon fahren. Eine kleine Anmerkung haben wir aber noch: Vor lauter Herausforderungen gibt es in der Dialektik des Champions ja nicht mal mehr Siege. Eigentlich ganz schön langweilig, so ein Leben als Formel-1-Rennfahrer.

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