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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Intransparenz ist sein Pfand

Muss sich vor Gericht verantworten: Formel 1-Chef Bernie Ecclestone Bild: AFP

In Bahrein fährt die Formel 1 künftig unter Flutlicht. Das Licht ins Dunkel gebracht wird, ist sonst eher nicht erwünscht. Deshalb darf Bernie Ecclestone weiter vom Schweigen der Rennställe ausgehen.

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          Licht ins Dunkel bringen. Das ist immer eine gute Sache. Die Dinge lassen sich besser oder überhaupt erkennen. Der Formel 1 kann das ja nicht schaden. Wenn man demnächst etwa in einem Münchener Gerichtssaal die Scheinwerfer anknipst und versucht, Bernie Ecclestone auszuleuchten. Hat er im großen Stil bestochen und angestiftet zur Untreue oder ist der kleine Brite, wie er steif und fest behauptet, Opfer einer gemeinen Verschwörung?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nein, die Formel 1, ihre Mitglieder, also die Teams, die ihren Chefmanager seit Jahrzehnten kennen, werden kaum mit Spots bei der Wahrheitsfindung assistieren. Aber sie haben auch nicht gerade Kerzen angezündet, als bekannt wurde, dass Ecclestone der Prozess gemacht werden soll. Sie wissen schon lange um die Schwächen seines altbackenen Vermarktungskonzeptes. Nur die unsichtbare, weltweite Vernetzung Ecclestones, die von ihm inszenierte Verschachtelung der Formel-1-Unternehmen, hat den 83-jährigen Engländer davor bewahrt, aufs Altenteil geschoben zu werden. Die Intransparenz war oder -  das fürchten die Reformfreunde - ist sein Pfand.

          So grell die Formel 1 mitunter auch erscheint: Abseits der Strecke, hinter den Kulissen, scheut sie das Flutlicht wie der Maulwurf die Sonne. Der Besitzer der Vermarktungsrechte, das Unternehmen CVC, hat Ecclestone zum Beispiel gleich nach der Annahme der Anklage durch das Gericht aus dem Rampenlicht geschoben. Das wirft auf den ersten Blick ein ganz gutes Licht auf die Formel 1. Sie reagiert ja doch. Auf den zweiten merkt man, wie sehr so ein Blitz ablenkt. Bernie sagt, er mache weiter wie eh und je. Nun im Halbdunkeln?

          Dazu passt die jüngste Meldung aus Bahrein. Auf der Rennstrecke wird es an Renntagen der Formel 1 nun  taghell, wenn sich die Dunkelheit bis zum Rennstart über die Sakhirwüste gelegt hat. In Bahrein fährt man beim Großen Preis am 6. April wie in Singapur nun erstmals unter Flutlicht. Das kostet viel Energie, aber es soll die  Aufmerksamkeit erhöhen, angeblich nicht nur die der brökelnden Fernsehgemeinde in Europa. Jedenfalls hoffen das die Veranstalter und Ecclestone. Denn in Bahrein interessierten sich die Menschen bislang kaum für die Formel 1. Im Gegenteil. Die große Opposition hält sie für ein Propaganda-Instrument des Herrscherhauses. Sie würde die Fahrer gerne darüber aufklären. Aber so viel Licht ist nicht gewünscht.

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