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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Glamour, Glitzer und Getöse

Wenn es dunkel wird in Singapur, dröhnen an diesem Wochenende wieder die Motoren Bild: dpa

In Singapur werden die Formel-1-Piloten am Wochenende wieder zu Nachtarbeitern. Die Zuschauer werden viel Ungewohntes zu sehen bekommen. Doch was so faszinierend ist im Stadtstaat, kann für die Fahrer schnell zu einem Risiko werden.

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          Sie tun alles, um am Tag so lange wie möglich schlafen zu können und auf keinen Fall in den asiatischen Rhythmus zu verfallen. Wandeln noch nachts um drei Uhr über die Strecke von Singapur, um sich all die tückischen Stellen einzuprägen. Tanzen noch in der Nacht in einer Disco die Müdigkeit aus dem Körper.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nick Heidfeld, seinerzeit noch für BMW und nun nach beinahe zehnmonatiger Pause wieder für Sauber am Steuer, hat vor drei Jahren diese ungewöhnliche Art der Vorbereitung auf den Grand Prix im asiatischen Stadtstaat gewählt. Im Fernen Osten werden die Piloten zu Nachtarbeitern. Schlafprobleme am Tag inklusive.

          Aber der Markt fordert es von ihnen. Singapur ist der Auftakt der Asien-Wochen der Formel 1. Noch 1998 fand auf diesem Kontinent lediglich ein Rennen statt, in dieser Saison sind es sieben. Die Osterweiterung geht munter weiter, doch damit ging auch ein Problem einher, das vor allem die Zahlenfetischisten der Branche jahrelang zur Verzweiflung trieb: Wegen der Zeitverschiebung gingen die Einschaltquoten im Kernmarkt Europa drastisch zurück.

          „Was, wenn plötzlich der Strom ausfällt und wir im Dunkeln fahren?”, fragt Sebastian Vettel

          „Was, wenn plötzlich der Strom ausfällt?“

          Erst die Eroberung der Nacht hat diesem Dilemma ein Ende gemacht. Um 18 Uhr Ortszeit starten die Boliden an diesem Freitag zum ersten Training, das zweite endet erst um 23 Uhr. Die Qualifikation findet am Samstag um 22 Uhr statt, das Rennen geht am Sonntag um 20 Uhr los. In Deutschland wird es dann 14 Uhr sein.

          Der Fernsehzuschauer wird viel Ungewohntes zu sehen bekommen. Piloten, die mit ungetönten Visieren antreten und denen man deshalb bei der Arbeit mal in die Augen schauen kann. Oder eine Rennstrecke, die, aus dem Blickwinkel der Kameras hoch über den Kurs betrachtet, wirkt wie eine überdimensionale Carrera-Bahn. Eine berauschende Kulisse.

          Rund 1500 Scheinwerfer werden den Kurs beleuchten und so für spezielle Herausforderungen sorgen. Diffuses Licht in Verbindung mit den typischen Bodenwellen eines Stadtkurses - was für die Zuschauer so faszinierend und zauberhaft wirkt, kann für die Piloten schnell zu einem Risiko werden. Sebastian Vettel fragte sogar schon einmal: „Was, wenn plötzlich der Strom ausfällt und wir im Dunkeln fahren?“

          Die Formel 1 am Ort ihres größten Skandals

          Das wird nicht passieren, zu viel Prestige liegt über dieser Veranstaltung. Glamour, Glitzer und Getöse - das ist der Dreiklang für dieses Wochenende. 100.000 Zuschauer werden erwartet, Mariah Carey wird eingeflogen und soll ebenso wie die Rapperin Missy Elliott singen. Das Nachtrennen ist in Singapur mehr als nur ein Grand Prix in der Formel 1. Es ist ein Mega-Event.

          Doch damit nicht genug, die Formel 1 kehrt auch zurück zum Ort ihres bisher größten Skandals. 2008 ermöglichte der fingierte Crash von Nelson Piquet Junior den Renault-Erfolg seines Teamkollegen Fernando Alonso. Heute gehört der Spanier zu den fünf Kandidaten, die noch um den Titel rasen. Er hat nur „gute Erinnerungen“ an Singapur.

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