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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Früher bleibt alles besser

29. Juli 1951: Der spätere Weltmeister Juan Manuel Fangio wird mit seinem Alfa Romeo Zweiter beim ersten Großen Preis von Deutschland im Rahmen der Formel 1 auf dem Nürburgring Bild:

Formel-1-Fans bleiben Traditionalisten: Vor allem die klassischen Grand-Prix-Kurse in Europa sind beliebt. Kein Wunder, denn dort sind die Rennen deutlich aufregender als in Arabien und Fernost. Die gute Nachricht: Deshalb ist auch das Rennen von Melbourne an diesem Wochenende unverzichtbar.

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          Ist der Wecker schon gestellt? Nächste Haltestelle Albert Park, Melbourne, Australien - und der erfahrene deutsche Formel-1-Zuschauer weiß, was das bedeutet: Schumacher zum Frühstück, Brötchen und Müsli mit Vettel. Von acht Uhr deutscher Sommerzeit an dröhnen die Motoren im Rennen, von sieben Uhr an am Samstag in den Qualifikationsrunden, und wer zuvor die freien Traningsläufe zur nachtschlafenen Zeit sehen will, kann draußen die ersten Singvögellaute der heimischen Frühlingsfauna hören.

          Keine Lust aufzustehen? Genug vom Kreislauf der Meister nach dem drögen Auftakt in Bahrein? Folgt auf den großen Quotenpreis, den Schumachers Rückkehr dem übertragenden Fernsehsender RTL in Deutschland brachte, nun schon die große Enttäuschung? Wohl kaum, legt man die Zahlen zu Grunde, die von der Team-Vereinigung Fota, dem Sponsor LG Electronics und der britischen Zeitschrift „F1 Racing“ in einer Umfrage unter 90.000 Formel-1-Fans weltweit ermittelt wurden.

          Denn bei der Frage nach den wichtigsten, mithin unverzichtbaren Rennstrecken landete der australische Kurs immerhin auf dem zehnten Platz, ein knappes Viertel der Befragten will den australischen Grand Prix auch weiterhin im Kalender sehen. Die Umfragezahlen sind eindeutig: Die beliebtesten Rennen sind Monaco, Monza, Silverstone (alle in der ersten Formel-1-Saison 1950 im Programm), der deutsche Grand Prix mit den sich abwechselnden Strecken Nürburgring (1951) und Hockenheimring (1970) und der Große Preis von Belgien in Spa (1950).

          Gutes Gefühl: 2009 gewann Jenson Button den Saisonauftakt in Melbourne mit dem neuen Brawn-Team

          Formel-1-Fans sind und bleiben Traditionalisten

          Nicht unter den Top Ten: der Wüstenkurs in Bahrein (2004). Die Fahrt in den Sonnenuntergang von Abu Dhabi (2009). Die nächtliche Stadtrundfahrt in Singapur (2008). Und die Rennen in der Türkei (2005), in China (2004), Malaysia (1999) und Valencia (2008). Formel-1-Fans sind und bleiben demnach Traditionalisten. Die Liebe zu den klassischen und somit zum Großteil europäischen Rennstrecken aber gibt zu denken: Seit Jahren führt die Suche nach mehr Spektakel und neuen Geldgebern Bernie Ecclestone vor allem nach Osten.

          1994, als Michael Schumacher zum ersten Mal Weltmeister wurde, wurden elf von insgesamt 16 Rennen in Europa ausgetragen, die beiden asiatischen Grand Prix fanden in Japan statt. 2004, als Schumacher seinen siebten und bislang letzten WM-Titel gewann, fanden acht von 18 Rennen außerhalb Europas statt, die Hälfte davon in China, Malaysia, Bahrein und Japan.

          Zählt man den türkischen Grand Prix im asiatischen Teil Istanbuls als europäisches Rennen, werden in dieser Saison außerhalb Europas erstmals mehr Rennen gefahren als auf dem Kontinent, auf dem zehn von zwölf Teams ihre Heimat haben. Und in sieben von zehn außereuropäischen Grand Prix geben die Fahrer in Asien Gas. Neu im Programm: Der Große Preis von Korea. In der kommenden Saison soll erstmals in Indien gestartet werden, die Saison umfasste dann erstmals 20 Rennen.

          Leuchtende Augen bei Eau Rouge und Parabolica

          Aufregend findet das offenbar nur eine Minderheit unter den Fans, das belegen auch die Zuschauerzahlen etwa in Bahrein und in Istanbul. Hinzu kommt, dass die Rennen auf den Jahrzehnte alten Kursen in Monza, Spa und Silverstone, aber auch in Melbourne, Montreal und Interlagos gewöhnlich wesentlich spannender sind als die Hoffnung auf häufig genug ausbleibende Duelle auf den neu entworfenen Strecken in Arabien und Fernost - für Zuschauer und Fahrer. Das Wehklagen der Piloten über die langsamen Kurven von Sakhir steht in deutlichem Kontrast zu den leuchtenden Augen, wenn von Eau Rouge und Parabolica die Rede ist.

          Die Duelle in Interlagos um die Weltmeisterschaft 2008 und 2009 haben die Fans ebenso noch im Kopf wie die Hatzen durch den Ardennenwald um Spa-Francorchamps, die sich der Finne Kimi Räikkönen 2008 mit Lewis Hamilton und 2009 mit Giancarlo Fisichella lieferte. Viele werden sich noch an den Auftakt der großen Brawn-Siegesserie in Melbourne vor einem Jahr erinnern und Sebastian Vettels Unvorsicht, der in einer Kollision mit Robert Kubica endete. Wer aber hat unvergessliche Szenen von Sakhir oder Schanghai vor Augen? Da wird die Wahl doch eng - oder fällt aus.

          Spannung vom Reißbrett? Das funktioniert nicht!

          Dass er die europäischen, aber auch die brasilianischen und japanischen Formel-1-Fans nicht vergraulen darf, hat Ecclestone bei allem Drang in neue Märkte längst begriffen. Für das Rennen in Australien drückte er die von ihm gewünschte Startzeit von 17 Uhr Ortszeit durch, um die europäischen Fans am Frühstückstisch zu erwischen und nicht im Bett.

          Das Rennen in Sepang ein Wochenende später beginnt in dieser Saison eine Stunde früher (10 Uhr MESZ) als im vergangenen Jahr, als das Entgegenkommen auf europäische Sehgewohnheiten ohne Sicht im malaysischen Monsun endete. Entscheidend aber sind für die Fans nicht die Startzeiten - entscheidend ist die Spannung. Und die, das zeigen die in den vergangenen Jahren hinzugekommenen Kurse, lässt sich auf Reißbrettern bislang nicht entwerfen.

          Die Umfrageergebnisse:

          Die wichtigsten Länder:

          1. Monaco (52,0%)
          2. Italien (50,6 %)
          3. Großbritannien (42,9 %)
          4. Deutschland (38,8%)
          5. Belgien (29,4%)

          Die beliebtesten Fahrer:

          1. Michael Schumacher (19,5%)
          2. Fernando Alonso (9,7%)
          3. Kimi Räikkönen (7,2%)
          4. Felipe Massa (6,1%)
          5. Lewis Hamilton (6,0%)

          9. Sebastian Vettel (1,7 %)

          Die beliebtesten Teams:

          1. Ferrari (30,1%)
          2. McLaren (19,1%)
          3. Brawn/Mercedes (10,1%)

          Ist das neue Punktsystem sinnvoll?

          Ja 44,9%
          Nein 14,2%
          Unsicher 40,9%

          War die Einführung des Kers-Systems gut für die Rennen 2009?

          Stark zustimmend 16,9%
          Stark ablehnend 18,0%
          Weder stark zustimmend noch stark ablehnend 29,7%

          Sollte Kers wieder eingeführt werden?

          Stark zustimmend 23,2%
          Stark ablehnend 17,6%
          Weder stark zustimmend noch stark ablehnend 26,3%

          Quelle: LG Electronics/Fota/F1 Racing

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