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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Frauen ans Steuer!

Simona De Silvestro: In Amerika hat sie schon gezeigt, was sie kann - jetzt soll die Formel 1 von ihr erfahren. Bild: AP

22 Autos mit 22 Männern gehen in der Formel 1 an den Start. Das könnte schon bald der Vergangenheit angehören. Ein Plädoyer für die Gleichberechtigung im Cockpit.

          2 Min.

          Die Formel 1 ist testosterongesteuert: An der Spitze des Milliardengeschäfts diktiert noch immer ein alter Mann (Bernie Ecclestone), was gespielt wird und wo der Zirkus auftritt. Bei den Rennen sitzen 22 Männer in den 22 Autos und von den Teamchefs sind alle männlich bis auf eine (Monisha Kaltenborn vom Sauber-Rennstall). Frauen durften jahrelange vor allem eines: gut aussehen, mit den Startnummern über das Asphaltband schweben und den Helden in ihren Cockpits so die richtige Einparkposition zeigen.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Inzwischen gibt es zudem einige Technikerinnen und Ingenieurinnen, nur eines fehlt weiterhin: Eine Frau, die sonntags am Steuer dreht. „Das große Problem mit einer Frau ist, dass sie, auch wenn sie gut genug ist, keine Gelegenheit dazu haben wird, es auch zu zeigen“, sagte Ecclestone noch vor der Saison. 

          Zwei von ihnen probieren es inzwischen: Susie Wolff , 31 Jahre alt, ist Test- und Ersatzfahrerin beim Williams-Rennstall, Simona de Silvestro, 25 Jahre alt,  wird auf einen Einsatz beim Sauber-Team vorbereitet. Für die Szene sind das gleich zwei gute Nachrichten, denn die Formel 1 lebt noch immer von den Menschen und nicht so sehr von den Maschinen. Schließlich sind es die Steuerkünstler, welche Emotionen wecken und Phantasien beflügeln.

          Und noch will es wissen: Susie Wolff, Test- und Ersatzfaherin beim Williams-Rennstall

          Und was könnte schöner sein als eine Frau, die den Männer um die Ohren fährt? Adrian Sutil ist wenig begeistert von seiner neuen Teamkollegin bei Sauber. Denn für ihn ist die Rechnung eindeutig: Ist de Silvestro schneller als er, dann ist die Karriere des Mannes aus Bayern in der Königsklasse des Motorsports vermutlich beendet. 

          Aber Hand aufs Herz: Was wissen Sie von Sutil? Und was interessiert Sie überhaupt? Schon 2007 gab er sein Debüt in der Formel 1, seitdem fährt er oft hinterher und fällt nur manchmal auf. Zudem konnte Sutil noch niemandem beweisen, dass er über weit mehr Talent verfügt als ein durchschnittlicher Rennfahrer. Seine Bilanz in diesem Jahr: Platz elf in Australien, ausgefallen in Malaysia, Bahrein und China, Platz siebzehn in Barcelona. Sein Teamkollege Esteban Gutierrez macht es nicht viel besser: Platz zwölf in Malaysia, ausgefallen in Malaysia und Bahrein, Platz sechzehn in China und Barcelona. Punkte gibt es dafür nicht, und auch der PR-Effekt ist gleich null. Wenn eine Frau wie de Silvestro aber auch nur annähernd die gleiche Leistung zeigen würde, sie und das Team würden Wochenende für Wochenende Aufmerksamkeit erzielen. 

          Dürfen wir vorstellen: Die beiden Sauber-Fahrer Esteban Gutierrez  (links) und Adrian Sutil verbindet die Angst, von einer Frau abgehängt zu werden.

          Für einen Mittelklasse-Rennstall wie Sauber, der Jahr für Jahr um die Finanzierung seines Rennsportprojektes kämpft, ist das kein zu vernachlässigender Faktor. Die Verantwortlichen haben ein spezielles Programm erarbeitet, durch das die Schweizerin an ihren ersten Einsatz herangeführt werden soll. Dass sie etwas von ihren Handwerk versteht, hat sie schon in Amerika bewiesen. Vier Jahre startete sie in der IndyCar-Series, ihre beste Position war ein zweiter Platz. Glück? Wohl kaum. Deshalb schafft es niemand auf das Podium. 

          Fünf Frauen gab es bisher in der Formel 1, nur zwei davon haben sich für ein Grand-Prix-Wochenende qualifiziert. Die Widerstände in der Macho-Welt sind enorm. Es gibt zu wenig Vertrauen in ihre Fähigkeiten, zu wenig Unterstützung in der Jugend, zu wenig Werbung und vor allem gibt eines: Die Angst der Männer, überholt zu werden. Dabei ist es längst Zeit dafür.

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