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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Fitmachen für den primären Arbeitsmarkt

Nick Heidfeld wird Reifentester - am besten nicht im Extrembereich Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Als Testfahrer von Mercedes stand Nick Heidfeld in den vergangenen Monaten still. Als Reifentester für Pirelli ist er nun wieder ständig gefragt. Die Fortbildungsmaßnahme erhöht Heidfelds Jobaussichten.

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          Ende der Betriebsferien, Angriff auf den Titel. Seit Anfang dieser Woche sitzen Sebastian Vettel (Red Bull), Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) und ihre Konkurrenten wieder stundenlang im Simulator und schwitzen. Auf der Suche nach Zehntelsekunden, die sie ihre Boliden auf der Rennstrecke noch einmal beschleunigen können. Sieben Rennen vor Ende der Saison gibt es vor allem noch eine offene Frage: Wer wird Weltmeister? Fünf Piloten haben noch die realistische Möglichkeit dazu.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nick Heidfeld hingegen wird es sicher nicht. Dabei hat auch der 33 Jahre alte Mönchengladbacher während seiner Karriere in der Formel 1 selten falsche Zurückhaltung an den Tag gelegt. Er sprach offen aus, was er noch erreichen wollte in seinem Leben als Rennfahrer: Den Titel gewinnen. Doch bis heute reichte es in fast einem kompletten Jahrzehnt im Circuit nicht einmal zu einem Grand-Prix-Erfolg, und am Anfang dieser Saison hatte Heidfeld nicht mal mehr ein Auto, mit dem er um die Kurse dieser Welt rasen konnte.

          Alles Vergangenheit, am Dienstag hat seine Reise in ein für ihn unbekanntes Metier begonnen. In einem Toyota aus dem Vorjahr testet Heidefeld nun für Pirelli, um die Pneus des Herstellers auf ihre Einsätze in der kommenden Saison vorzubereiten. So kommt er wenigstens zum Fahren - wenn auch nicht zu Renneinsätzen.

          Auf der Mauer, auf der Lauer: Nick Heidfeld hat einen neuen Job

          Weiterbildung erhöht die Chancen am Arbeitsmarkt

          Die Italiener frohlocken schon jetzt über ihre Neuverpflichtung von Mercedes: „Nick hat den Speed, um unsere neuen Reifen ans Limit zu bringen und die Konstanz, um verlässliche Simulationen durchzuführen“, sagt Paul Hembery, der Motorsport-Direktor von Pirelli. Doch der Reifenhersteller wird vermutlich nicht der einzige Profiteur dieses Wechsels bleiben. Heidfeld erarbeitet sich in den kommenden Monaten durch sein tagelanges Kreisen mit verschiedenen Gummimischungen einen Wissensvorsprung, der ihn bei Verhandlungen um ein Cockpit für das neue Jahr in die Pole Position bringen könnte.

          Unter anderem sucht offenbar Renault noch einen zweiten Piloten neben dem Polen Robert Kubica. Die Franzosen haben wieder Großes vor: 2011 wollen sie um den Titel kämpfen. Ein Ziel, das mit den Plänen von Heidfeld harmonieren würde. Auch der Anspruch von Mercedes endet erst mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft. In dieser Saison bleibt Michael Schumacher sowie Nico Rosberg nicht mehr als die Rolle des hinterherrasenden Zuschauers, im kommenden Jahr aber wollen sie angreifen.

          Es könnte bald wieder richtig rund gehen für Heidfeld

          Allerdings ist kaum davon auszugehen, dass Heidfeld sein ehemaliges Team als eine Art Reifenflüsterer mit Informationen versorgt. Sein Vertrag mit Pirelli beinhaltet sicherlich eine Schweigeklausel, und schon Tage nach seinem Abschied von der „deutschen Formel-1-Nationalmannschaft“ aus Stuttgart ist der Zeitpunkt gekommen, an dem er vor allem wieder an sich selbst denkt.

          Er will gewinnen, und Mercedes könnte schon bald wieder einer seiner Konkurrenten auf der Rennstrecke werden. Würde er wider Erwarten zurückkommen, dann wohl nur als Stammpilot. 2011 hat er jedoch sehr wahrscheinlich keine Aussichten auf ein Steuer im Silberpfeil - Schumacher wird seine Umlaufbahn noch nicht wieder verlassen, Rosberg gilt als Versprechen für künftige Erfolge.

          Für Ähnliches könnte nun trotz seines fortgeschrittenen Alters von nun schon 33 Jahren auch Heidfeld wieder stehen. Fortschritt durch Wissen, das könnte sein Werbeslogan werden. Red Bull, McLaren und Ferrari arbeiten noch mit Vollgas im Hier und Jetzt, dem Titelgewinn am Ende dieser Saison wird alles untergeordnet. Heidfeld werkelt als Reifentester schon an seiner Zukunft. Für ihn könnte es bald wieder richtig rund gehen - und nicht nur testweise.

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