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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Ein Freund, ein guter Freund

Sieht nach großer Harmonie aus: Doch Webber (r.) und Vettel werden in den nächsten Monaten vor allem mit sich selbst befreundet sein Bild: REUTERS

Diie Konkurrenz ist jetzt schon genervt: Der Favorit auf die Weltmeisterschaft sitzt in einem Red Bull. Doch wer wird das sein? Mark Webber zeigt dem bisherigen Chefpiloten Sebastian Vettel auf einmal die Rücklichter. Noch sind die Bilder harmonisch - doch das Duell hat begonnen.

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          Hallo! Aufgewacht! Na, haben Sie es immer noch nicht bemerkt? In diesem Jahr könnte tatsächlich ein deutscher Fahrer erstmals seit 2004 wieder Weltmeister in der Formel 1 werden. Hört sich komisch an? Michael Schumacher ist im Silberpfeil ja in Rekordgeschwindigkeit zurückgekehrt in die Schlagzeilen, aber eben nicht an die Spitze des Feldes gerast. Doch ihn meinen wir auch gar nicht.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es geht hier um Sebastian Vettel (22 Jahre), der gerade um die Chance seines Lebens kämpft. Doch plötzlich tauchen diese alten Männer an seiner Seite auf: Teamkollege Mark Webber (33), der zuletzt zwei Mal mit dem Red Bull besser zurecht kam und vor dem Zweiundzwanzigjährigen ins Ziel raste. Und Schumacher (41), auf den sich nach dessen Rückkehr in den PS-Zirkus die Öffentlichkeit und der Boulevard stürzen, ihn feiern oder verdammen - je nachdem, wie es am jeweiligen Wochenende gerade gelaufen ist. Vettel hat das Potential zum neuen Star der Szene, viele sahen ihn schon nach seinem ersten Grand-Prix-Erfolg im September 2008 in Monza als neuen Schumacher - doch nun steht er plötzlich wieder im Schatten des Originals, kann sich bei Interviewrunden ungewohnt frei bewegen und muss nicht mehr in jede Kamera hineinlächeln.

          Das macht er inzwischen auch nicht mehr so oft wie etwa noch im vergangenen Jahr. Anspruch und Wirklichkeit lassen die Gesichtzüge hin und wieder verhärten. Vor allem, seitdem der Mann aus der Nachbargarage auffallend hartnäckig am Gas hängt: Webber, immer wieder dieser Webber. Da sitzt Vettel erstmals von Beginn einer Saison im passenden Auto, da ist der Red Bull nicht nur schnell, sondern inzwischen auch relativ zuverlässig - und plötzlich sieht er nur die Rücklichter des Teamkollegen.

          Abgesprungen: Nach den Rennen am Mittelmeer (und dem Badespaß darin) scheinen die Red-Bull-Piloten die Weltmeisterschaft unter sich auszumachen

          „Sie haben uns alle veräppelt“

          Wenn man vor dem ersten Rennen dachte, in einem Team die Hierarchie sei in einem Team klar, dann bei Red Bull: mit Vettel als Chefpilot. Punktgleich (78) führen beide nun die WM-Wertung an, und der Titelkampf könnte bis zum Ende zu einer internen Angelegenheit von Red Bull werden. Zumal sogar die Konkurrenten ob der Überlegenheit dieses Boliden mit dem australisch-deutschen Doppel schon jetzt zu resignieren scheinen: „Die sind meilenweit voraus. Die sind dermaßen schnell, die haben nicht einmal Vollgas gegeben - nicht einmal das!“, sagt Lewis Hamilton, der selbst weiß Gott kein Kind von Traurigkeit ist. „Sie haben uns alle veräppelt.“

          Lachen kann Vettel über diesen Coup noch nicht, dafür müsste er erst noch Webber hinter sich lassen. Im vergangenen Jahr hat er Jenson Button von der Mitte der Saison an Rennen für Rennen vor sich hergejagt. Geradewegs in Richtung WM-Titel. In diesem Jahr ging er mit seinem härtesten Gegner gemeinsam baden. Nach dem Grand Prix im Fürstentum Monaco sprangen Vettel und Webber in den Swimming-Pool. Doch was nach großer Harmonie aussah, kann über eines nicht hinweg täuschen: Befreundet sind Vettel und Webber in den kommenden Monaten vor allem mit sich selbst. Was diese Situation aus ihnen macht, wird zu beobachten sein. Für jedermann, und es ist gar nicht so schwer: Man muss die Aufmerksamkeit nur auf die wichtigen Dinge lenken.

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