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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Die Raufbolde werden zahm

Seltenes Gefühl: Mark Webber (rechts) siegt in Brasilien vor Sebastian Vettel - und wird nass Bild: REUTERS

Nach dem Saisonende kehrt Besinnlichkeit ein in die Formel-1-Welt der Super-Egos. Nur Red Bull kämpft noch mit den Problemen des Erfolgs. Und einige Fahrer formulieren schon ihren Wunschzettel.

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          Nun ist Schluss. Nach 19 Rennen und der Hatz über rund 5840 Kilometer und vier Kontinente geht die Formel 1 in die Winterpause. Zeit für ein bisschen Besinnlichkeit in der Welt der Super-Egos. Denn kaum ist Weihnachten nah, werden sogar die größten Raufbolde ganz zahm.

          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das glauben Sie nicht? Dann stellen Sie sich das mal vor: Nach dem letzten Grand Prix in Brasilien ging Lewis Hamilton spontan in die Box von Ferrari, unterhielt sich kurz mit Felipe Massa und hat den Rivalen sogar umarmt. Eine Versöhnung auf britisch-brasilianische Art. „Ich habe großen Respekt vor ihm und freue mich schon darauf, im nächsten Jahr wieder gegen ihn zu fahren“, sagt Hamilton.

          Dabei war ja genau dies das Problem. Die beiden kamen einfach nicht ohne Feindkontakt aneinander vorbei – sechs Mal krachte es zwischen Hamilton und Massa. Beide gehen als die ungekrönten Kollisionskönige in diese Saison ein.

          Aber wenn die Piloten nicht nachtragend sind, dann wollen wir das erst recht nicht sein. Also sprechen wir lieber unsere aufrechten Glückwünsche aus an einen Australier, der Ende November schon sein erstes Weihnachtsgeschenk bekommen hat: Mark Webber. War ja auch nicht mehr zu ertragen, mit welch schlechter Laune der Fünfunddreißigjährige durch die Fahrerlager dieser Welt getrottet ist.

          Und alles nur, weil ihm ein junger Deutscher ständig vor der Nase hergefahren ist und in diesem Jahr elf Rennen und die Weltmeisterschaft gewann. Eigentlich hätte Webber froh sein können über den Anschauungsunterricht von Extraklasse aus nächster Nähe, aber das reichte ihm nicht.

          Codewort Getriebeprobleme? Nein, nein

          Er wollte selbst mal wieder siegen. Red Bull erfüllte ihm den Herzenswunsch und funkte Vettel in Sao Paulo zurück. Getriebeprobleme – das war das Codewort. Codewort? Nein, nein, beteuerte Vettel. Er hatte wirklich Probleme. Wenn das mal nicht den nächsten Ärger gibt. Schließlich sieht Webber nicht gerade so aus, dass er noch an den Weihnachtsmann glaubt.

          Gut möglich, dass dieser den Verantwortlichen von Red Bull in diesem Jahr nur eine Rute unter den Baum legt. Schließlich soll jeder immer schön die Wahrheit sagen. Die Champions aber haben das womöglich nicht getan und sollen mehr Geld ausgegeben haben als erlaubt war.

          Getriebeprobleme? Codewort? Hinter die Red-Bull-Fassade kann man nur schwer blicken Bilderstrecke
          Getriebeprobleme? Codewort? Hinter die Red-Bull-Fassade kann man nur schwer blicken :

          Beweisen kann das niemand, denn immerhin sind die Leute in der Teamzentrale von Milton Keynes so clever, dass sie sich nicht von jedem in die Bilanzen gucken lassen, Wäre ja auch noch schöner, den anderen Beweise für den finanziellen Alleingang zu liefern.

          Zumal am Ende alles doch ganz logisch ist: „Wenn man zu siegen beginnt, mögen einen alle. Wenn man weiter siegt, mögen sie einen schon weniger. Hätten wir nicht diesen Erfolg, hätten wir nicht dieses Problem“, sagt Teamchef Christian Horner. Oje! Aber sind das denn nicht Probleme, die jeder gerne hätte in der Formel 1?

          Action mit Heidfeld? Viel Glück!

          Manch einer wäre sogar mit weitaus weniger zufrieden: Adrian Sutil wünscht sich ein Auto, in dem er auch im kommenden Jahr ein bisschen fahren darf. Bei Force India droht ihm nach wie vor das Aus. Nico Rosberg ist da schon anspruchsvoller: Er wünscht sich ein schnelles Auto, schließlich hat er keine Lust mehr, permanent im Nirgendwo unterwegs zu sein mit seinem schicken aber langsamen Silberpfeil.

          Andere sind gar nicht mehr unterwegs. Nick Heidfeld sucht seit seinem Rausschmiss bei Lotus Renault im Sommer eine Perspektive. Und da hat er sich gedacht: Warum soll ich nicht dorthin zurückkehren, wo ich so viele Jahre glücklich war! In der Formel 1? „Ich hoffe, meinen treuen Fans bald wieder Action bieten zu können“, sagt der Mann. Na dann: Viel Glück!

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