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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Des einen Leid, des anderen Freud

Pedro de la Rosa: Laufpass fünf Runden vor Schluss Bild: dpa

Die Not bei Sauber muss groß sein: Fünf Rennen vor Saisonende wechselt das Team seinen Fahrer aus. Bitter für Pedro de la Rosa, gut für Nick Heidfeld. Doch der muss auf Kamui Kobayashi achten. Crashtest - Die Formel-1-Kolumne.

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          Des einen Leid ist des anderen Freud: Das trifft in der Formel 1 mehr zu als in vielen anderen Sportarten. Der arme Pedro de la Rosa zum Beispiel verließ am Sonntag das Fahrerlager von Monza schwer geknickt. Kurz zuvor hatte ihm Peter Sauber den Laufpass gegeben. Feierabend fünf Rennen vor Ende der Saison.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          So ein Rausschmiss kommt trotz der Härte in diesem Geschäft nicht alle Tage vor. Zu langwierig ist in der Regel die Eingewöhnung eines Ersatzmannes an die Eigenheiten des Boliden, an die Arbeitsweise des Teams. Bis der Neue in Schwung kommt, könnte die Saison gelaufen sein. Umso mehr schadet der Abwurf de la Rosas quasi aus dem fahrenden Betrieb dem Ansehen eines Piloten.

          Die Not bei Sauber muss groß sein. Oder eben das Misstrauen in die Fahrtüchtigkeit des 39 Jahre alten Katalanen. Es war nicht erst nach der 14. großen Runde aufgebraucht. Jetzt freut sich Nick Heidfeld. Man sagt, er sei wieder im Rennen. Ist er das wirklich? In Singapur darf der Mönchengladbacher erstmals seit dem vergangenen November wieder einen Grand Prix bestreiten. Wie sehr hat er sich danach gesehnt!

          Seine Zeit ist wieder gekommen: Nick Heidfeld rückt von der Ersatzbank auf

          Heidfeld ist nicht übel geworden

          Das Verlangen nach einem Cockpitplatz war so groß, dass er sogar tat, was andere Kollegen in der Vergangenheit sehr gerne gemieden haben. Er testete im alten Toyota-Boliden Reifen für Pirelli: Herausfahren, hereinfahren, Reifenabrieb messen. Den ganzen Tag lang, mit einer schwindelerregenden Rotationsfrequenz. Heidfeld ist nicht übel geworden. Im Gegenteil. Er fühlt sich verjüngt, zurückversetzt in alte, aber gute Zeiten.

          Denn eine bessere Vorbereitung scheint in der Testverbotsphase der Formel 1 kaum möglich. Der Rheinländer ist in den vergangenen Wochen jedenfalls länger in einem Formel-1-Renner unterwegs gewesen als Vettel und Co. beim Kampf um die Weltmeisterschaft.

          Kobayashi wird einem Feldtest unterzogen

          Mit der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte sind große Erwartungen verbunden. Peter Sauber spekuliert mit Heidfeld am Steuer auf einen Mehrwert zu seinen Gunsten. Etwa durch den kurzfristigen Aufstieg in der Konstrukteurswertung. Schon ein Platz weiter vorne beschert einige Millionen Dollar für das Budget eines Rennstalls, der auf der Suche nach solventen Finanziers ist.

          Gleichzeitig unterzieht Sauber den jungen Piloten Kamui Kobayashi einem Feldtest. Das mag irritieren. Warum sollte der Japaner, seit Saisonbeginn hinter dem Lenkrad, noch geprüft werden? Weil Sauber nicht genau weiß, ob sein junger Rennfahrer das ganze Potential des Autos nutzt.

          Beste Voraussetzung für einen Stammplatz 2011

          Heidfeld ist also weiterhin ein Testpilot - mit besten Referenzen. Er hat zwar in zehn Jahren kein Rennen gewonnen, brauchte aber nie den Vergleich zu Branchengrößen zu scheuen. Keiner seiner ehemaligen Teamkollegen, von Kimi Räikkönen über Heinz-Harald Frentzen, Felipe Massa, Mark Webber bis hin zu Robert Kubica hat ihn auf Dauer abgehängt.

          Entsprechend selbstbewusst klettert er zurück in den Sauber. Heidfeld betrachtet seine kurzfristige Verpflichtung als beste Voraussetzung, einen Stammplatz 2011 zu finden. Allerdings hat sich auch sein Risiko erhöht. Was, wenn der unerschrockene Kobayashi dem 33 Jahre alten Deutschen vor der Nase herfährt?

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