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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Der Mann, der nicht Senna ist

Zum Vergleich: Lewis Hamilton Bild: dpa

Lewis Hamilton ist fraglos ein sehr talentierter Rennfahrer. In jüngster Zeit hält er sich aber zunehmend für einen anderen: Wiederholt bemüht er den Vergleich zu Ayrton Senna. Das ist nicht nur unnötig, sondern auch kontraproduktiv.

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          Bescheidenheit ist eine Zier. Aber Bescheidenheit ist keine Eigenschaft, die in der Formel 1 in der jüngeren Vergangenheit zu größeren Erfolgen verholfen hätte. Das weiß natürlich auch und gerade Lewis Hamilton. Nach fünfzehn Grand-Prix-Siegen und einem WM-Titel fand der Brite nach dem ersten Rennen der Saison in Melbourne angemessen, seinen Platz in der Formel-1-Historie zu definieren. Es wurde sein ganz persönliches 80er-Jahre-Revival.

          „Fernando Alonso ist mein größter Rivale“, sagte der McLaren-Pilot den Kollegen der englischen Tageszeitung „Guardian“, um sogleich in der Mottenkiste zu kramen: „Wenn ich Senna bin, ist er mein Prost. Wenn Sie mich fragen, mit wem ich mich vergleiche, dann sicherlich mit Ayrton Senna.“

          Alles klar? Wen stört schon die klitzekleine Differenz von zwei weiteren WM-Titeln und 26 weiteren Grand-Prix-Siegen, die ihn vom 1994 in Imola verunglückten Brasilianer trennt? Hamilton jedenfalls nimmt sich und seinen Vergleich sehr ernst. Begründung: Senna habe auch stets an der Konkurrenz vorbei gewollt, mit allen Mitteln. Stimmt. Mit dieser Argumentation allerdings könnten sich auch jeder Halbstarke beim Ampelstart an der Vorstadtkreuzung zur neuen Rennfahrerikone stilisieren.

          . . . und Ayrton Senna

          Ein gelber Helm ist nicht alles

          Einen ähnlich spätpubertierenden Eindruck hinterließ Hamilton nach der Kontaktaufnahme mit den Kollegen Massa und Maldonado am vergangenen Wochenende beim Grand Prix in Monaco. Natürlich sei das nicht in Ordnung gewesen, sich in Monte Carlo unmittelbar nach dem Rennen über die beiden aufzuregen, die dem Mann mit dem gelben Helm nicht schnell genug Platz gemacht hatten und anschließend dafür büßen mussten, weil er mit seinen tollkühnen Überholmanövern ihre Rennen beendete. Also entschuldigte sich der McLaren-Pilot eher widerwillig für den Vorwurf, Massa und Maldonado seien selbst Schuld gewesen. Eine späte - und vor allem halbherzige Einsicht.

          Denn Hamilton ist kein Mann, der sich die Chance auf ein Aber entgehen lässt. Also: „Sennas Vermächtnis motiviert mich in Monaco einfach noch mehr als auf den anderen Strecken. Die Leidenschaft ist noch größer. Tief in meinem Inneren weiß ich, dass diese Strecke mir gehören kann. Ich weiß, dass ich hier der Schnellste sein kann. Ich war der Schnellste im Training und hatte nicht das schnellste Auto.“

          Soll heißen: Ihr seid eben doch selbst Schuld, wenn Ihr mir nicht schnell genug Platz macht. Die Konkurrenz wird es sich merken - ein gutes Gedächtnis gehört ebenso zum Anforderungsprofil für Formel-1-Piloten wie adäquates Anspruchsdenken - und beim nächsten Mal mit Sicherheit nicht bereitwilliger Platz machen. Daran ändert auch ein gelber Helm nichts. Das immerhin war auch schon zu Sennas Zeiten so.

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