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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : „Das alles ist unnötiger Schwachsinn“

Formel 1 im Jahr 2014: Die Technik gleicht einer Raketenwissenschaft Bild: REUTERS

Der eine mag die Nasen nicht, andere verstehen die Technik nicht: Sechs-Zylinder-Motoren, Hybridantrieb, weniger Lärm und weniger Treibstoff – wer will eine solche Formel 1?

          1 Min.

          Quizfrage: Wovon sprechen diese Leute?

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bernie Ecclestone, Chefvermarkter der Formel 1: „Ich sagte, es würde so kommen – eine totale Farce. Das alles ist unnötiger Schwachsinn.“

          Sebastian Vettel, viermaliger Weltmeister der Formel 1: „Die Experten versuchen gerade alles zu bergreifen, die Technik gleicht einer Raketenwissenschaft – und die Fans werden noch weniger verstehen.“

          Franz Tost, Teamchef von Toro Rosso: „Ich mag die Nasen am Frontflügel nicht, ganz ehrlich. Das ist der Formel 1 nicht würdig.“

          Willkommen in der Formel 1 der Neuzeit: Sechs-Zylinder-Motoren, Hybridantrieb, weniger Lärm und weniger Treibstoff – das sind fortan die Bedingungen.

          Neulich in Jerez: Wer sein Rennauto liebt, der schiebt
          Neulich in Jerez: Wer sein Rennauto liebt, der schiebt : Bild: REUTERS

          Doch schon vor dem Saisonauftakt in Melbourne am 16. März haben die Ersten genug von alledem. Ist doch klar, jahrzehntelang war die Königsklasse des Motorsports schließlich die gelebte Unvernunft. Geld? Spielte keine Rolle. Umweltschutz? Sollen sich doch die anderen darum kümmern. Formel-1-Technik im Straßenverkehr? Nicht doch. Oder sind Sie schon mal mit verstellbarem Heckflügel durch die Innenstadt gefahren?

          Für Mercedes-Liebhaber oder Ferrari-Fetischisten

          Diesen verstellbaren Heckflügel wird es weiterhin geben – dabei braucht selbst die nicht verstellbare Version niemand außer Golf-I- und 3er-BMW-Fahrern. Aber so ein Sechs-Zylinder-Aggregat der neuesten Generation sei doch prima für Leute mit dem passenden Kontostand. Für Mercedes-Liebhaber oder Ferrari-Fetischisten zum Beispiel. Behaupten zumindest die Verantwortlichen.

          Er hat’s gewusst: Bernie Ecclestone, Chefvermarkter der Formel 1
          Er hat’s gewusst: Bernie Ecclestone, Chefvermarkter der Formel 1 : Bild: AP

          Innerhalb der Firma kann man das Formel-1-Engagement auf diese Art natürlich super rechtfertigen. Vernünftig ist so ein Auto jedoch nicht – nicht im Straßenverkehr und auch nicht auf der Rennstrecke. Aber manchmal macht eben auch die gelebte Unvernunft Spaß. Und auf den Protz will mancher Bundesbürger auch nicht verzichten. Sieht doch klasse aus, so eine frisch geputzte S-Klasse auf dem Weg zur Arbeit. Und wenn man schon im Stau steht – ganz egal, Hauptsache am vergangenen Wochenende hat der Silberpfeil mal wieder einen Grand Prix gewonnen.

          Nein, so funktioniert das alles nicht. Das eine (Formel 1) hat mit dem anderen (Serienproduktion) noch immer nicht viel zu tun. Das muss uns allerdings nicht weiter stören, so lange der Sport spannend und interessant ist. Ansonsten ist das wirklich alles eine Farce.

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