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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Da lacht der Mann mit dem Tortenheber

Der Mann, der den Kuchen verteilt Bild: dapd

Kurz vor dem Fest ist es mit dem Frieden unter den Formel-1-Teams nicht weit her. Geschenke gibt es wohl auch nächstes Jahr nicht - Bernie Ecclestone ist schließlich nicht der Weihnachtsmann.

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          Zur Adventszeit muss die Frage erlaubt sein: Hören Sie das auch? Dieses leise Lachen? Das metallische Klingeln? Hört sich an, als käme es von dem kleinen Mann mit weißem Haar und dickem Schlitten. Sie denken an den Weihnachtsmann?

          Wir denken in eine ganz andere Richtung – und bitten, Leichtgläubige sowie Leser vom Einschulalter abwärts an dieser Stelle aus dieser Kolumne auszusteigen. Neudeutsch – und Formel-1-gerecht – formuliert: Spoiler alert.

          Drei Tage testen - während der Saison? Luca di Montezemolo hatte noch ein bisschen mehr auf dem Wunschzettel Bilderstrecke

          Unseren Mann gibt es wirklich. Der Schlitten wird nicht von Rentieren gezogen, sondern mit Benzin befeuert, kommt aus Stuttgart und wird Bernie Ecclestone bei jedem Grand Prix vor die Tür seines Motorhomes gestellt – samt Chauffeur.

          Das leise Klingeln wiederum ist eher bildlich zu verstehen. So wie bei Onkel Dagobert aus Entenhausen, wenn die Dollarzeichen in den Augen des alten, reichen Mannes ihre Runden drehen. Ungefähr so stellen wir uns das im Moment auch bei Ecclestone vor. Klingeling. So klingt Vorfreude, nicht nur zu Weihnachten.

          Denn wer sonst sollte sich über den Ausstieg von Ferrari und Red Bull aus der Teamvereinigung Fota sonst noch freuen? Ende 2012 läuft das Concorde Agreement zwischen Bernie Ecclestone und den Teams aus. Der Kuchen soll neu verteilt werden, der Mann mit dem Tortenheber ist nach wie vor Ecclestone.

          25 Millionen Euro soll er allein von den Veranstaltern des Grand Prix in Austin (der nun doch im Rennkalender 2012 aufgenommen ist) versprochen bekommen haben. Die Hälfte davon (wie aller Einnahmen) geht derzeit an die Teams. Wer mehr will, wird hart verhandeln müssen – und sich schon jetzt gut überlegen, ob er selbst am Tisch sitzt oder sich vertreten lässt. Geschenke jedenfalls wird Ecclestone kaum verteilen. Er ist ja nicht der Weihnachtsmann.

          Natürlich versichern auch Ferrari und Red Bull, bei allem Streit über die künftigen Spar-Regeln (das sogenannte Ressource Restriction Agreement, kurz RRA), auch künftig zum Wohle aller zusammenzuarbeiten. Um dann wortreich „aber“ zu sagen. Mehr Tests wünscht sich Ferrari – und der Wunsch ist mit den für das kommende Jahr erlaubten drei Testtagen während der Saison längst nicht erfüllt.

          Wozu der Aufwand, falls man sich ohnehin nicht auf kleinste gemeinsame Nenner einigen kann?, fragt sich Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko. Gute Frage. Eine der Antworten dürfte sein, dass gemeinsame Nenner schwer zu finden sind, wenn künftige Kürzungen auch die aerodynamische Entwicklung betreffen könnten – und ausgerechnet das eigene Team dort die Maßstäbe setzt.

          Die anderen suchen weiter - notgedrungen

          Kein Wunder also, dass sich nun das einst reichste (Ferrari) und das in den vergangenen drei Jahren erfolgreichste Team (Red Bull) an der hohen Kunst der Pelzreinigung ohne Vollwaschgang versuchen. Die acht in der Fota verbliebenen Teams suchen derweil weiter nach gemeinsamen Positionen. Notgedrungen – schließlich haben die meisten entweder nicht die Möglichkeiten, um in einer Art Rückfall mindestens ins vergangene Jahrzehnt nun die Kosten hoch zufahren.

          Oder sie haben sich, wie Mercedes, bei der Entscheidung im Formel-1-Geschäft zu bleiben, verpflichtet, sozialverträglich Maß zu halten. Denn nur dann klappt’s auch mit dem Konzernvorstand, der nach zwei relativ erfolglosen Jahren restriktiver Personalpolitik ohnehin den Wunschzettel mit diversen Neueinstellungen abgesegnet hat – in der Hoffnung, künftig endlich Rennsiege fürs Renommee der eigenen Produkte zu bekommen.

          Nur: Einfacher wird das bestimmt nicht, sollten Red Bull und Ferrari jetzt nur noch ihr Spiel spielen. Auch zu Weihnachten wird eben nicht jeder fromme Wunsch erfüllt.
           

          Nachtrag vom 8. Dezember: Nun hat auch das Sauber-Team den Ausstieg aus der Fota öffentlich gemacht. Es sei ebenfalls in der vergangenen Woche aus der Teamvereinigung ausgetreten. Nach Informationen des britischen Magazins „Autosport“ soll auch Red Bulls Schwesterteam Toro Rosso vor dem Absprung stehen. (chwb.)

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