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Crashtest - Die Formel-1-Kolumne : Briatore ante Portas!

Eine beunruhigende Vorstellung: Flavio Briatore steht vor der Tür Bild: AFP

Er steht wieder vor der Tür: Flavio Briatore ist seinen Formel-1-Bann los und stellt die Fia um ihren ehemaligen Boss Max Mosley als Sprücheklopfer bloß. Man könnte Briatore fast danken - wenn seine Rückkehr in die Formel 1 nicht eine höchst beunruhigende Vorstellung wäre. Crashtest - die neue FAZ.NET-Kolumne.

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          Er hat seine Würde zurück. Sagt Flavio Briatore und singt ein Lied auf die Gerechtigkeit. Wenn das kein guter Start in das neue Formel-1-Jahr ist: Der Bösewicht ist seinen Bann los. Jedenfalls muss der Internationale Automobil-Verband (Fia) das drakonische Urteil für den ehemaligen Teamchef von Renault öffentlich aufheben: „Lebenslang“ hatte die Fia Briatore wegen der Manipulation des Großen Preises von Singapur 2008 aussperren wollen. Diese Strafe hat sich genauso in Luft aufgelöst wie das fünfjährige Berufsverbot für Pat Symonds in den Formel 1, den einstigen Technischen Direktor des Rennstalls.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Beide bekommen zwar keine Millionen Euro als Schadenersatz, aber immerhin 15.000 und 5000 Euro. Angeordnet von einem französischen Zivilgericht. Die Fia darf nun zwar in Berufung gehen. Aber der Schaden ist unermesslich: Denn die Profis in der Robe haben den Richter-Darstellern des Verbandes unter ihrem damaligen Chef Max Mosley ein hochnotpeinliches Urteil ausgestellt. Ihre Entscheidungen sind nichts als große Sprüche gewesen. Denn Briatore und Symonds waren keine Mitglieder der Fia. Der Verband also gar nicht berechtigt, über die beiden zu Gericht zu sitzen. Außerdem erschien dem Gericht die Beweislage zu dünn. Briatore ante Portas!

          Das ist eine höchst beunruhigende Vorstellung. Und letztlich auch eine Bedrohung für die Formel 1. Denn Briatores Rückkehr würde - trotz all seiner Schwüre - ein „Sportsmann“ zu sein, dem Sport schaden. Da mag das Urteil der Pariser Profis über die Dilettanten der FIA noch so berechtigt sein. Die Kernfrage, ob der Italiener zusammen mit dem Engländer den jungen brasilianischen Piloten Nelson Piquet Jr. zu einem fingierten Unfall gedrängt haben, um damit dessen Teamkollegen Fernando Alonso den Sieg zu ermöglichen, ist gar nicht geprüft worden.

          Eine Bedrohung für die Formel 1: Briatores Rückkehr würde dem Sport schaden

          Hitlergruß und Todesangst

          Und so bleibt der Eindruck von Briatore nach fast zwanzig Jahren Formel-1-Präsenz ein düsteres Bild mit einer zentralen Aussage: Ihm traut man alles zu. Eben nicht nur ein intensives Nachtleben an der Seite von Laufsteg-Schönheiten, sondern auch Geschäftsmethoden, die nicht gerade als leuchtendes Vorbild taugen. Da stand in Hockenheim 1994 etwa der Benetton von Jos Verstappen für kurze Zeit beim Tanken in Flammen. Später stellte die Fia einen nicht genehmigten, den Benzinfluss beschleunigenden Umbau der Tankanlage fest. Sie hatte kurz zuvor auch ein Programm für die verbotene Traktionskontrolle auf einem Computer des Teams entdeckt. Geführt wurde Benetton von Briatore.

          Der grüßte zwar selbst nach Jahren selten bei seinen Wandelgängen im Fahrerlager. Einmal in Laune aber streckte er - als oberster Formel-1-Repräsentant des französischen Staatskonzerns Renault - in Melbourne gleich den rechten Arm. Mit Hackenschlag so perfekt wie weiland eifrige deutsche Volksgenossen ihrem Führer zu huldigen suchten. Konsequenzen hatte Briatores Verhalten kaum. Die Angst vor seinem tiefgreifenden Netzwerk war zu groß. Ein ehemaliger Pilot Briatores, der behauptete, belastende Dokumente zu besitzen, warnte dringend vor einer Recherche: „Dann fällt dir irgendwann eine Betonplatte auf den Kopf.“ Und der Beweis? Es gibt keinen.

          Briatore hat den ehemaligen Kollegen einen Gefallen getan

          Nur Vermutungen, Gerüchte, Geraune. Aber ein Urteil, für das man Briatore sogar dankbar sein muss. Es war höchste Zeit, dass unabhängige Juristen den Verkehrsrichtern der FIA mal heftig auf die Finger klopften. Zu häufig hatten Urteile des Verbandes einen faden Beigeschmack, schienen von den Rachegelüsten des ehemaligen Präsidenten und Juristen Max Mosley diktiert. Wahrscheinlich wäre auch die Strafe für McLaren-Mercedes, ein Bußgeld in Höhe von 100 (!) Millionen Dollar im Zuge der sogenannten Spionageaffäre 2007, aufgehoben worden, wenn das Verfahren von Rechtsexperten geprüft worden wäre.

          Jahrelang klagte die Formel 1 über eine willkürliche Rechtsprechung unter Mosley. Aber niemand wagte den Weg vor ein ordentliches Gericht. Insofern hat Briatore seinen ehemaligen Kollegen sogar einen großen Gefallen getan. Die Fia - was für eine Ironie - wird sich nach Intervention des Spitzbuben Briatore in Zukunft wohl um gerechte Gerichtsverfahren bemühen. Das ist ein Fortschritt. Jetzt muss nur noch der Italiener aus dem Rennen gehalten werden. Ein echter Crashtest.

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