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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Arm, aber sexy

Die Zukunft ist Hybrid: Simons „Light Cycle” aus „Tron - Legacy” Bild: dapd

Hispania Racing beherrschte bislang genau eine Kunst: Die des Überlebens. Jetzt hat das chronisch klamme Team aus der letzten Reihe einen Konzeptdesigner aus Hollywood verpflichtet, um einen unverwechselbaren Auftritt im Fahrerlager hinzulegen.

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          Nein, die Frage lautet dieses Mal nicht, was Kunst darf. Wir fragen uns: Was muss Kunst? Und weil dies eine Formel-1-Kolumne ist, steht die Antwort auch schon fest: Kunst muss schnell sein. Am besten schneller als alle anderen und vor allem schneller als im letzten Jahr. Was das alles soll? Einen Hinterbänkler nach vorne bringen. Ein hässliches Entlein zum attraktiven Schwan wandeln. Ein chronisch unterfinanziertes Formel-1-Team für Sponsoren interessant machen. Aber der Reihe nach.

          Das Hispania Racing Team ist im vergangenen Jahr, wenn überhaupt, nur durch vier Dinge aufgefallen: Erstens durch konsequentes Hinterherfahren am Ende des Feldes, meist noch deutlich langsamer als Virgin Racing und Lotus, die beiden anderen Neulinge des vergangenen Jahres. Zweitens durch das Scheitern des Mannes mit dem berühmtesten Nachnamen im Fahrerfeld der Formel 1. Bruno Senna machte in 18 Rennen deutlich, dass ihm das Talent seines verunglückten Onkels Ayrton im Wesentlichen abgeht. Drittens durch den auffällig irreführenden Namen des Rennstalls, denn nachdem der frühere Spanier Adrian Campos sich mit der Gründung eines Formel-1-Teams übernommen hatte, wurde Colin Kolles Teamchef der Novizen und ließ das Team aus den Räumen seines früheren DTM-Teams in Greding bei Ingolstadt operieren. Und viertens durch den trotzdem erreichten elften Platz in der Konstrukteurswertung, den HRT drei vierzehnten Plätzen zu verdanken hatte. Damit war immerhin Timo Glocks Virgin Racing Team offiziell geschlagen.

          Das alles soll nun anders werden - nachdem es lange so aussah, als habe HRT alles außer Geld und einer Zukunft in der Formel 1. Verhandlungen mit Toyota über die Nutzung des wegen des Ausstiegs der Japaner 2009 nie genutzten Chassis TF110 scheiterten, ein zweiter Fahrer, neben Neuzugang Narain Karthikeyan aus Indien, ist bis heute nicht präsentiert. Chancen hat jeder, der ein paar Millionen mitbringt. Zehn wären ganz gut. Mindestens. Und zuletzt schied HRT aus der Teamvereinigung Fota aus - weil die Mitgliederbeiträge nicht bezahlt wurden, behauptet der Fota-Vorsitzende und McLaren-Chef Martin Whitmarsh. Weil die kleinen Teams dort nichts zu sagen haben, behauptet HRT-Manager Kolles.

          Gewohnter Ausblick: Die Formel 1 dreht ihre Runde - HRT schaut zu (Foto: Bruno Senna beim Training zum Großen Preis von Südkorea am 22. Oktober 2010)

          Und trotzdem setzt HRT jetzt voll auf die Zukunft. Und an diesem Punkt kommt die Kunst wieder ins Spiel. Denn in der vergangenen Woche hat der Rennstall den Designer Daniel Simon verpflichtet. Aber nicht etwa, um den neuen Rennwagen zu entwerfen, sondern um das Gesamterscheinungsbild des Rennstalls einzigartig zu machen. Simon ist für HRTs Corporate Identity zuständig.

          Wer wissen will, warum das spannend ist, sollte ins Kino gehen. Für Disneys SciFi-Abenteuer „Tron - Legacy“ hat Simon unter anderem das futuristische Motorrad „Light Cycle“ entworfen, einen Hybrid: Halb Mensch, halb Maschine. Und überhaupt ist Simon, der einst bei Volkswagen als Konzeptdesigner begann, längst vornehmlich in kosmischen Sphären unterwegs.

          Lob von Kanye West und Top Gear

          Denn mit seinem Werk „Cosmic Motors” von 2007 hat sich Simon einen Namen als Zeichner formschöner, futuristisch-fantastischer Fahrzeuge für das neunte Jahrtausend einen Namen gemacht. Simon erdachte gleich noch eine galaktische Hintergrundgeschichte zur Historie der Cosmic Motors. Neuntes Jahrtausend, wie gesagt. „Cosmic Motors“ brachte Simon nach Hollywood und beste Referenzen in der Popkultur.

          So sprach Rapper Kanye West von den „allerbesten Raumschiffen“, die Simon entworfen habe und die ungeheuer populäre britische BBC-Motor-Show „Top Gear“ analysierte: Simons Entwürfe seien eine „gelungene Mischung aus Barbarella, James Bond, Star Wars und einem Formel-1-Auto“. In der Tat zieren seine Entwürfe Zitate des klassischen Renndesigns aus den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ebenso wie zahllose Flügel, Augen, Turbinen und Kanonen die Flugobjekte aus den „Star-Wars-Filme“ und den in den neunziger Jahren populären Computerspielen aus den „Wing Commander“- und „X-Wing“-Reihen. Und ja, die knappen Kostüme der „Daredevil beauties“, der acht Fahrerinnen,die Simon sich für seine Entwürfe erdacht hat, tragen eher weniger als die junge Jane Fonda auf dem Weg durch ferne Galaxien.

          Bei HRT wolle er nun „Elemente von „Cosmic Motors“ zum Leben erwecken“, sagt Simon. Wie das aussehen soll, ist bislang noch sein Geheimnis. Fest steht aber, dass ein unverwechselbares Erscheinungsbild im Fahrerlager nicht nur HRT gut tun. Dafür muss gar nicht einmal Barbarella am Steuer sitzen. Nur: Ohne das nötige Kleingeld nützt HRT auch der zukunftsträchtigste Auftritt nichts. Sonst stellt sich schnell die Frage, was die ganze Kunst soll. Aber immerhin, wenn HRT bisher eine Kunst beherrscht hat, dann die des Überlebens. Mehr allerdings auch nicht.

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