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Crashtest - die Formel-1-Kolumne : Alles friedlich in Bahrein

Im Sport stoßen Kulturen aufeinander: Zum Beispiel Bernie Ecclestone (r) und Bahreins Kronprinz Scheich Salman bin Hamad Bild: dpa

Der Sondergesandte der Formel 1 hat sich in Bahrein umgeschaut, ist Straßen entlang gegangen, hat mit Ministern gesprochen. Und festgestellt: keine Menschenrechtsverletzungen. Die Renn-Show kann starten. Oder spricht etwas dagegen?

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          Neulich war Herr Garcia auf der Suche nach der Diktatur. Und zwar im offiziellen Auftrag des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia). Fia-Präsident Jean Todt hatte den Spanier als eine Art Sondergesandten nach Bahrein geschickt. Schließlich wollte die Fia aus erster Hand erfahren, was in diesem Land nach den tödlichen Schüssen auf unbewaffnete Demonstranten, nach Verhaftungen und Verschleppungen von Oppositionellen so los ist. Um kompetent entscheiden zu können, ob die Formel 1 in diesem Jahr nun doch auf der Insel kreisen soll oder nicht.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Also haben sie ihrem Außenpolitiker aufmerksam zugehört am vergangenen Freitag. Und vermutlich die Köpfe geschüttelt. Nein, nicht über Herrn Garcia, den ehrenwerten Vertreter Spaniens im Kreis des Weltrates, ihren Vizepräsidenten. Sondern über die Medien. Denn Senior Carlos Garcia kommt zu ganz anderen Ergebnissen als langjährige, mit dem Nahen Osten bestens vertraute Korrespondenten: Alles friedlich in Bahrein, erzählte Garcia dem Weltrat. Das Land sei auf dem Wege der Versöhnung. Und was, erklärte nun Todt, beschleunigt diesen Prozess noch mehr? Natürlich ein internationales Sportereignis. Weil es doch die Menschen zusammenbringt. Also soll die Formel 1 am 30. Oktober in Bahrein fahren.

          PR-Veranstaltung von Königshaus und Regierung

          Ganz von der Hand weisen sollte man das sportpolitische Argument nicht. Im Sport stoßen Kulturen aufeinander, entstehen internationale Freundschaften. Auch in der Formel 1. Allerdings sind es immer die gleichen Menschen aus allen Erdteilen, die sich alle zwei Wochen im Fahrerlager treffen. Die anderen, zum Beispiel die Bahreiner, müssten - leider - draußen bleiben. Wenn sie denn Lust hätten, sich bis zum Hochsicherheitstrakt der Formel 1, dem Fahrerlager, vorzuarbeiten. Wer bei den ersten sieben Bahrein-Grand-Prix in der Sakhir-Wüste dabei war, weiß allerdings, dass der Auftritt der Formel 1 den gemeinen Bürger des Landes nicht gerade aus der Stadt lockt. Muss er auch nicht. Das Rennen ist eine Prestige- und PR-Veranstaltung von Königshaus und Regierung. Es reicht, wenn Millionen in aller Welt ihre Glotze einschalten.

          Formel 1 in der Wüste: Hauptsache, Millionen in aller Welt schalten ihre Glotze ein

          Vermutlich hat Herrn Garcia bei seiner Mission also etwas missverstanden. Trotz der vielen Gespräche, die er führte. Etwa mit dem Innenminister, mit dem Kultur-Minister und mit dem Minister für Tourismus, die ihm sicher die Vorzüge des Regimes schilderten. Garcia verweist aber auch auf seine Kontakte zur Opposition. „Ich habe mit Menschenrechts-Gruppen gesprochen und sie haben mir gesagt, dass die Menschrechte nicht verletzt werden.“

          „Ich bin auch die Straßen entlang gegangen“

          Was allen Nachrichten und den zitierten Aussagen der (nicht verhafteten) Oppositionsführer widerspricht. Ganz zu schweigen von den Klagen der Menschrechtsorganisation Human Rights Watch. Deshalb hat der frühere Fia-Präsident Max Mosley nun den Eindruck, Garcia habe gar nichts verstanden. Mosley weiß auch warum: Der Fia-Außenpolitiker spreche weder Englisch noch Arabisch.

          Aber so sprachlos, wie der Brite den Spanier schildert, ist Garcia gar nicht. Im Gegenteil. Während am vergangenen Freitag nach Berichten unabhängiger Beobachter in Bahrein wieder gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen wurde, warb Garcia wortreich vor dem Weltrat für die Neuansetzung. Am Dienstag dann reagierte er auf die massive Kritik an seinem Lagebericht mit einer Offenlegung seiner Recherche: „Ich hatte offizielle Besuche und Gespräche“, sagte er der spanischen Sportzeitung „AS“ über seine Suche nach der Diktatur: „Ich bin auch die Straßen entlang gegangen und war in Shopping-Centern - immer mit einem völlig normalen Gefühl.“

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