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Formel 1 in Belgien : Leclerc widmet Sieg dem verstorbenen Anthoine Hubert

Zum ersten Mal in seiner Formel-1-Karriere überquert Charles Leclerc die Ziellinie als schnellster Fahrer. Bild: Reuters

Beim Rennen in Spa-Francorchamps fährt Charles Leclerc seinen ersten Sieg in der Formel 1 ein. Doch angesichts des tragischen Todes von Anthoine Hubert ist die Freude des Monegassen über den Erfolg gedämpft.

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          Es hat 315 Tage gedauert, vom 21. Oktober 2018, als Kimi Räikkönen in Austin gewonnen hatte, bis zum ersten Tag des Septembers 2019. Aber die Scuderia Ferrari ist wieder ein Siegerteam und Charles Leclerc Gewinner des Großen Preises von Belgien. Der 21 Jahre alte Monegasse raste am Sonntag unter dem Eindruck des Unfalltods des Formel-2-Piloten Anthoine Hubert auf dem Circuit de Spa-Francorchamps vor Lewis Hamilton im Mercedes und dessen Teamkollegen Valtteri Bottas zum Sieg. Leclerc widmete ihn umgehend Hubert. „Es ist auf der einen Seite ein Traum seit Kindertagen, der wahr geworden ist: ein Formel-1-Sieg. Aber wir haben gestern einen Freund verloren“, sagte Leclerc. „Wir sind zusammen groß geworden.“

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          Eindeutiger Verlierer des Rennens war einerseits Sebastian Vettel, Leclercs Teamkollege. Er hatte 2018 in Spa gewonnen und seither nicht mehr, am Sonntag wurde er Vierter. In der Weltmeisterschaft liegt er nun 99 Punkte hinter Hamilton. Auch Max Verstappen, der seine Landsleute zu Zehntausenden in die Ardennen gelockt hatte, zog mit saurer Miene von dannen. Er hatte in La Source, der ersten Kurve, den Alfa Romeo von Kimi Räikkönen angestoßen, konnte seine Fahrt aber noch fortsetzen. Bis er in der Senke von Eau Rouge die Steigung in Angriff nehmen wollte – und die Vorderradaufhängung knickte. In diesem Moment zog Räikkönen mit hohem Tempo vorbei – haarscharf.

          Verstappen, dessen neuer Teamkollege Alex Albon auf Platz fünf fuhr, hatte Glück, dass daraus keine schwere Kollision wurde. Er rutschte aber in die Reifenstapel der Streckenbegrenzung, sehr zur Enttäuschung der niederländischen Fans, die Teile der Strecke schon während der Fahrerparade in Oranje-Nebel getaucht hatten. Wenn die Veranstalter einen Meinungsbeitrag wollten, was die Fans von der Entscheidung hielten, das Rennen trotz des tödlichen Unfalls von Anthoine Hubert am Vortag zu starten: Hier war er. Fehlendes Mitgefühl? Eher nicht.

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          In Runde 19 erhoben sich die Fans von ihren Sitzen und applaudierten, Hubert zu Ehren, der am Samstagnachmittag in seinem Formel-2-Wagen mit der Startnummer 19 verunglückt war. Fahrer und Teams hatten mit Beileidsbekundungen und zwei Schweigeminuten reagiert, alle trugen Trauerflor, die Formel-1-Autos zierten am Sonntag Aufkleber mit Huberts Startnummer und dem Schriftzug „Racing for Anthoine“ – vor dem Start überflog gleichwohl wie geplant ein Jet der belgischen Armee die Startaufstellung.

          Vettel der Gejagte

          Verstappens Unfall zum Rennstart machte den umgehenden Einsatz des Safety Car nötig. Danach bestimmte Leclerc das Tempo. Vettel kam nur mühsam hinterher, Hamilton funkte an die Box, der Deutsche wirke nicht sonderlich schnell auf ihn. Ferrari sah das ähnlich. Die Scuderia bestellte Vettel als ersten der Spitzenkräfte zum Service, nach der 14. Runde. Das änderte die Aussichten prompt, wie sich zeigte, als Leclerc acht Runden später die Reifen mittlerer Härte aufziehen ließ. Vettel zog am Monegassen vorbei, rückte auf Platz zwei auf, als Hamilton an die Box kam, und erbte die Führung, als dessen Teamkollege Bottas in Runde 24 hielt.

          Die Mutter des verunglückten Anthoine Hubert umarmt den späteren Sieger und Wegbegleiter Huberts, Charles Leclerc, vor dem Rennen.

          Nun schien Vettel der Gejagte. Von wegen. „Lass Charles diese Runde vorbei“, bekam der viermalige Weltmeister bald darauf zu hören. Die Strategieabteilung lenkte das Geschehen. Also: er möge mit dem Reifensatz durchfahren, war die Ansage an Vettel. „Die machen es nicht bis zum Ende“, antwortete der. Das zeigte sich alsbald: Hamilton kam näher und schließlich vorbei, und bevor Bottas Vettel auf der Strecke passieren konnte, fuhr dieser zehn Runden vor Rennende zu einem weiteren Wechsel an die Box. Er belohnte sich mit der schnellsten Rennrunde.

          Sein junger Teamkollege aber kommt als Grand-Prix-Sieger zum Gran Premio d’Italia in Monza am nächsten Sonntag. Hamilton jagte Leclerc zwar am Ende, nun war es eine offene Hatz, aber nach 44 Runden war der Große Preis von Belgien beendet. Leclerc rettete eine knappe Sekunde Vorsprung ins Ziel. „Charles’ Sieg hat sich das ganze Jahr angekündigt“, sagte Hamilton anschließend. „Er verdient das.“ Vettel übte sich in Selbstkritik: „Ich habe mich heute einfach schwer getan und nicht das Gefühl gefunden.“ Den Schlusspunkt dieses außergewöhnlichen Tages setzte – ein Unfall. Antonio Giovinazzi im Alfa Romeo flog in der Pouhon-Kurve in der letzten Runde ab. Er blieb unverletzt.

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