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: Bridgestone droht mit noch mehr Speed

  • -Aktualisiert am

Das erste Aus: Kimi Räikkönen in Runde zehn Bild: AP

Nicht genug damit, daß sie meilenweit hinterherfuhren: Bernie Ecclestone, der große Lenker der Formel 1, hat auch noch ein Donnerwetter auf die Gedemütigten abgelassen. Und Bridgestone kündigt noch bessere Reifen für die Ferraris an.

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          Die Formel 1 ist ein schnörkelloses Geschäft. Trotzdem drückt sich Ron Dennis, einer der wichtigesten Prinzipale des Geschäfts, immer besonders gewählt aus. "Zu sagen", dozierte der britische Chef von McLaren-Mercedes in Melbourne, "es wäre ein schwieriges Wochenende für das Team gewesen, wäre eine Untertreibung." Er könnte auch sagen, daß sein Rennstall, der mit Ambitionen auf den Weltmeistertitel in die Formel-1-Saison gestartet war, von Ferrari gedemütigt worden ist. Daß der achte Platz des überrundeten David Coulthard und der Ausfall von Kimi Räikkönen wegen eines Motorschadens (durch Verlust des Wasserdrucks) ein Desaster für die britische-deutsche Arbeitsgemeinschaft bedeutet. Daß man also nur in einem Wettbewerb den ersten Platz belegte: Im Rennen um den ersten Ausfall des Jahres. Daß Michael Schumacher und Rubens Barrichello mit ihrem Doppelsieg beim Großen Preis von Australien den Rest des Feldes in die Zweite Liga verwiesen haben und die Saison mehr denn je von den roten Rennern aus Italien bestimmt werden dürfte. Daß nach dem mißglückten Modell MP4-18, das nach endlosen Tests nie in einem Rennen eingesetzt werden konnte, nun auch der MP4-19 eine schwere Enttäuschung zu werden droht. Daß nun die Frage immer lauter wird, ob die komplizierte Team-Organisation mit McLaren in Woking, dem Motorenbauer Mercedes-Ilmor in Brixworth und dem Mercedes-Hauptquartier in Stuttgart nicht die Arbeit unangemessen erschwert.

          Bernie Ecclestone jedenfalls, der große Lenker der Formel 1, fand keine freundlichen Worte für die Blamierten, zu denen auch BMW-Williams mit Platz vier und fünf für Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya gehört. "So ein riesiger Ferrari-Vorsprung ist ein absoluter Albtraum", sagte der Brite, "dabei brauchen wir doch dringend einen neuen Weltmeister." Wenn nun die Langeweile zurückkomme, liege das nicht an Ferrari, wetterte er: "Die Schuldigen sind Teams wie Williams und McLaren, die arbeiten nicht gut genug."

          Hoffen auf die Wärme Malaysias

          "Sicherlich hatten wir es mit einem Rennen zu tun", befand Dennis, "das einen signifikanten Unterschied zwischen einem Reifenhersteller und dem anderen widerspiegelt." Er hofft, daß sich in dem wärmeren Klima von Malaysia, wo in zwei Wochen die Saison weitergeht, der Reifen-Unterschied zwischen den Michelins, auf denen McLaren und Williams unterwegs sind, und den Bridgestones, denen Ferrari vertraut, verringern wird. Von Bridgestone kommen allerdings nicht gerade beruhigende Nachrichten. Hisao Suganuma, der technische Manager des japanischen Herstellers, kündigte stattdessen an, daß man sich sogar noch verbessern werde.

          Bridgestone, führte Suganuma aus, habe sich entschlossen, in dieser Saison neue, breitere Vorderreifen mit schmaleren Schultern einzusetzen. Damit folgte der Hersteller dem im vergangenen Jahr umstrittenen aber vom Internationalen Automobilverband tolerierten Prinzip des Konkurrenten Michelin. "Es hat sehr gut funktioniert", erklärt Suganuma. "Das ist nun unser Entwicklungsmodell. Wir werden diesen Reifentyp nun zu allen Rennen mitbringen." Die Änderung des Vorderreifens bringe immer große Schwierigkeiten mit sich, weil sich der Umriß auf die aerodynamische Effizienz des Rennwagens auswirke. Darum brauche man viel Zeit dafür. "Ich bin sicher, daß das Team in der Lage sein wird, das Auto so weiterzuentwickeln, daß es zur alten Effizienz zurückkehrt." Mit anderen Worten: Es gibt noch Spielraum zur Verbesserung.

          Mehr Haftung - weniger Haltbarkeit

          Zudem habe man die Reifen dem neuen Reglement angepaßt, wonach die Geschwindigkeit in der Boxengasse von 80 auf 100 Kilometer pro Stunde angehoben wurde. Das werde zu mehr Rennen mit drei Boxenstopps und damit kürzeren Rennabschnitten ("stints") führen. "Wir haben also berücksichtigt, daß wir die Haftung auf Kosten der Haltbarkeit erhöhen können." Während der Wintersaison, sagte der Japaner, hätten die Leute immer wieder gesagt, Michelin habe die Oberhand. "Ich bin sehr zufrieden damit, ihre Erwartungen widerlegt zu haben."

          Auch das dürfte man bei der Konkurrenz nicht gerne hören. Lediglich der Renault-Pilot Fernando Alonso war als Dritter mit 34 Sekunden Rückstand auf Michelin-Reifen den Ferraris einigermaßen auf den Fersen geblieben. "Alonsos Vorstellung war eindrucksvoll unter diesen Umständen", räumte Ron Dennis ein. Aber bestimmt nicht gern.

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