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Briatores Manipulationsvorwurf : „Sie haben entschieden, den Titel Schumacher zu geben“

  • -Aktualisiert am

Briatore wirft der FIA Manipulation vor Bild: dpa

Erst „platzte“ im Rennen der Motor von Fernando Alonso, dann ließ Flavio Briatore mächtig Dampf ab. Der Renault-Teamchef warf dem Motorsportverband FIA Manipulation zugunsten von Michael Schumacher vor.

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          Im Schatten Schumachers, oder Schumacher doch im Schatten? Das kommt auf die Perspektive an. Gut acht Millionen deutsche Fernsehzuschauer haben am Sonntag zunächst den sechsten Saisonsieg des Ferrari-Piloten verfolgt. Souverän, trotz knappen Vorsprungs vor Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes, sauste der Rheinländer ungefährdet zum Triumph beim Großen Preis von Italien. Als kurz zuvor auch noch sein großer Rivale im Kampf um den Titel, Fernando Alonso, wegen eines geplatzten Motors ausrollte, entwickelte sich die Abschiedserklärung im vollbesetzten Pressezentrum zur Ankündigung eines großen Finales: Titel Nummer acht und Schluß!

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Abseits von Schumacher und dem Gros der Medien drohte nach dem Renaultmotor auch Flavio Briatore, der Teamchef, "zu platzen". Das blaue Hemd kaum geschlossen, die weißen Haare fast zu Berge stehend, ließ der Italiener Dampf ab wie zuvor das Aggregat in Alonsos Renner: "Wir haben verstanden, wie die Dinge laufen - es ist alles bereits entschieden worden. Sie haben entschieden, den WM-Titel Schumacher zu geben und so wird es auch kommen", erklärte Briatore im italienischen Fernsehsender RAI. "Im Vergleich zu dem, was in der Formel 1 passiert, bringt mich der (italienische) Fußballskandal zum Lachen."

          Behinderung mit bloßem Auge nicht zu erkennen

          Mit anderen Worten: Hier werden Rennen manipuliert. Hintergrund für den schweren Ärger war die Strafversetzung von Alonso. Statt von Platz fünf mußte er von Rang zehn aus losfahren, weil er im Zeittraining nach Ansicht der Streckenkommissare den Ferrari-Piloten Felipe Massa blockiert hatte. "Die Daten zeigen eindeutig, daß Massa behindert wurde. Diese Entscheidung wurde im Einklang mit den Bestrafungen anderer Fälle in diesem Jahr getroffen", sagte der Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA), Max Mosley. "Natürlich hätte ich Alonso auch lieber auf Startplatz fünf gesehen, aber es gibt Regeln."

          Renault-Teamchef Briatore ließ Dampf ab

          Mit dem Urteil, gestützt allein auf Daten, stand Mosley ziemlich allein. Die Behinderung war jedenfalls mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Nun besteht die Gefahr, daß die Politik des Chefstewards im Namen der FIA das spannende Duell behindern könnte. Was Alonso passierte, könnte jedem widerfahren, auch Schumacher.

          Kommt Briatore ungeschoren davon?

          Briatore, dessen Plädoyer für Gerechtigkeit nicht jeden bewegt, hat sich und seinem Piloten mit dem Manipulationsvorwurf wahrscheinlich keinen Gefallen getan. Zwar wollte er seine Bemerkungen als Witz verstanden wissen. Aber so ungeschoren wie nach dem Hitlergruß im Fahrerlager (Australien) wird er diesmal vielleicht nicht davon kommen. Die FIA will den Fall untersuchen. Bislang reagierte sie sehr empfindlich auf alle Äußerungen, die dem Ansehen des Verbandes schadeten.

          Wer als Formel-1-Fahrer direkt neben Michael Schumacher plaziert wird, sitzt zweifellos im Schatten. Kimi Räikkönen und Robert Kubica, als Zweiter und Dritter des Grand Prix Schumachers Nebenleute auf dem Podium, hat diese Rolle am Sonntag nicht sonderlich gestört. Sie haben Zeit und große Ziele: "Ich weiß, daß Ferrari viel von mir erwartet", sagte Schumachers Nachfolger bei der Scuderia, "aber ich verlange auch sehr viel von mir. Natürlich werden wir versuchen, nächstes Jahr Weltmeister zu werden." Wenn es gelingt, dann dürfte der Finne von sich behaupten, Schumachers eingefahrenen Weg verlassen und einen neuen gefunden zu haben: Der Technik und ihrer Entwicklung steht Räikkönen indifferent gegenüber. Hauptsache der Bolide läuft.

          Der weitere Schattenmann, Robert Kubica, verzog am Sonntag keine Miene. Da saß er, der erste Pole auf Rang drei, nach seinem dritten Formel-1-Rennen neben dem erfolgreichsten Formel-1-Fahrer. Seine Ausstrahlung in diesem Moment erinnerte an jemanden, der vor 12, 13 Jahren ungerührt neben dem damaligen Superstar Ayrton Senna Rede und Antwort stand: Michael Schumacher. Nicht, daß es an Respekt fehlte. Aber der unbedingte Wille des BMW-Piloten, bald selbst aus dem Schatten zu fahren, blieb unübersehbar. In der Heimat sehen sie ihn schon im Licht: "Der König ist tot, es lebe der König Kubica!" schrieb die polnische Zeitung "Super Express". Zur Vervollständigung aller überschatteten Geschichten fehlt nur noch diese Nachricht: Red Bull tauscht einen Fahrer aus. Für Christian Klien fährt nun Robert Doornbos.

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