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Formel-1-Finale : Blattgold für den Weltmeister

  • -Aktualisiert am

Bescheidenheit ist nicht seine Zier: Weltmeister Hamilton mit goldenem Helm Bild: AFP

Der Mann mit dem goldenen Helm muss in der Qualifikation zum Saisonfinale der Formel 1 einem anderen Autofahrer die Vorfahrt lassen. Vettel kommt aus der zweiten Reihe.

          Wenn die Luft raus ist, beginnt das Rennen. Das ist der besondere Reiz des Formel-1-Finales am Sonntag in Abu Dhabi: Die Titel sind vergeben, den meisten Teams und Fahrern, die sich nicht mehr in der Geldrangliste verbessern können, geht es „nur“ noch um das Prestige. In dieser Kategorie aber hat Lewis Hamilton am Samstag beim Qualifikationstraining seine Erwartungen nicht erfüllt. Der Engländer, der erst in ein paar Wochen offiziell den Titel des Champions vom Internationalen Automobil-Verband verliehen bekommt, ist mit einem neu lackierten Helm in die Vereinigten Arabischen Emirat gereist.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          An seiner Haube soll man den König der Autofahrer erkennen: Blattgold schmückt das geschützte Oberstübchen. Es ist wohl ein Zufall, dass dieses eigenwillige Herrschaftszeichen an Symbolik der frühen Hochkulturen erinnert, die neuerdings im spektakulären arabischen Louvre von Abu Dhabi unweit der Rennstrecke zu bestaunen ist.

          Der Formel-1-Ramses ließ aber keine  Majestätsbeleidigung erkennen, als er am Samstag  beim Qualifikationstraining für den Großen Preis von Abu Dhabi (Sonntag 14 Uhr MEZ/RTL/Sky und im F.A.Z.-Liverticker zur Formel 1) seinem in der Saison geschlagenen, in den zweiten Stand versetzten Teamkollegen Valtteri Bottas den Vortritt lassen musste: Der Finne gewann im Mercedes das letzte Startplatzrennen der Saison um die Pole-Position mit 0,17 Sekunden Vorsprung. Dritter wurde Ferrari-Pilot Sebastian Vettel mit deutlichem Rückstand hinter dem Schnellsten (0,5 Sekunden). „Gratulation, das war eine irre Runde von Valtteri“, rief der König der Autofahrer, während Vettel die Dominanz von Mercedes anerkannte: „Aber im Rennen sollte es enger zu gehen.“

          Wunschdenken? Vettel hatte wohl den Ausdauertest für die Grand-Prix-Distanz über gut 300 Kilometer am Freitag im Kopf, als er recht fröhlich von seinen Aussichten auf ein besonderes Finale sprach. Ein Sieg änderte zwar nichts mehr an der (für ihn ärgerlichen) Position des weitaus Zweitbesten. Aber „man erinnert sich immer am leichtesten an das letzte Rennen“, fügte Vettel hinzu.

          Vor allem in der langen Winterzeit. Erst Ende März 2018 bietet sich zum Saisonauftakt in Melbourne die nächste Chance, die Tagesordnung vom Sonntag wieder zu korrigieren. Vettel möchte gerne Schwung mitnehmen nach Europa, nach Italien und die Scuderia zum nächsten Sprung bewegen. „Man muss das schon ein Wunder nennen, was Ferrari gelungen ist“, sagt der Weltmeister von 2016, Nico Rosberg: „Im vergangenen Jahr hatte Ferrari viele Personalwechsel, es war ein  Durcheinander.“  

          Der schnellste Autofahrer im Emirat: Valtteri Bottas fährt Streckenrekord in der Qualifikation

          Eine neue Hackordnung wünscht sich auch Bottas. Vorerst am Sonntag: „Ich habe ein klares Ziel vor Augen. Ich habe alle Karten in der Hand.“ Bottas muss zum dritten Mal in dieser Saison gewinnen, falls er Vettel von Rang zwei der Fahrerwertung noch verdrängen will (22 Punkte Rückstand). Allerdings würde dem Deutschen bei einem Triumph des Mercedes-Piloten Platz acht reichen, seine Position zu behaupten. Mercedes brauchte also eine gewaltige Schützenhilfe, um den ersten Einbruch von Ferrari in die Phalanx der Silberpfeile seit 2013 im letzten Moment noch verhindern zu können. Dreimal hatten Hamilton und Rosberg den WM-Sieg unter sich ausgemacht. „Es wird noch ein letztes Mal richtig zur Sache gehen“, sagte Niki Lauda, erster Aufsichtsrat des Teams, vergnügt: „Das sind die besten Rennen.“

          Noch einmal sollen die Sternchen aufleuchten, wenn die Formel 1 wie in Abu Dhabi zur Dämmerung los saust und in die Nacht hinein rauscht. Nico Hülkenberg ließ im Renault als Siebter weit vor seinen Teamkollegen Carlos Sainz jr. (12.) wieder erkennen, wie nah er auf eine Runde den Spitzenteams kommen ist. Der Rheinländer nahm es gelassen hin. Er wird erst vor Freude glühen, wenn er endlich einen Podiumsplatz erreicht hat.

          Seine Zeit in der Formel 1 endet wohl erstmal: Pascal Wehrlein

          Felipe Massa strahlte dagegen am Samstag schon über Rang zehn: 41 Podiumsplätze hat er in 15 Jahren Formel 1 genießen können, darunter elf Siege. Nach 268 Rennen streckte er die Faust aus dem Cockpit, als er seinen Williams im letzten Moment unter die ersten Zehn gesteuert und einen Großen verdrängt hatte: Fernando Alonso im McLaren. Der kleine, 36 Jahre alte Massa,  freute sich diebisch über den kleinen Coup. Es war sein letztes Qualifying. Williams hat seinen Vertrag nicht verlängert.

          Pascal Wehrlein scheint dagegen nach zwei Jahren mit dem Ende des Nachtrennens wieder aus dem Lichtkegel  der Formel 1 zu verschwinden. Bei seinem vorerst letzten Qualifikations-Wettbewerb landete er auf dem 18. Rang, um eine Nuance schneller als sein Teamkollege bei Sauber, Magnus Ericsson. Große Hoffnung auf ein neues Formel-1-Cockpit, auf eine Beförderung in ein besseres Auto macht er sich nicht.

          Aber Bottas hätte vor einem Jahr auch nicht gedacht, dass er Ende November 2017 beim Grand Prix in Abu Dhabi vor Hamilton steht, im identischen Auto. Rosbergs überraschender Rückzug ließ seinen Stern aufsteigen und am Samstag etwas mehr glühen als zuletzt: Er gewann mit einem Streckenrekord.

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