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Formel 1 : Ecclestones nächste Machtprobe

Weiterhin am Steuer? Bernie Ecclestone will in der Formel 1 auch zukünftig schalten und walten. Bild: AFP

Die Formel 1 steht kurz vor der Übernahme durch einen amerikanischen Medienkonzern – der Chefvermarkter Bernie Ecclestone ist jedoch alles andere als erfreut.

          Sein Ende als Chefmanager haben sie ihm schon oft prophezeit, Bernie Ecclestone aber ist geblieben und führt noch immer die Geschicke der Formel 1. Im Oktober wird er 86 Jahre alt. Ob er dann noch an Bord sein wird? Die Formel 1 steht kurz vor dem Verkauf, schon in dieser Woche soll der amerikanische Medienkonzern Liberty Media die erste Rate des 8,5-Milliarden-Dollar-Deals überweisen, das berichtet das Fachmagazin „Auto, Motor und Sport“. Zum Verkauf stehen die Anteile des Haupteigentümers CVC, aber auch einiger anderer Besitzer. Ecclestone bestätigte dies am Samstag vor dem Großen Preis von Monza. In der Königsklasse des Motorsports würde dann ein neues Zeitalter anbrechen.

          Seit 1978 lenkt der ehemalige Gebrauchtwagenhändler Ecclestone die Geschäfte in der Formel 1, er schuf seitdem ein kompliziertes Firmengeflecht, das ihm eine fast uneingeschränkte Herrschaft ermöglichte. 2001 gelang ihm ein weiterer Coup, als er vom Internationalen Automobil-Verband (Fia) die Fernseh- und Vermarktungsrechte für die Rennserie für geschätzt 300 Millionen erwarb - für die kommenden 100 Jahre. Trotz des Verkaufs von Anteilen, trotz wechselnder Haupteigentümer blieb Ecclestone an der Macht. Seit Herbst 2005 ist das Finanzunternehmen CVC Capital Partners aus Luxemburg Haupteigentümer der Formel 1, Ecclestone agiert seither als Geschäftsführer. Er selbst besitzt derzeit noch 5,3 Prozent der Rennserie, sein Bambino Trust 8,5 Prozent. Die Stimmrechte liegen allein bei CVC.

          Seit Jahren schon will sich CVC aus der Rennserie zurückziehen, nicht einmal eine Milliarde Dollar hat das Unternehmen seinerzeit investiert, seitdem aber beinahe zehn Milliarden mit der Formel 1 erwirtschaftet - das entspricht einer Rendite von rund 1000 Prozent. Immer wieder war von möglichen Käufern die Rede, zu einem Abschluss sind die Gespräche nie gekommen. Zudem hatte der Großinvestor zweimal vergeblich versucht, die Formel 1 an der Börse zu plazieren.

          Neue Haupteinnahmequellen

          Das will Liberty Media nun offenbar nachholen. Haupteinnahmequelle der Serie sollen künftig die Bewegtbildrechte werden, damit würden die Veranstalter unter Umständen entlastet, die durch Antrittsgelder bisher rund ein Drittel der Jahreseinnahmen von etwa 1,6 Milliarden Dollar garantieren. Weitere Einnahmequellen der Rechteinhaber sind derzeit die TV-Rechte, die globalen Werbepartner Rolex, Heineken, Allianz, Emirates, DHL sowie die Schweizer Großbank UBS, der Paddock-Club, die Lizenzgebühren und das Merchandising. Trotz der Krise, in der sich die Formel 1 seit Jahren befindet, funktioniert dieses Geschäftsmodell noch immer. Das haben auch die Verantwortlichen von Liberty Media erkannt und wollen die Rennserie in einem zweiten Schritt an der Börse in New York plazieren.

          John Malone ist der Kopf und Besitzer von Liberty Media, der Amerikaner hat auch die Konzerne Liberty Global und Liberty Interactive aufgebaut. Der Fünfundsiebzigjährige ist so auch an Weltmarken wie dem Reiseportal Expedia und dem Verkaufskanal QVC beteiligt. Auch in Deutschland ist Malone aktiv, der Kabelnetzbetreiber Unitymedia ist eine Tochterfirma von Liberty Global. Einen Kommentar zur möglichen Übernahme der Formel 1 gab Malone bisher nicht ab.

          Drei-Klassen-Gesellschaft

          Die Verantwortlichen der Rennställe halten sich bisher zurück. Dieter Zetsche, als Vorstandschef der Daimler AG auch Boss des Rennstalls Mercedes sieht den sich abzeichnenden Handel positiv. Seit 2001 haben Automobilhersteller immer wieder mal (vergeblich) versucht, Ecclestone los zu werden. Inzwischen rebellieren die kleinen Teams gegen das Geschäftsgebaren des Briten. Force India und Sauber haben bei der Europäischen Kommission Beschwerde eingelegt, weil sie einen Wettbewerbsverstoß durch die ungleiche Geldverteilung in der Formel 1 sehen. Die Teams bekommen inzwischen zwar 65 Prozent der Einnahmen, der Verteilungsschlüssel aber trennt die Privilegierten von den Bittstellern. Entstanden ist eine Drei-Klassen-Gesellschaft.

          Ecclestone, der bisher jedes Problem löste, im August 2014 nach einer Anklage wegen des Verdachts der Bestechung sogar den Münchner Gerichtssaal gegen eine Geldauflage von 100 Millionen Dollar verließ, steht vor der nächsten Machtprobe. Offenbar wurde er von den Verhandlungen zwischen CVC und Liberty Media überrascht und soll alles andere als erfreut gewesen sein, als er davon hörte. Tourt die Formel 1 alsbald ohne den kleinen Zampano? „Ich tue, was ich immer getan habe“, behauptet Ecclestone: „Es ist meine Entscheidung, welche Rolle ich einnehme.“ Über seinen Nachfolger wird bereits wieder spekuliert. Sein Name: Alejandro Agag, ein 45 Jahre alter Spanier und derzeit Geschäftsführer der Formel E.

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