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Ecclestones Plan : Die nächste Zerreißprobe für die Formel 1

zu wenig Power: Red Bull kämpft um den Anschluss in der Formel 1. Bild: dpa

Red Bull sucht weiter nach einem neuen Motoren-Hersteller. Bernie Ecclestone hat aber ganz andere Pläne. Setzt er sich durch, würde das die Formel 1 gravierend verändern.

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          Der kleine Mann mit den grauen Haaren redet leise, er nuschelt. Dabei könnte das, was er erzählt, die Formel 1 abermals verändern. „Wir wollen einen Alternativ-Motor einführen“, sagt Chefvermarkter Bernie Ecclestone. Schon 2017 sollen sich die Teams für sechs Millionen Euro pro Jahr so einen Antrieb kaufen können. Die Daten: 2,2 Liter Hubraum, ein Sechs-Zylinder-Biturbo.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun bestätigte der Internationale Automobil-Verband (Fia) die Pläne. Die Fia werde Beratungen mit den Anteilseignern aufnehmen, hieß es in einer Pressemitteilung des Weltverbandes am Montagabend. Danach könnte es zu einer Ausschreibung für die Antriebe kommen. Ecclestone macht dabei also sogar gemeinsame Sache mit Fia-Präsident Jean Todt. „Man kann den Leuten nicht vorschreiben, wie viel Geld sie ausgeben. Aber man kann dafür sorgen, dass sie konkurrenzfähig sind, ohne zu viel dafür zu zahlen“, sagt Ecclestone. Bauen könnte solche Aggregate zum Beispiel Motorenkonstrukteure wie Cosworth oder Ilmor.

          Für Red Bull sind die Kosten für einen Motor zweitrangig. Dem Weltmeisterteam der Jahre 2010 bis 2013 geht es darum, wieder um den Titel kämpfen zu können. Der Renault-Antrieb ist dafür zu schwach und anfällig, seit eineinhalb Jahren werden die Franzosen deshalb von den Red-Bull-Verantwortlichen öffentlich kritisiert. Die Partnerschaft sollte vorzeitig beendet werden, einen anderen Hersteller aber hat Red Bull noch nicht gefunden.

          Die letzte Hoffnung hieß zuletzt Honda. Die Japaner arbeiten seit der Rückkehr in die Formel 1 zu Beginn dieser Saison exklusiv für McLaren, sollen aber durchaus Interesse an einer Partnerschaft mit Red Bull haben. Allerdings hat McLaren-Mitbesitzer Ron Dennis dagegen gestimmt. So zumindest stellt Ecclestone die Situation vor dem Großen Preis der Vereinigten Staaten in Austin, bei dem Lewis Hamilton Weltmeister wurde, dar.

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          Erst zur Saison 2014 hatte die Formel 1 ein neues Motorenreglement eingeführt. Anstelle der Acht-Zylinder-Triebwerke wurden Sechs-Zylinder-Turbo-Motoren mit Hybridtechnologie in die Rennwagen gebaut. Mercedes gab Vollgas in der Entwicklung und baute einen Motor, der den anderen Modellen weit überlegen ist. Die Gegner können seitdem nur noch gewinnen, wenn bei den Silberpfeilen etwas grundlegend falsch läuft. „Wir müssen den anderen Luft zum Atmen geben“, sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff nun.

          Deshalb hat Mercedes dafür gestimmt, dass die Motoren permanent weiterentwickelt werden dürfen, dass die Technik und damit der Silberpfeil-Vorsprung nicht eingefroren bleibt. Auch Red Bull wäre künftig gern mit einem Mercedes-Motor gefahren. Wochenlang hatten die Verantwortlichen darüber verhandelt, Ferrari war der andere Ansprechpartner. Die beiden Konzernlenker Dieter Zetsche und Sergio Marchionne waren durchaus gewillt, den Konkurrenten mit einer Antriebseinheit auszurüsten, aber die beiden Teamchefs, Wolff und Maurizio Arrivabene, haben ihr Veto eingelegt.

          Ecclestone: „Ich muss einen Sport verkaufen“

          Red-Bull-Teamchef Christian Horner räumte zuletzt erstmals ein, dass es ebenfalls Gespräche mit Volkswagen über eine Partnerschaft gegeben hat. „Angesichts ihrer Probleme aber ist die Formel 1 wahrscheinlich das Letzte, an das sie jetzt denken“, sagte der Brite weiter. Nach der Affäre um die Manipulation von Diesel-Emissionswerten droht dem Konzern eine Milliardenstrafe, der neue VW-Chef Matthias Müller hat einen Sparkurs sowie Veränderungen im Unternehmen angekündigt. Das gesamte Sport-Engagement steht auf dem Prüfstand.

          Die Situation von Red Bull ist inzwischen derart ausweglos, dass die Verantwortlichen nicht einmal mehr ausschließen, doch noch ein weiteres Jahr mit Renault-Motoren zu fahren. „Wir haben eine Vereinbarung mit Renault, die bis Ende nächsten Jahres läuft“, sagt Horner. „Darüber wurde viel spekuliert. Ich bin mir sicher, wir können zu dieser Vereinbarung in den kommenden Tagen etwas bekanntgeben.“ Dabei bleiben die Probleme vorerst. In Austin hatte Renault eine neue Ausbaustufe dabei, musste aber selbst einräumen, dass die Leistung nicht so viel besser sei, als dass sich ein Motorwechsel und damit eine Strafversetzung für die Piloten um zehn Plätze lohnen würde.

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          Am 29. November endet diese Saison, schon im Februar beginnen dann wieder die Testfahrten für das neue Jahr. Die Ingenieure arbeiten daher längst an den neuesten Rennwagen-Versionen, die Experten von Red Bull aber müssen dabei mit einer großen Unbekannten umgehen. Jeder Motor hat seine eigenen Abmessungen, seine eigenen Charakteristika. Im besten Fall ist das Chassis so etwas wie die perfekte Hülle für den Motor. Deshalb haben derzeit jene Teams Vorteile, die beides entwickeln und herstellen: Mercedes und Ferrari. Red Bull aber tappt im Dunkeln.

          Die Motor-Entscheidung von Ecclestone könnte nun gravierende Folgen haben. Mercedes, Ferrari, Renault und Honda haben zusammen mehrere Milliarden Euro in die Entwicklung der Hybridtechnologie investiert. Ihr Geschäftsmodell besteht auch darin, die Produkte an die Konkurrenz zu verkaufen. Entsprechend groß wird ihr Widerstand sein. „Ich verstehe, dass die Hersteller diese Hybridtechnologie verkaufen wollen. Sie sind aber die einzigen, die davon profitieren. Ich muss einen Sport verkaufen. Die Fans wollen spannende Rennen sehen. Deshalb müssen wir diesen neuen Motor einführen“, sagt Ecclestone.

          Der neue Motor käme einem Paradigmenwechsel gleich, schließlich soll er pro Rennen etwa dreißig Liter mehr verbrauchen, die Autos müssten abermals mit größeren Tanks ausgerüstet werden. „Das ist kein Problem“, sagt Ecclestone. „Für alles gibt es eine technische Lösung.“ Aber das, was einmal ein Red-Bull-Problem war, wird abermals zu einer Belastungsprobe für die gesamte Serie.

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