https://www.faz.net/-gtl-89o70

Formel 1 : Die Allianz der alten Männer

  • -Aktualisiert am

Verstehen sich: Jean Todt (l.) und Bernie Ecclestone Bild: AFP

Gemeinsam in der Not: Fia-Präsident Jean Todt und Chefvermarkter Bernie Ecclestone haben in der Formel 1 immer mehr Macht verloren. Nun kämpfen sie gemeinsam gegen die großen Teams.

          3 Min.

          Die Not hat sie zusammengeschweißt. Bernie Ecclestone und Jean Todt haben eine Schicksalsgemeinschaft gegründet. Zum ersten Mal, seit Todt im Oktober 2009 das Amt des Präsidenten des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia) übernommen hat, kämpfen beide Seite an Seite. Die beiden alten Männer des Motorsports haben ihre Macht verloren. Und sie sind nicht ganz unschuldig daran.

          Ecclestone erkämpfte sich die Fortschreibung des Concorde-Abkommens mit großen Opfern. Um den Wert der Formel 1 für Rechteinhaber hoch zu halten, brauchte er Garantien der fünf großen Teams und der Automobilhersteller bis 2020. Die bekam er nur im Austausch gegen Bonuszahlungen und mehr Mitspracherecht beim Reglement. Die Strategiegruppe ist Ecclestones Erfindung. Das erste von drei Gremien im Entscheidungsprozess bricht ihm jetzt das Genick. Weil die privilegierten Teams immer seltener das machen, was Bernie will.

          Aus der Formel 1 gedrängt?

          Auch Todt hat sich schon vor dem Großen Preis von Mexiko, den Nico Rosberg für sich entschied, eine Grube gegraben. Er wollte die Hersteller mit einer Hybridformel beglücken. Jetzt stellt er fest, dass die Motoren zu kompliziert und zu teuer sind. So kompliziert, dass sie nur ein Automobilkonzern entwickeln kann. Das grenzte unabhängige Anbieter wie Cosworth oder Ilmor aus. Und gab den Autokonzernen ein Machtinstrument in die Hand. Sie bestimmen, wer welchen Motor bekommt. Red Bull und Toro Rosso könnten aus der Formel 1 gedrängt werden, weil ihnen keiner Motoren geben will.

          Die Fia hat bei der Einführung des Motorenreglements zwei entscheidende Dinge vergessen. Sie legte keine Obergrenze für den Preis der Motoren auf dem freien Markt fest. Und sie versäumte es, die Hersteller zu zwingen, eine bestimmte Anzahl von Teams zu beliefern. Todt gibt zu: „Das war ein Fehler. Ich bin mir aber nicht sicher, ob die Hersteller ein Preislimit damals akzeptiert hätten. Sie waren ja auch gegen Kostenbremsen, die wir in das Reglement einbauen wollten, damit die Entwicklung nicht aus dem Ruder läuft.“ Die Fia wollte einen Preis von maximal zwölf Millionen Euro für die aktuellen Hybrid-Aggregate festsetzen, lief dabei aber gegen eine Wand. Ferrari machte von seinem Vetorecht Gebrauch. Todt verteidigt seinen Vorstoß: „Zwölf Millionen sind ein Preis, bei dem die Hersteller kein Geld verlieren.“

          Toto Wolff, der Motorsportchef von Mercedes, widerspricht: „Wir zahlen schon beim aktuellen Preis drauf.“ Die Antwort auf Ferraris Blockade ist ein neuer Motor, der den Privatteams eine bezahlbare Perspektive bietet. Todt verteidigt die unpopuläre Maßnahme: „Ich bin immer noch ein Verfechter der Hybrid-Technologie. Der Motor ist ein großartiges Labor für die Autokonzerne, eine serienrelevante Technik zu entwickeln. Das kann aber nicht auf Kosten der Privatteams gehen, die bei der Ausschüttung der Einnahmen auch noch benachteiligt werden. Die Fia hat keinen Einfluss auf die Verteilung der Gelder. Wir können nur sicherstellen, dass die Privatteams einen Motor bekommen, den sie sich leisten können.“

          Zu Beginn der Woche kündigte die Fia an, dass sie einen unabhängigen Anbieter ins Spiel bringen will, der einen Motor für sechs bis sieben Millionen Euro auf den Markt wirft. Es soll sich um einen 2,2-Liter-V6-Biturbo handeln. Solche Motoren werden in der IndyCar-Serie eingesetzt. Der Motor wird nach Berechnungen der Fia-Ingenieure 140 statt 100 Kilogramm Benzin für eine Renndistanz brauchen. Das würde einen Tankstopp oder andere Chassisregeln bedeuten, um einen größeren Tank einbauen zu können.

          Endlich wieder gute Laune: Nico Rosberg feiert den Sieg in Mexiko landestypisch. Bilderstrecke
          Endlich wieder gute Laune: Nico Rosberg feiert den Sieg in Mexiko landestypisch. :

          Mercedes-Mann Wolff zweifelt, ob man bei zwei so unterschiedlichen Motortypen Chancengleichheit schaffen kann. Todt widerspricht: „Wir haben bei den Sportwagenrennen mit Audi, Porsche und Toyota bewiesen, dass es drei unterschiedliche Antriebskonzepte und trotzdem Chancengleichheit geben kann.“ Die Fronten sind verhärtet. Bernie Ecclestone und Fia-Präsident Jean Todt wollen ihren Alternativ-Motor unter allen Umständen durchdrücken. Mercedes, Ferrari, Honda und Renault wollen das verhindern. Sie sehen ihre Investitionen in ein technisches Meisterwerk von einem Billigmotor bedroht und kündigen erbitterten Widerstand an. Mercedes und Ferrari begeben sich jetzt bereits bei ihren Kunden auf Stimmenfang.

          Ecclestone und Todt können den Motor nicht einfach so aus dem Hut zaubern. Die Alternative zum Hybridantrieb muss erst durch alle Gremien. Die schwierigste Hürde ist die Formel-1-Kommission. Um die zu meistern, brauchen die Verfechter des neuen Motors 16 von 24 Stimmen. Zwölf haben Ecclestone und Todt aus den Reihen der Veranstalter, Sponsoren und Reifenvertreter sicher. Damit brauchen sie noch vier aus den Reihen der Teams. Red Bull und Toro Rosso gelten als sicher. Es ist ihre Lebensversicherung.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Auch Manor schlägt sich auf die Seite der Rebellen, was zu ernsten Verstimmungen mit dem künftigen Motorenpartner Mercedes sorgt. Force India steht auf der Kippe. Mercedes kann Teambesitzer Vijay Mallya nicht zu einem Votum gegen den Billigmotor zwingen. Aber der Inder weiß auch, dass er dann beim geringsten Zahlungsverzug ohne Triebwerk dasteht. Trotzdem spielt er mit dem Angebot der Fia. „Wir begrüßen jede Form von Kostenersparnis. Aber wir wissen noch zu wenig über den Motor, um sagen zu können, ob wir die Initiative unterstützen oder nicht. Die Fia stellt mir mit ihrem Angebot einen Fuß in die Tür, damit ich meinen Freund Toto Wolff um einen Rabatt anfragen kann.“

          Hinter den Kulissen hört man, dass der Weltverband eine weitaus schärfere Waffe in der Hinterhand hat. Todt soll wild entschlossen sein, sich im Notfall auf „höhere Gewalt“ zu berufen und den Motor ohne Abstimmung im Reglement zu verankern. Wird dann Ferrari nicht wieder sein Vetorecht geltend machen? „Das Vetorecht gilt nicht für alle Fragen“, erklärt Ecclestone.

          Weitere Themen

          Nürnberg meldet sich eindrucksvoll zurück

          4:1 in Osnabrück : Nürnberg meldet sich eindrucksvoll zurück

          Überraschend deutlich siegt der 1. FC Nürnberg am Montagabend in Osnabrück. Die Franken führen dank einer starken ersten Hälfte schon zur Pause 3:0. Osnabrück muss dagegen die erste Saisonniederlage verkraften.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.