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Bernie Ecclestone : Alles unter Kontrolle

Immer noch alles in Ordnung: Bernie Ecclestone Bild: dpa

Es gibt viele gute Gründe für einen Abgang, doch die Ecclestone-Show in der Formel 1 geht weiter. Das Verfahren gegen den mächtigen Geschäftsführer wird wohl eingestellt – gegen eine Zahlung von 100 Millionen Dollar.

          Am Samstag vergangener Woche war Messe am Hungaroring, der Hirte der Formel 1 hatte seine Schäfchen versammelt. Hier haben sie ihm eine Büste gegossen, zur Strecke im Komitat Pest führt die Bernie Avenue. Sehr katholisch dürfte es nicht zugegangen sein, der Versammlungsort des Kreises dieser besonderen Ecclestone-Gläubigen ist schließlich sein wenigstens von außen tiefschwarzes Motorhome. Schwarze Messe bei Bernie Ecclestone? Keinesfalls, schließlich führten die Teamchefs der Formel-1-Teams nach eigenen Angaben nur Gutes im Schild, als sie sich beim großen Zampano ihres Geschäfts trafen.

          Sie berieten, wie sich die Show in der Formel 1 verbessern ließe. Danach traten sie alle vor die Tür: Mercedes-Boss Toto Wolff, Ferrari-Rennleiter Matteo Mattiacci, Force-India-Unternehmer Vijay Mallya. Ecclestone lächelte. Eine Arbeitsgruppe ist wenigstens in Planung, es heißt, der überführte Rennbetrüger Flavio Briatore werde reaktiviert als Priester der Show. Ob die nächste Messe an diesem Wochenende stattfindet, ist unerheblich. Wichtig ist: Bernie is back, mag man urteilen. Als sei nichts gewesen, oder jedenfalls fast. Das stimmt nicht ganz.

          Rückblende, Hockenheim vor zwei Jahren. Ecclestone fehlt. Gerüchte machen die Runde, er stehe vor der Verhaftung, sollte der Chefvermarkter in Deutschland erscheinen. Hintergrund sind die Ermittlungen gegen den früheren Risikovorstand der Bayerischen Landesbank, Gerhard Gribkowsky. Der ist zuvor verurteilt worden, Bestechlichkeit in Tateinheit mit Untreue und Tatmehrheit mit Steuerhinterziehung. Gribkowsky sitzt, achteinhalb Jahre. Und behauptet anschließend, er sei von Ecclestone bestochen worden, damit die Bayern LB, nach der Kirch-Pleite Eigentümer der Formel-1-Rechte, an die Investmentgesellschaft CVC verkauft.

          Ecclestone dementiert von Anfang an. Nicht die Zahlung an sich, rund 44 Millionen Dollar, aber er macht geltend, er habe sich von Gribkowsky hinsichtlich seiner Steuerkonstruktion unter Druck gesetzt gefühlt. Zunächst glauben Ecclestone die wenigsten. Sein Leumund ist zu schlecht, Ecclestone ist sehr viel zuzutrauen, er selbst verschweigt das nicht immer. Auch für die Sportredaktion dieses Hauses ist der damals über 80-Jährige untragbar, unter anderem wegen der Ermittlungen der Münchner Staatsanwälte gegen ihn. Unter anderem.

          Ecclestones Methode: „Teile und herrsche“

          Ecclestones Schäfchen, die Teamchefs der Formel 1, dagegen sehen das von Anfang an anders. Nie verliert der bald 84-jährige Mann die Kontrolle über sein Baby, die Formel 1, in der finanziell gesunde Teams an einer Hand, wohl nur an ein, zwei, drei Fingern abzuzählen sind. Wo mancher seit Jahrzehnten die Faust in der Tasche ballt, weil er Ecclestones Methode „Teile und herrsche“ aus dem Effeff kennt und sich trotzdem trollt wie die braven Grundschulkinder nach der Erstkommunion.

          Und die Ermittlungen ziehen sich, Anklage wird erst rund ein Jahr später erhoben, der Prozess beginnt im Frühjahr 2014. Anschließend sind vor allem Gribkowskys Aussagen für die Ermittler zum Haareraufen. „Keinerlei Anzeichen auf strafrechtlich relevantes Verhalten“ sei festzustellen, subsumieren Ecclestones Verteidiger anschließend. Und so steht das Verfahren nun vor der Einstellung noch in dieser Woche. Am Dienstag dürfte es so weit sein.

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