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Wehrlein und die Formel 1 : Der Kampf um die Cockpits

Bekommt Pascal Wehrlein weiterhin einen Platz in der Königsklasse der Formel 1? Bild: dpa

Massa und Button machen in der Formel 1 Platz für eine neue Generation von Rennfahrern. Doch auch ein Deutscher könnte im Fahrerkarussell auf der Strecke bleiben.

          Donnerstag Mittag im Fahrerlager des Yas Marina Circuit in Abu Dhabi. Pascal Wehrlein sitzt vor der Teamunterkunft von Manor, eine Mitarbeiterin des Rennstalls bringt ihm ein Omelett. „Oh“, sagt er und lächelt freundlich. Doch der Deutsche probiert es nicht einmal, er hat zu viel zu erzählen. Vor dem letzten Rennen dieser Formel-1-Saison ist seine Zukunft noch immer ungeklärt. „Es gibt nicht mehr viele freie Cockpits“, sagt er, „aber es gibt noch viele Fahrer, die auf der Suche sind - und einige haben sehr viel Geld dabei.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Drei Optionen hat er noch: Der Zweiundzwanzigjährige bleibt noch eine weitere Saison bei Manor, er wechselt zu Sauber - oder er fliegt nach nur einem Jahr wieder raus aus dem Fahrerkarussell in der Königsklasse des Motorsports. „Ich bin ziemlich entspannt“, beteuert er.

          Dabei sieht es gerade so aus, als sei Wehrlein einer der großen Verlierer der vergangenen Wochen auf dem Markt der Rennfahrer. Denn die Chance auf ein Cockpit bei einem der etablierten Rennställe war lange nicht mehr so groß. Die Formel 1 verändert gerade ihr Gesicht, sie bekommt sozusagen eine Frischzellenkur verpasst. Jenson Button zieht sich vorerst zurück, der 36 Jahre alte Brite legt offiziell ein Sabbatical ein und wird in der kommenden Saison nur noch Test- und Ersatzfahrer bei McLaren sein.

          Vandoorne, Stroll und Ocon

          Der 35 Jahre alte Felipe Massa (Williams) beendet seine Karriere. Beide machen Platz für eine neue Generation von Rennfahrern. McLaren hat Stoffel Vandoorne unter Vertrag genommen, Williams setzt künftig auf den erst 18 Jahre alten Kanadier Lance Stroll. Der 20 Jahre alte Esteban Ocon, bisher Teamkollege von Wehrlein bei Manor, steigt zudem auf zum Stammfahrer bei Force India. Ein Anfang, aber auch ein Ende.

          Nun sollte Button noch einmal erzählen, wie das war, als er im Jahr 2000 einstieg in den Formel-1-Zirkus. „Du startest mit Träumen - und du gehst hoffentlich mit Erinnerungen“, sagte Button nun. „Dieser Sport hat mir so viel gegeben, aber jetzt ist es Zeit zu gehen.“ Lange galt er als eines der größten britischen Talente, allerdings haftete ihm auch ein gewisses Playboy-Image an. Erst 2009, im überlegenen Brawn GP, zeigte er es seinen Kritikern und gewann die Weltmeisterschaft. Massa hatte den Titel hingegen ein Jahr zuvor verpasst.

          Ein Punkt fehlte ihm im Zweikampf mit Lewis Hamilton, nur für etwa dreißig Sekunden konnten sich Massa und seine Familie wie Champions fühlen. Danach flossen die Tränen. Heute sagt Massa: „Ich bin glücklich darüber, dass ich so eine lange Karriere haben durfte.“ Das Rennen in Abu Dhabi wird sein 250. Grand Prix sein. Welten trennen sie damit von den jungen Kollegen der Gegenwart.

          Für Ocon heißt gegen Wehrlein

          Ocon und Wehrlein gehören dem Talentpool von Mercedes an. Sie sollen Fahrpraxis sammeln und beweisen, dass sie vielleicht einmal das Zeug zum Nachfolger von Nico Rosberg oder Lewis Hamilton beim Weltmeister-Team haben. Ocon, der 20 Jahre alte Franzose, ist auf bestem Wege. Im Jahr 2014 gewann er die Meisterschaft in der europäischen Formel 3 - einer seiner Gegner damals war: Max Verstappen, der neue Shootingstar der Szene.

          Nun braucht er nur acht Rennen bei Manor, um abermals auf sich aufmerksam zu machen. „Force India hat eine tolle Bilanz in der Arbeit mit jungen Fahrern. Sie haben uns eindringlich ihren Mut und ihre Vision deutlich gemacht, Esteban unter ihre Fittiche zu nehmen“, sagte Wolff. „Es ist auch ein Fingerzeig für die positive Entwicklung der Formel 1, dass Talent wieder für wichtiger angesehen wird als Geld. Wir können in den nächsten Jahren eines der eindrucksvollsten Talente bei dem Versuch beobachten, es an die Spitze der Formel 1 zu schaffen.“

          Aber die Entscheidung für Ocon ist auch eine Entscheidung gegen Wehrlein. Wolff hat sie seinem Schützling persönlich mitgeteilt und ihm zugleich Mut zugesprochen. Derzeit arbeiten die Verantwortlichen von Mercedes daran, dass auch Wehrlein in der Formel 1 bleiben kann. Am vergangenen Montag war er zuletzt in der Rennwagenfabrik in Brackley in England, ist im Simulator gefahren und wurde auf den neuesten Stand der Verhandlungen gebracht. „Noch ist nichts unterschrieben“, sagt Wehrlein. Dass er talentiert ist, hat er mehrmals bewiesen.

          Sein zehnter Platz von Spielberg hatte Manor in der Konstrukteurswertung zwischenzeitlich vor Sauber gebracht. Erst der neunte Platz von Felipe Nasr im Regen von São Paolo vor knapp zwei Wochen ließ Manor wieder auf den letzten Platz zurückfallen in diesem Millionenspiel, bei dem ein Punktgewinn über bis zu dreißig Millionen Euro an Einnahmen entscheiden kann.

          Geld, an das die Existenzen dieser Rennställe gekoppelt sind - und das nun auch die Laufbahn von Wehrlein beeinflusst. Er selbst will sich darüber nicht allzu viele Gedanken machen. „Mercedes führt für mich die Gespräche. Es geht so lange, wie es geht“, sagt er. Und weiter: „Ich versuche an jedem Wochenende, Werbung für mich zu machen.“ Drei Trainingssitzungen, ein Qualifikationstraining und ein Rennen bleiben ihm dafür noch.

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