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Bayern LB : Widersprüche in der Formel-1-Affäre

Gerhard Gribkowsky (l) und Bernie Ecclestone Bild: dpa

Woher stammt das Vermögen von Gerhard Gribkowsky? Formel-1-Boss Bernie Ecclestone spricht von Erpressung, die Ermittler glauben an Schmiergelder. Der frühere Vorstand der Bayern LB hat dazu in Untersuchungshaft bisher geschwiegen. Das wird sich bald ändern.

          Gerhard Gribkowsky muss sich seiner Sache sehr sicher gewesen sein. Aus freien Stücken ging der frühere Vorstand der Bayern LB Ende Dezember zur Staatsanwaltschaft in der Nymphenburger Straße, um die Strafverfolger über die Herkunft seines beträchtlichen Vermögens zu unterrichten. Dass er eine Privatstiftung namens Sonnenschein in Österreich besaß, hatte Gribkowsky den Ermittlern einige Monate zuvor noch verschwiegen, als diese ihn zu seiner Rolle beim Fehlkauf der Hypo Group Alpe Adria befragt hatten.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Um das Hypo-Desaster der Bayern LB geht es heute längst nicht mehr. Die Münchner Strafjustiz interessiert sich für Gribkowskys Rolle als Verkäufer der Formel-1-Rechte. Aus der schillernden Rennsportszene sollen jene 44 Millionen Euro stammen, die auf den Konten seiner österreichischen Privatstiftung lagern. Es seien Beraterhonorare, soll Gribkowsky gesagt haben. Und dass solch hohe Summen im Umfeld des mehrfachen Milliardärs Bernie Ecclestone nichts Ungewöhnliches seien. Ungewöhnlich ist, dass Gribkowsky seit Januar in Untersuchungshaft sitzt - und schweigt.

          Staatsanwaltschaft glaubt an Schmiergelder

          Ungewöhnlich ist auch die Version von Formel-1-Boss Ecclestone: Er soll schlicht von Erpressung gesprochen haben. Der Deutsche habe einige Dinge über ihn und seine Formel-1-Geschäfte zusammengetragen, die Ecclestones undurchsichtiges Firmengeflecht für die britischen Steuerbehörden transparent machen könnten, gab der 80 Jahre alte Formel-1-Guru sinngemäß zu Protokoll. Gegenüber dem "Daily Telegraph" erneuerte der Brite unlängst diese Version.

          Die Münchner Staatsanwaltschaft glaubt offenbar weder Gribkowsky noch Ecclestone. Die Ermittler vermuten vielmehr, dass Gribkowsky beim Verkauf der Formel 1 durch die Bayern LB im Jahr 2006 Schmiergelder von 50 Millionen Dollar kassiert hat. Käufer war seinerzeit der Finanzinvestor CVC Capital Partners, der für die Rechte 837 Millionen Dollar zahlte. Die britische Investorengruppe stand zudem Ecclestone sehr nahe. Und die Bayern LB soll überdies Vermittlerprovisionen von insgesamt 67 Millionen Dollar an Ecclestone und dessen Holding Bambino überwiesen haben, die dann - von Ecclestone versteuert - an Gribkowsky weitergeleitet wurden. In der Anklageschrift wird Ecclestone als Beschuldigter geführt. Und Gribkowsky ist nicht wegen versuchter Erpressung angeklagt, sondern wegen des Verdachts der Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung. So stand es schon vor einem halben Jahr im Haftbefehl.

          Sehr viele Unstimmigkeiten widerlegen

          Beobachter fragen sich, warum Gribkowsky diesen Verdacht bis zum heutigen Tag nicht widerlegen konnte. Mit dem Schweigen des 53 Jahre alten Bankers wird es bald vorbei sein. Nach Informationen dieser Zeitung soll der 5. Strafkammer des Landgerichts München I noch Ende dieses Monats die Erwiderung seiner Verteidiger zugeschickt werden. Sehr viel Widersprüchliches müsste darin widerlegt werden, sollte Gribkowsky auf freien Fuß kommen. Die Gelder, so müsste es in Gribkowskys Version heißen, wären dann nicht im Zusammenhang mit dem Formel-1-Geschäft der Bayern LB geflossen. Auch dürfte es keinen Passus im Dienstvertrag zwischen der Bayern LB und ihrem früheren Risikovorstand gegeben haben, aus dem sich ein Untreue-Tatbestand gegen Gribkowsky ableiten ließe. Und eine "Unrechtsvereinbarung" zwischen Gribkowsky und Ecclestone müsste die Verteidigung gewiss auch in Abrede stellen.

          Warum sind aber dann die Millionenbeträge geflossen? Und warum mussten sie über Briefkastenfirmen auf Mauritius und in der Karibik ausgezahlt werden? Ist es vorstellbar, dass ein Bernie Ecclestone nach vierzig Jahren im Rennzirkus den Rat des Bankers Gerhard Gribkowsky nötig hat, nur weil dieser einige Monate lang für die Bayern LB einen Käufer für die Formel-1-Rechte sucht?

          Strafprozess könnte Mammutverfahren werden

          Immerhin profitierte Ecclestone vom Verkauf an CVC: Er konnte an der Seite der Investorengruppe weiterhin den Renndirektor geben, nun sogar mächtiger denn je. Ein anderer Käufer hätte den umtriebigen Briten, der bei so manchem Rennstall in Verruf geraten war, womöglich abgesetzt. Mehrere Autokonzerne hatten in jenem Jahr damit gedroht, die Formel 1 zu verlassen.

          Bliebe noch der Vorwurf der Steuerhinterziehung. Gribkowsky hatte seine Beraterhonorare in der Sonnenschein-Stiftung in Österreich versteuert. Darauf zahlte er den dort üblichen Körperschaftsteuersatz von 25 Prozent. In Deutschland hätte er das Vermögen mit 44 Prozent versteuern müssen. Zugriff auf die Konten seiner Stiftung hat Gribkowsky schon längst nicht mehr. Auf Antrag der Bayern LB verhängte das Münchner Landgericht einen Arrest über Gribkowskys Vermögen. Eine Fluchtgefahr ist vor diesem Hintergrund sehr unwahrscheinlich. Dennoch sitzt Gribkowsky noch immer im Untersuchungsgefängnis in München-Stadelheim. Eine Haftprüfungsbeschwerde hatte die Verteidigung lange erwogen, dann eingereicht und im März wieder zurückgezogen. Womöglich werden Gribkowskys Verteidiger einen neuen Vorstoß wagen.

          Derzeit prüft das Gericht, ob es einen Strafprozess gegen Gribkowsky ansetzt. Für den Fall wird in Münchner Justizkreisen mit einem Mammutverfahren gerechnet. Den zuständigen Richter Peter Noll dürfte das nicht schrecken. Er hat den Siemens-Korruptionsskandal verhandelt. Und dieser Prozess zog sich über mehrere Jahre hin.

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