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Bahrein : Formel 1 sagt Saisonauftakt ab

Kein Rennen möglich: Die Formel 1 sagt den Saisonstart in Bahrein ab Bild: dpa

Die Formel 1 entscheidet sich für eine Art Safety-Car-Phase für das Rennen in Bahrein: Wegen der Unruhen in dem arabischen Staat fällt das erste Rennen der neuen WM-Saison aus. Es soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

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          Mit Erleichterung haben Formel-1-Teams und Fahrer auf die Absage des Großen Preises von Bahrein am 13. März reagiert. „Das ist sicherlich die richtige Entscheidung“; sagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug am Montag auf Anfrage: „Es gab nach den traurigen Ereignissen in der vergangenen Woche eine moralische Verpflichtung.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Am späten Montagnachmittag hatte der Kronzprinz des Königtums, Salman Bin Hamad Bin Isa Al Califa dem Chefmanager der Formel 1, Bernie Ecclestone, mitgeteilt, dass das Rennen nicht stattfinden könne: „Im Moment gilt die Aufmerksamkeit des Landes dem neuen nationalen Dialog für Bahrein.

          Nach den Ereignissen der vergangenen Wochen hat es für unsere Nation oberste Priorität, Tragödien zu überwinden, Narben zu heilen und jene Struktur wiederzuentdecken, die dieses Land zusammenhält, um der Welt zu beweisen, dass Bahrein dazu in der Lage ist, wieder vereint zu sein“, heißt es in einer Erklärung des Kronprinzen: „Obwohl Bernie Ecclestone dankenswerterweise klargestellt hat, dass wir die Entscheidung treffen müssen und dass wir dafür noch Zeit haben, ist es unserer Meinung nach wichtig, uns jetzt auf nationale Interessen zu konzentrieren und das Formel-1-Rennen zu einem späteren Zeitpunkt auszutragen.“

          Der Kronprinz hat gesprochen: Scheich Salman bin Hamad al-Chalifa (l., mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone)
          Der Kronprinz hat gesprochen: Scheich Salman bin Hamad al-Chalifa (l., mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone) : Bild: dpa

          Das Blutbad alarmierte einige Teamchefs

          Es gibt Pläne, den Grand Prix im Herbst auszutragen. Die Saison beginnt nun erst am 27. März mit dem Großen Preis von Australien in Melbourne. Die für Anfang März in Bahrein vorgesehenen Testfahrten finden in Barcelona statt. Dass das Auftaktrennen nicht mehr zu halten war, ahnten die Verantwortlichen am Morgen nach den brutalen Übergriffen auf die Demonstranten in der vergangenen Woche in Bahreins Hauptstadt Manama. Zumal die Opposition der Regierung schon vor dem Einsatz von Militär und Polizei angekündigt hatte, das Formel-1-Rennen für Protestaktionen zu nutzen. Diese Drohung und schließlich das Blutbad alarmierten einige Teamchefs. Sie konnten zwar das Rennen nicht absagen, weil der Vertrag zwischen dem Veranstalter und dem Inhaber der Vermarktungsrechte (CVC) besteht. Aber sie machten Ecclestone, dem Verhandlungschef von CVC, deutlich, dass die Gefahr für Leib und Leben ihrer Mitarbeiter nicht mit der großen Sause zu vereinbaren sei.

          Vor der Absage des Grand Prix hatten sie schon die Testfahrten in Bahrein gestrichen, diese Entscheidung aber nicht kommuniziert, um die Verhandlungen am Montagnachmittag nicht zu stören. Für die Versuchstouren zeichnen allein die Rennställe verantwortlich. Sie stützten sich bei ihrer Argumentation auch auf die Reisewarnungen, die England und Deutschland in der vergangenen Woche ausgesprochen hatten. Davon abgesehen appellierten Fahrer an die moralische Verantwortung. Wie könnten sie sich draußen in der Sakhir-Wüste um ihre Rundenzeiten sorgen, wenn in der Stadt Demonstranten wegen ihrer Forderung nach besseren Lebensbedingungen möglicherweise um ihr Leben fürchten müssten? Zur Meinungsbildung trug angeblich auch ein auf der Internetplattform Youtube eingestelltes Video bei. Es soll die Tötung von Demonstranten auf dem Perlenplatz in der Nacht zum vergangenen Donnerstag dokumentieren.

          Für die Formel 1 verläuft die Verschiebung wohl ohne finanziellen Verlust

          Die Formel 1 hat sich in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder ungerührt als Instrument der Politik etwa in Südafrika oder China benutzen lassen - solange die Machthaber Sicherheit garantierten. Dies war in Bahrein offenbar nicht möglich. Obwohl sich die Situation am Samstag nach dem Rückzug des Militärs beruhigt hatte, schürten neue Ankündigungen die Unsicherheit. Am Montag erklärte der Oppositionspolitiker Hassan Mashaima gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, bis Dienstagmorgen von London nach Manama zurückzukehren. Mashaima droht in Bahrein eine Anklage als Terrorist. Für die Formel 1 verläuft die Verschiebung des Saisonauftaktes vermutlich ohne finanziellen Verlust, da der Kronprinz Ecclestone um die Verlegung gebeten hat. Das ist wichtig für die Bewertung. Denn bei den Verträgen mit dem Briten, der den Besitzer der Vermarktungsrechte CVC vertritt, erwirbt ein Veranstalter ohnehin nur das Recht, einen Grand Prix austragen zu dürfen. Selbst falls sich kein Rad bewegt, muss bezahlt werden. Vorausgesetzt der Veranstalter hat die Absage zu verantworten. Um die Sonderzahlung für das Privileg, den ersten Grand Prix einer Saison organisieren zu dürfen, kommt Bahrein vermutlich nicht herum. Melbourne wird sich als glücklicher Nachfolger gegen einen Aufschlag wehren. Der Veranstalter macht Jahr für Jahr bei der Finanzierung des Rennens trotz angeblich 100.000 Zuschauern einen Verlust und nimmt immer wieder die Hilfe der Regionalregierung in Anspruch. Nach Angaben der „Gulf News“ soll der Zuschlag für den ersten Grand Prix der Saison zwanzig Millionen Dollar kosten.

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