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Bahrein : „Formel 1 reißt eine Wunde auf bei uns“

  • Aktualisiert am

„So eine Veranstaltung erweckt den Eindruck, alles sei in Ordnung in Bahrein. Das ist es aber nicht“ Bild: AP

Am Sonntag startete die Branche beim Großen Preis von Bahrein. In der Hauptstadt Manama aber wird weiter protestiert. Ein Gespräch über verhaftete und gefolterte Sportler und Protestsignale auf der Rennstrecke.

          4 Min.

          Faisal Hyat ist Sportjournalist in Bahrein gewesen, bevor Verhaftung und Folter sein Leben verändert haben. Auf Vermittlung von Nebal Al Salman, Mitarbeiterin im Zentrum für Menschenrechte von Bahrein (BCHR), hat er sich zum Interview bereit erklärt. Der freundliche, mittelgroße Mann, 39 Jahre alt, spricht leise, aber bestimmt. Dokumente sollen seine Aussagen stützen. Er zeigt Fotos von verhafteten Sportlern: „Ich habe alles dokumentiert.“

          An diesem Sonntag, sagt der Formel-1-Veranstalter, finde das größte Ereignis in Ihrem Land in diesem Jahr statt: der Grand Prix von Bahrein. Was halten Sie davon?

          Sport sollte die Leute erfreuen. Aber die Formel 1 reißt eine Wunde auf bei uns. Manche sind für das Rennen, manche dagegen, zumindest in diesen Zeiten. Warum? Weil sie wissen, dass die Formel 1 von aller Welt gesehen wird, und weil sie fürchten, dass so eine Veranstaltung den Eindruck erweckt, alles sei in Ordnung in Bahrein. Das ist es aber nicht.

          Was ist nicht in Ordnung?

          Nichts hat sich geändert. Es gibt nach wie vor ständig Verletzungen der Menschenrechte.

          Haben Sie das selbst erlebt?

          Ja. Deshalb setze ich mich jetzt für gefangene Sportler ein.

          Was ist Ihnen widerfahren?

          Ich habe im März 2011 an einer Demonstration teilgenommen in der ersten Reihe. Sie haben ein Foto von mir von diesem Protestmarsch genommen und in einer Sportsendung gezeigt, mein Kopf war eingekreist. Ein Handball-Nationalspieler hat uns in der Sendung kritisiert, geklagt, dass wir vom Staat immer unterstützt worden seien und uns gegen ihn wenden würden. Nach zwei Tagen bekam ich einen Anruf, ich sollte zu einer Polizeistation kommen. Dort wurden mir Handschellen angelegt, mir wurden für drei Stunden die Augen verbunden, ich wurde geschlagen, auf den Rücken, auf die Fußsohlen. Sie haben mich nicht befragt. Ich sollte wiederholen, was ich während der Demonstration gerufen hatte.

          Was haben Sie gerufen?

          Freiheit für Journalisten und Journalismus.

          Das ist Ihnen zur Last gelegt worden?

          Nein. Die Anklage lautet: Teilnahme an einer illegalen Versammlung. Nach zwei Tagen kam ich zum Staatsanwalt, der mich nach fünf Minuten in ein Gefängnis überstellen ließ. Zwei Wochen später kam ich ins größte von Bahrein, es heißt Dry dock. Dort war ich etwa drei Monate.

          Ist es richtig, dass einige Sportler von Bahrein ins Gefängnis geworfen wurden, nur weil sie an Demonstrationen gegen den König und für demokratische Verhältnisse teilgenommen haben?

          Ja, allerdings wird ihnen dann immer irgendetwas anderes Absurdes vorgeworfen. Manche der bekanntesten Fußballspieler sind übrigens auf dem Trainingsplatz verhaftet worden, manche der Sportler wurden gefoltert, und zwar so, dass sie später Schwierigkeiten in ihrem Sport haben sollten.

          Wie meinen Sie das?

          Fußballspieler wurden auf die Füße geschlagen, einem Handballspieler der Ellbogen gebrochen.

          Aufschrei! Der ehemalige Sportjournalist Faisal Hyat (rechts)
          Aufschrei! Der ehemalige Sportjournalist Faisal Hyat (rechts) : Bild: Privat

          Wie viele Sportler sitzen im Gefängnis?

          Mehr als fünfzig. Nachdem die Fifa (der Internationale Fußball-Verband) Druck auf Bahrein gemacht und Entlassung erreicht hatte, ist die Zahl wieder gestiegen.

          Warum?

          Vielleicht, weil Sportler Einfluss auf die Jugend hier in Bahrein haben, die den Sport liebt, wie bei Ihnen in Deutschland. Und wenn bekannte Sportler gegen die Regierung demonstrieren, für Menschenrechte eintreten, Freiheiten fordern, dann ist das offenbar unangenehm für das Regime.

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