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Ayrton Senna : Crash, Staub, Stille - Sterben

Legende der Formel 1: Ayrton Senna starb vor zehn Jahren in Imola Bild: AP

Vor zehn Jahren starb Ayrton Senna, die Ikone der Formel 1, beim Großen Preis von San Marino in Imola. Alle dachten, er sei unverletzbar - außer Senna selbst: Er hatte wohl eine Vorahnung.

          5 Min.

          Es gab dieses kleine Zeichen, am 1. Mai 1994 um etwa 14.17 Uhr auf dem „Autodromo Enzo e Dino Ferrari“ von Imola. Der gelbe Helm Sennas bewegte sich. Einen Tick nur, aber so deutlich, daß dieses leichte Nicken im Pressezentrum erleichtert als ein Lebenszeichen gewertet wurde.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Es war der Moment, auf den die Beobachter warten, wenn ein Formel-1-Pilot mal wieder seinen Rennwagen zerlegt hat. Wenn die Staubwolke sich gelegt hat, wenn die abgerissenen Räder ausgerollt und die Trümmerteile vom Himmel geregnet sind. Wie oft war das passiert? Immer wieder: Crash, Staub, Stille - Aussteigen. Weiter geht's.

          „Mann, der wird morgen Kopfschmerzen haben“

          Michael Schumacher folgte dem Führenden Senna als Erster in die siebte Runde des Großen Preises von San Marino. Er jagte ihn, sah, wie der Williams-Renault des Brasilianers aufsetzte, wie er Funken sprühte. Das war nichts besonderes in diesen Tagen. Und Unfälle, selbst die heftigsten, gingen ja glimpflich aus - bei Senna sowieso. Im Moment des Aufpralls lag der Rheinländer schon in Front. Man fuhr damals in der Tamburello-Linkskurve 310 Kilometer pro Stunde, am Limit. Aus den Augenwinkeln sah Schumacher die Fetzen fliegen. Er dachte sich: „Mann, der wird morgen Kopfschmerzen haben.“

          Senna kurz vor dem Start des Rennens in Imola - seiner Todesfahrt

          Zur gleichen Zeit beobachtete Josef Leberer wie üblich das Rennen in der Box von Williams auf dem Monitor. Seit 1988 betreute der Physiotherapeut und Fitneßexperte Senna, bei jedem Rennen, bei allen Testfahrten. Auch Leberer wartete nach dem Knall auf ein gutes Zeichen: „Steig doch aus, habe ich gesagt, steig doch aus! Als ich dann sah, wie der Kopf zur Seite kippte, wußte ich, es ist vorbei.“

          Ecclestones trauriger Versprecher?

          24 Stunden nach Roland Ratzenberger ist auch Ayrton Senna tot, gestorben vor den Augen eines Millionen-Publikums. Aber es dauert, bis die Öffentlichkeit davon erfährt. Um 18.40 Uhr gibt eine Sprecherin des Maggiore-Hospitals von Bologna Sennas Tod bekannt. Die Rekonstruktion ergibt, daß ein Teil der rechten Vorderradaufhängung das Visier des Helms durchstoßen hat und in den Kopf des 34jährigen Piloten gedrungen ist. Die Verletzung ist so schwer, daß Formel-1-Notarzt Sid Watkins schon am Unfallort nichts mehr für seinen Freund tun kann: „Wir hoben ihn aus dem Wagen, und als wir ihn auf den Asphalt legten, seufzte er. Ich bin absolut ungläubig, doch in diesem Moment hatte ich das Gefühl, als hätte ihn seine Seele verlassen.“

          Während Senna ins Krankenhaus geflogen wird, teilt Bernie Ecclestone dem Bruder des Verunglückten die schreckliche Nachricht mit: „He is dead.“ Doch Ecclestone korrigiert sich kurz darauf. Im Funkverkehr habe er „he is dead“ anstatt „it is the head“ verstanden. Senna lebt? Die Familie des Opfers glaubt dem Chefmanager nicht. Und sie findet einen plausiblen Grund. Wenn in Italien Teilnehmer einer Motorsportveranstaltung auf der Strecke sterben, wird das Rennen abgebrochen und eine Untersuchung eingeleitet. Sowohl Ratzenberger - dem das Genick brach - als auch Senna sterben offiziell im Krankenhaus. Die Formel 1 läuft weiter. Am Sonntag gibt es einen Neustart. Schumacher gewinnt.

          Ermittlungen gegen den Williams-Rennstall

          Millionen haben die letzten Momente im Leben Sennas am Bildschirm verfolgt. Unzählige Male zeigt das Fernsehen, wie Sennas Rennwagen in der Linkskurve geradeaus fährt und dann mit 217 Kilometern pro Stunde in die Mauer schlägt. Aber obwohl alle Welt zuschaut - „Es war, als hätte man Jesus live gekreuzigt“, sagte Ecclestone -, läßt sich die Ursache nicht erkennen. Der Untersuchungsrichter von Bologna behauptet später mit Verweis auf zwei Gutachten, daß die Lenksäule an Sennas Boliden im Moment des Unfalls zu „60 bis 70 Prozent“ gebrochen gewesen sei. Er erklärt, bei der von Senna gewünschten Modifikation der Lenksäule sei „bei der Bewertung der notwendigen Dimensionen nicht auf die erhöhten Dehnungsbelastungen Rücksicht genommen“ worden.

          Der beklagte Williams-Rennstall entgegnet, die Lenksäule sei erst beim Aufprall gebrochen. Aufklärung versprach sich der Richter von den Bildern der Cockpitkamera. Versuchte Senna zu lenken, reagierten die Vorderräder nicht mehr? Das Video des Formel-1-Fernsehens ist wertlos. Vor dem entscheidenen Augenblick bricht die Aufnahme ab. Angeblich hat die Regie soeben auf eine andere Cockpitkamera umgeschaltet.

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