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Automobile : Der Börsengang von Ferrari ist ein Stück näher gerückt

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Wertvolles Image Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Kauf eines Ferrari-Anteils durch das Emirat Abu Dhabi bestätige in den Augen der italienischen Autobauer, was sie schon immer wußten: Die Firma ist viel wert. Der weiteren Entwicklung wären Formel-1-Siege zuträglich. Danach sieht es zur Zeit aber nicht aus.

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          Kaum haben sich bei Ferrari Manager und Rennstall dem Umstand gefügt, daß die roten Renner nicht immer gewinnen können, da wünscht man sich schon wieder nichts sehnlicher herbei als neue Rennerfolge. Die werden zwar nicht für die fast schon stürmische Entwicklung des Absatzes der teuren Sportwagen benötigt. Doch denkt man bei Ferrari gerade wieder etwas mehr an den bisher immer hinausgeschobenen Börsengang. Und vor den Investoren wären etwas mehr „bella figura“ mit wenigstens ein paar Rennsiegen gefragt, wenn schon nicht einem neuen Weltmeistertitel.

          Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo hatte jahrelang davon gesprochen, daß die Siegesserie der roten Rennwagen aus Maranello nicht endlos weitergehen könne. Er suchte immer höherfliegende Erwartungen zu dämpfen und wußte außerdem, daß die Formel eins langweilig wurde, seit Ferrari alles gewann.

          2,4 Milliarden Euro Börsenwert?

          Nachdem Ferrari sechs Weltmeistertitel als Rennwagenkonstrukteur und fünf Saisonsiege mit Michael Schumacher aneinandergereiht hatte, sieht man sich bei Ferrari in diesem Jahr als Opfer eines neuen Reglements, das für das Zeitfahren um die Startaufstellung und das eigentliche Rennen nur noch einen einzigen Satz Reifen zuläßt, statt der früher üblichen Wechsel zwischen mehreren Reifensätzen, die optimal auf die Situation abgestimmt waren. Nach dem Ausscheiden von Michael Schumacher in Istanbul richten sich um so größere Hoffnungen auf das Rennen vor heimischem Publikum beim italienischen Grand Prix am 4. September in Monza (Siehe auch: ).

          Eigentlich hätte Ferrari gerne schon in Istanbul die neuen arabischen Aktionäre aus Abu Dhabi beeindruckt, die Ende Juli für 114 Millionen Euro 5 Prozent der Ferrari SpA erworben hatten. Der Preis des Aktienpakets war dabei für die Ferrari-Manager eine besondere Genugtuung. Denn damit gab es erstmals wieder jemanden, der den Sportwagenhersteller mit 2,4 Milliarden Euro bewertet hatte.

          Dieser Preis wurde bisher von vielen Analysten als unerreichbar angesehen, stellte aber dennoch das Mindestgebot für einen Börsengang von Ferrari dar. Denn 2002, als die Vorbereitungen für die Börsenplazierung von Ferrari kurz vor dem Abschluß standen, hatte das Mailänder Spezialinstitut Mediobanca Ferrari eben mit 2,4 Milliarden Euro bewertet und das eigentlich für die Börsenplazierung vorgesehene Aktienpaket von 34 Prozent für 775 Millionen Euro gekauft. Bei der Bewertung spielte vor allem Politik eine Rolle. Mediobanca wollte damals die zerrütteten Beziehungen zu Fiat verbessern und bot der Konzernholding für ihre Ferrari-Aktien mehr, als sie an der Börse dafür zu erlösen hoffte. Die Bewertung und die Intrige um die Ferrari-Aktien führten danach bei Mediobanca zu harter Kritik in der Hauptversammlung und bald darauf zum Sturz der Bankenspitze.

          Höhrere Werte dank dem Mythos

          Während vor drei Jahren gesagt worden war, die Bewertung von Ferrari sei ganz und gar irreal gewesen, heißt es nun am Sitz von Ferrari in Maranello, man habe nun die Bestätigung dafür, daß Ferrari nicht nur nach der Mathematik der Analysten wie irgendeine Schraubenfabrik bewertet werden könne, sondern wegen seiner Fangemeinde und seinem Mythos höhere Werte erzielen könne. Nachdem nun für Ferrari dieser Beweis erbracht ist, bedeutet dies zwar nicht einen Börsengang in den kommenden Monaten, doch sieht diese Option nun nicht mehr ganz so irreal aus.

          Bevor Ferrari ernsthaft an die Börse denken kann, sind allerdings erst einmal größere Erträge notwendig. 2004 lag zwar der Umsatz mit 1,51 Milliarden Euro beim Zwölffachen des Geschäftsvolumens im Krisenjahr 1993, doch mußte nach Jahren mit kleinen Gewinnen zum ersten Mal seit langer Zeit wieder ein kleiner Verlust von 27 Millionen Euro hingenommen werden. Die Abwertung des Dollar hatte die Erträge auf dem wichtigsten Absatzmarkt der Sportwagen sinken lassen, die (mit Ausnahme von Puma) in Dollar fakturierten Sponsorengelder der Formel eins waren in der Euro-Bilanz weniger wert. Schließlich galt es, bei der Tochtergesellschaft Maserati die Markteinführung der Limousine „Quattroporte“ zu finanzieren.

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