https://www.faz.net/-gtl-quxy

Ausblick : Frisches Blut für die Formel 1

  • -Aktualisiert am

Und tschüs! Der Rennstall Jordan wird aus der Formel 1 verschwinden Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Kurios: In einer Zeit von Wirtschaftsflauten und sportpolitischen Querelen schießen plötzlich neue Formel-1-Teams wie die Pilze aus dem Boden. Für die Saison 2006 hat noch keines von ihnen genug Substanz.

          3 Min.

          Seit Jahren hört man nur von Pleiten. Die Liste der Formel-1-Teams, die in den vergangenen zehn Jahren von der Bildfläche verschwunden sind, ist lang: Lotus, Ligier, Tyrrell, Stewart, Prost, Benetton, Arrows, Jaguar. Kamen neue wie BAR, Toyota oder Red Bull hinzu, haben sie entweder scheidende Teams ersetzt oder geschluckt. Auch am Ende dieser Saison gibt es wieder eine große Zäsur. Die Namen von BAR, Sauber, Minardi und Jordan werden verschwinden und durch Honda, BMW, Squadra Toro Rosso (Team Red Bull) und Midland F1 ersetzt. Auf die Größe des Starterfeldes hat das keinen Einfluß.

          Seit dem Grand Prix von Ungarn im Jahre 2002 fährt die Formel 1 mit der Minimalbesetzung von 20 Autos. Um so kurioser ist es in einer Zeit von Wirtschaftsflauten und sportpolitischen Querelen, daß plötzlich neue Teams wie die Pilze aus dem Boden schießen. Noch hat keiner dieser Rennställe Substanz, und Zweifler im Formel-1-Zirkus meinen sogar, daß die meisten Ankündigungen nur Hirngespinste sind. Oder als Druckmittel im Muskelspiel zwischen Bernie Ecclestone und FIA-Präsident Max Mosley auf der einen und den Automobilherstellern auf der anderen Seite eingesetzt werden.

          Das Fahrerlager rätselt

          Die größten Rätsel gibt das zweite Team auf, das Honda im nächsten Jahr beliefern will. Ob es schon 2006 am Start steht, wird selbst intern noch angezweifelt. Honda-Rennleiter Yusuhiro Wada sprach von einer 60-Prozent-Chance. Man müsse zuerst eine Mannschaft aufbauen und eine Fabrik einrichten. Wegen der Kürze der Zeit ist klar, daß der zweite Rennstall im nächsten Jahr nur mit gebrauchten BAR-Chassis von 2005 antreten kann. Einen ähnlichen Plan verfolgt Red Bull mit Minardi. Der Junior-Rennstall setzt 2006 die Red-Bull-RBI-Boliden von diesem Jahr ein.

          Aus Red Bull wird Squadra Toro Rosso

          Seit dem Grand Prix von Japan rätselt das Fahrerlager, wer hinter Hondas Kundenteam stecken könnte. Der frühere japanische Formel-1-Pilot Aguri Suzuki soll damit zu tun haben, auch Daniele Audetto, der 1976 einmal Ferrari-Rennleiter war. Den Hauptsponsor hat angeblich Bernie Ecclestone beschafft. Der große Zampano antwortet auf Fragen nach der Identität der Drahtzieher in seiner gewohnt kryptischen Art: "Es sind nette Leute. Und sie rudern in meinem Boot." Soll heißen: Wenn es jemals zu zwei Konkurrenzserien kommen sollte, dann schreibt sich das zweite Honda-Team bei Ecclestone und Mosley ein.

          Mehrere zahlungswillige Weltfirmen

          Bernie Ecclestone soll mehrere zahlungswillige Weltfirmen an der Angel haben, die er entsprechend plazieren wird. Die Rede ist von Coca-Cola, der arabischen Fluglinie Emirates, dem Mobilfunkanbieter Hutchison, dem chinesischen Mineralölkonzern Sinopec. Auch Vodafone läßt sich vom Formel-1-Chef beraten. Das Unternehmen will sich nach Ablauf seines Ferrari-Vertrages Ende 2006 anders orientieren. Mit der ausklingenden Tabak-Ära interessieren sich viele Finnen für die Formel 1, die vorher nicht im Zigarettendunst werben wollten.

          Zudem plant Jean Alesi 2007 ein Formel-1-Comeback. Nicht als Fahrer, sondern als Teamchef. Der Mercedes-DTM-Pilot hat Geld von der japanischen Investmentgesellschaft Direxiv im Rücken. Das Budget ist auf fünf Jahre veranschlagt. Alesi verhandelt mit McLaren-Mercedes als Technikpartner, wird sein Team aber unabhängig führen. Basis soll die alte McLaren-Fabrik in Woking sein.

          In neuer Funktion in den Zirkus

          Noch ein ehemaliger Formel-1-Pilot könnte bald in neuer Funktion in den Zirkus zurückkehren. Eddie Irvine hat in Miami den russischen Wodka-Zar Roustam Tariko kennenlernt und den Milliardär für die Formel 1 begeistert. Der Versuch, Jordan zu erwerben, scheiterte an der utopischen Kaufsumme von 60 Millionen Dollar. Die Gespräche mit Minardi verliefen im Sande, weil Red Bull schneller war, mehr zahlte und bei der Prüfung der Bücher weniger unangenehme Fragen stellte. Doch Irvine läßt sich nicht entmutigen: "Dann bauen wir eben für 2008 ein eigenes Team auf. Das neue Reglement der FIA wird die Kosten so senken, daß du auch als kleines Team anständig mitfahren kannst."

          Der fünfte Kandidat, den es in die Formel 1 drängt, ist das GP2-Team A.R.T. Es wird geleitet von Frederic Vasseur und Nicolas Todt, dem Sohn des Ferrari-Rennleiters. Der Rennstall gewann mit Nico Rosberg auf Anhieb die neue GP2-Serie. Vasseurs Truppe trumpfte auch in der deutschen Formel-3-Meisterschaft groß auf. Lewis Hamilton gewann überlegen den Titel. Todt junior träumt von der Formel l, weiß aber, daß der Weg noch weit ist: "Wir sind zur Zeit 20 Leute und operieren in der GP2 mit einem Etat von 2,5 Millionen Euro. Das auf das Zehnfache aufzustocken geht nicht über Nacht."

          Druckmittel

          Die Einschreibung für die Saison 2008, die erste unter einem neuen Concorde-Abkommen, beginnt bereits am 1. März 2006. Zwölf Plätze sind zu vergeben. Max Mosley nutzt den frühen Nennbeginn als Druckmittel gegen die Werke, die weiter von einer eigenen Meisterschaft träumen: "Wir reservieren keine Plätze für die arrivierten Teams. Wer zu spät kommt, kann mitfahren, aber er profitiert nicht von der Auszahlung aus Bernies Kasse." Dem Internationalen Automobil-Verband ist daher jedes neue Team willkommen. Oder die bloße Spekulation darüber. Auch Jean Todt begrüßt die Flut von neuen Interessenten: "Die Hauptdarsteller in der Formel 1 sind zu alt. Der Sport braucht frisches Blut mit neuen Ideen. Ich finde es gut, wenn Leute wie Irvine oder Alesi kommen würden."

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.