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Renault : Alonso lässt Haare und Gras wachsen

„Es ist als wäre ich nie weg gewesen”, sagt Alonso Bild: AFP

Zurück bei Renault in Paris, tut Formel-1-Weltmeister Fernando Alonso gerade so, als hätte es das desaströse Intermezzo bei McLaren-Mercedes nie gegeben. Zumindest die Hackordnung ist bei den Franzosen klar definiert, doch das Auto bereitet Sorge.

          Fernando Alonso wird hereingerufen. „Willkommen zu Hause“, sagt der Zeremonienmeister zur Begrüßung des zweimaligen Formel-1-Weltmeisters im Hauptquartier von Renault. Zum neuen Rennwagen R28 wird der altbekannte Pilot präsentiert. Da steht er wie einst, trägt wieder einen blau-orange-weißen Rennoverall und lacht von der Bühne des Renault-Kommunikationszentrums im Pariser Stadtteil Boulonge-Billancourt ins Publikum.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          „Alles ist wie früher, es sind dieselben Leute, ich kenne das ganze Team“, sagt Alonso und: „Ich freue mich, ich bin glücklich.“ Das hatte der Spanier vor Jahresfrist als nomineller Chefpilot von McLaren-Mercedes auch gesagt, bevor die Herausforderung in ein zwischenmenschliches Desaster und zur vorzeitigen Trennung führte. Damals trug der so erwartungsfrohe Asturier eine Stoppelfrisur, was als Zeichen für seine Bereitschaft interpretiert wurde, dem Ordnungssinn des pedantischen McLaren-Chefs Ron Dennis zu entsprechen. Im lebenslustigen Paris trat der 26-jährige Rennfahrer wieder mit langen, leicht gelockten Haaren auf, als hätte er Gras über die Affäre wachsen lassen.

          Es fehlt die Frühform eines Siegerautos

          In jedem Fall entwickelte Alonso eine Strategie, alle schlechten Erfahrungen zu verdrängen. „Es ist“, sagte er in Paris überzeugend, „als wäre ich nie weg gewesen.“ Zurück in die Zukunft? Von dieser Bewegungsrichtung ist Renaults Teamchef Flavio Briatore überzeugt. Zweimal, 2005 und 2006, führte der Italiener die Kombination Renault/Alonso zum WM-Titel an Michael Schumacher vorbei, ehe das Team ohne den Champion in der Hackordnung auf Rang vier zurückfiel, 2007 kein einziges Rennen gewinnen konnte. „Wir sind dasselbe Team. Und Fernando hat sich enorm gesteigert, von der Professionalität her, als Fahrer. Ein Jahr mehr Erfahrung macht einiges aus. Er ist sehr motiviert, mehr als 2006“, behauptet Briatore. „Das hat großen Einfluss auf das Team. Wir kommen zurück.“

          Briatore stellte klar: Nelson Piquet Jr. (l.) wird sich Alonso unterordnen müssen

          Sie müssen. Denn Renault, laut Schätzung mit 330 Millionen Dollar Budget eher ein Mittelständler, hat zugelegt. Der Etat soll um 30 Prozent höher sein, Alonsos Gehalt bei angeblich 29 Millionen Dollar liegen. Entsprechend nüchtern formulierte Renaults smarter Vorstandsvorsitzender Carlos Ghosn im Formel-1-Tempo seine Leistungsprognose: „Flavio sagt, dass 2007 mit Platz drei in der Konstrukteurswertung (McLaren wurde disqualifiziert) ein Desaster war. Es gibt also nur zwei Alternativen. An welche ich denke, sage ich nicht. Sie können es sich denken.“ Ghosn ist ungern Zweiter. Vermutlich aber reicht es trotz des Anspruchs und mancher Anstrengungen nicht zum Sprung zurück in alte, bessere Zeiten. Der neue R28 mit auffällig langer „Nase“ und kurzen Seitenkästen sieht zwar schnittig aus. Noch aber fehlt ihm die Frühform eines Siegerautos.

          Enttäuschende Testfahrten

          „Es wird im Moment viel von Ferrari und McLaren (als WM-Favoriten) gesprochen“, sagte Alonso, „das ist gut, denn so können wir entspannt an der Entwicklung arbeiten. Es steckt kein grober Fehler im Auto. Ich hoffe, dass wir gegen Ferrari und McLaren kämpfen können.“ Danach sah es bei den ersten Testfahrten in der vergangenen Woche in Valencia nicht aus. Eher nach einem Mehrkampf mit Williams und BMW-Sauber um die dritte Position im Feld.

          Die Gewichtsverteilung, 2007 schon ein Problem des französisch-britischen Renners, scheint wieder nicht ideal. Renault-Strategen feilen an einer Verschiebung auf die Vorderachse, um die Hinterräder zu entlasten. Wegen des Verbotes der Traktionskontrolle wird dem Umgang mit den Walzen auf der Hinterachse eine besondere Bedeutung zugemessen.

          „Man muss die Rollen klar verteilen“

          Feingefühl soll neben der Maschine auch den Menschen zu Höchstleistungen bewegen. Nicht das Geld, behauptete Briatore, habe Alonso zur Rückkehr bewegt, sondern die Atmosphäre: „Was hier zählt, ist der menschliche Aspekt.“ Vielleicht. Dann aber hat sich Alonso innerhalb eines Jahres zweimal getäuscht: mit der Erwartung, bei McLaren in einem Traum-Team zu landen, und vorher mit der Erfahrung, bei Renault an Grenzen gestoßen zu sein. So vorsichtig hatte der Weltmeister Ende 2006 seinen Wechsel erklärt. Nachdem er in der Schlussphase des Zweikampfes mit Michael Schumacher die nötige Unterstützung durch die Teamführung vermisst und öffentlich eingeklagt hatte. Nun soll die Hackordnung klar definiert sein. „Die Zeiten, in denen man zwei Fahrer gleichzeitig haben konnte, sind endgültig vorbei. Man muss die Rollen klar verteilen, sonst destabilisiert man das Team“, erklärte Briatore im vergangenen Herbst.

          Diese Botschaft verstand Nelsinho Piquet, Alonsos neuer Teamkollege, auf Anhieb. „Ich will viel von ihm lernen. Er ist so erfahren“, sagte der Sohn des dreimaligen Weltmeisters Nelson Piquet in Paris. Briatore nickte zufrieden. Der zweite Mann passt scheinbar ins Konzept: „Zusammen auftreten“, „zusammen Rennen fahren“, „zusammen erfolgreich sein“. Mit diesen Gemeinschaftsfloskeln berieselte Renault die Beobachter am Donnerstag. Da drängte sich die Frage auf, ob so eine Leistungsgruppe auch zusammen verlieren kann. Alonso hat – wie zu hören ist – schon mal vorgesorgt: Genügt das Auto nicht den im Vertrag entsprechend formulierten Ansprüchen, dann darf er Ende 2008 wieder wechseln.

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