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Airbus in der Formel 1 : Der Albtraum des Tony Fernandes

Gute Laune, kein Erfolg: Tony Fernandes 2012 in Südkorea (links, mit Toro-Rosso-Teamchef Tost) Bild: Picture-Alliance

Airbus hat das erfolgloseste Team der Formel-1-Historie mit 50 Millionen Dollar gesponsert. Korruption, findet die britische Krone. Ein guter Deal, findet der Teamchef von einst.

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          Tony Fernandes, malaysischer Unternehmer und einst Besitzer des Rennstalls Caterham, der zwischen 2012 und 2014 in der Formel 1 antrat, bestreitet einen kriminellen Hintergrund des Sponsorings seines Teams durch den Flugzeughersteller Airbus. Die Ermittler des Serious Fraud Office (SFO) in London behaupten in den am 31. Januar veröffentlichten Dokumenten, hinter dem Sponsoring des erfolglosesten Teams der Formel-1-Historie verberge sich ein Schmiergeld, damit Fernandes, Inhaber der Fluggesellschaft Air Asia, weiterhin europäische Flugzeuge bestellt. Von Airbus sollen 50 Millionen Dollar zwischen Oktober 2013 und Januar 2015 geflossen sein. Die asiatische Fluglinie fliegt ausschließlich Airbus und hat derzeit 274 Flugzeuge im Dienst.

          Der Nachrichtenagentur Reuters sagte Fernandes, man habe mit dem Formel-1-Team keinerlei Profit gemacht, es habe sich „von Anfang bis Ende“ um eine Werbemaßnahme unter anderem für Air Asia, General Electric und Airbus gehandelt, deren Zweck es nicht gewesen sei, Geld zu verdienen. Man habe den Rennstall schließlich für „ein Pfund Sterling“ verkauft.

          Zwischen 2013 und 2014 war der Airbus-Schriftzug prominent auf den erfolglosen Caterham-Rennwagen zu sehen, unter anderem auf der Motorabdeckung und dem Heckflügel. 2011 hatte Fernandes in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung gesagt, sein Team, das damals noch Lotus hieß und noch nicht von Airbus gesponsert wurde, operiere mit einem Budget von rund 62 Millionen Euro. Die Einstiegsinvestition habe bei 115 Millionen Euro gelegen. „Mir kommt es hier auch auf das Geschäft an, keine Frage“, hatte Fernandes damals gesagt. „Aber es gibt günstigere Formen der Werbung.“ Er habe mit Air Asia aus dem Luftfahrtgeschäft eine einfache Angelegenheit gemacht, so stelle er sich das auch mit der Formel 1 vor. Die Serie sei „super für die Markenbildung“. Im Verlauf der Saison 2012 tauchte erstmals der Schriftzug der damaligen Airbusmutter EADS auf den Rennwagen auf.

          Unsanft gebremst: Giedo van der Garde setzt den Airbus-gesponserten Caterham 2013 in Suzuka in den Reifenstapel.

          Fernandes‘ Rennstall gewann zwischen 2010 und 2014 in 94 Rennen keinen WM-Punkt, ein einsamer Spitzenwert in der Formel-1-Statistik. Selbst die 56 Rennen, in denen das Team unter den Namen Caterham ab 2012 unterwegs war, reicht für den geteilten ersten Platz in dieser Minimalwertung. Das beste Rennergebnis erreichten der Russe Witali Petrow 2012 in Sao Paulo, als er beim Großen Preis von Brasilien Elfter wurde, und der Schwede Marcus Ericsson, der 2015 in Monte Carlo ebenfalls auf Platz elf fuhr.

          Über den Grand Prix von Monaco hatte Fernandes 2011 gesagt, es sei „ein gesellschaftlicher Anlass. Es gibt nichts Besseres. Außer ein paar Pferderennen gibt es nichts Vergleichbares, schon gar nicht mit weltweitem Anspruch.“ Das Engagement habe „schon seinen Zweck“, hatte Fernandes, dessen persönlichen Reichtum das Magazin „Forbes“ Ende 2019 auf 530 Millionen Dollar schätzte, gesagt. „Sonst würde es schnell ein Albtraum.“

          Noch vor Saisonstart 2014, dem letzten Jahr, in dem Caterham in der Formel 1 startete und schließlich in die Insolvenz stürzte – Fernandes verkaufte das Team im Juli 2014 an ein Konsortium und schied trotz einiger Streitigkeiten mit den Käufern im weiteren Verlauf des Jahres aus dem Engagement aus –, hatte der damalige Rennleiter Cyril Abiteboul, heute Chef des Renault-Werksteams, die technische Zusammenarbeit mit Airbus herausgestrichen: „Wir profitieren von der Partnerschaft mit einer Firma, die in Luftfahrtdesign, -test, -produktion und -gebrauch weltweit führend ist. Unsere technische Integration mit Airbus wird im Laufe der Saison wachsen und dies ist die Art wahrer Partnerschaft, die es uns möglich macht, unsere Ziele 2014 und darüber hinaus zu erreichen.“

          Gemäß der Einigung zwischen den Ermittlern der SFO in London und der englischen Gerichtsbarkeit, der „Queen’s Bench Division“ beim Krongericht im Londoner Bezirk Southwark seien dem Rennstall über die 50 Millionen Dollar hinaus von Airbus-Mitarbeitern weitere 55 Millionen Dollar angeboten worden, die aber nicht gezahlt wurden. Airbus hat wegen des Korruptionskomplexes Strafzahlungen von insgesamt 3,6 Milliarden Euro zugestimmt, die an die Regierungen in Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten gehen.

          Am Montag legte Fernandes seine Aufgabe als Vorstandsvorsitzender von Air Asia für die Dauer von zwei Monaten nieder, einem Bericht der „Financial Times“ zufolge hat sich die malaysische Anti-Korruptionsbehörde mit den britischen Ermittlern in Verbindung gesetzt. Im Sport engagiert Fernandes sich nach wie vor. Er ist Mehrheitseigner des Londoner Fußball-Klubs Queen’s Park Rangers, gemeinsam mit seinem Air-Asia-Partner Mamarudin Meranun. Die Anteile am Klub, der derzeit in der zweiten englischen Liga spielt, hatten Fernandes und Meranun von Bernie Ecclestone übernommen, dem langjährigen Chefvermarkter der Formel 1. Neben Fernandes halten der Malaysier Ruben Gnalalingam der indische Stahlunternehmer Lakshmi Mittal. Air Asia, jahrelang Trikotsponsor des Klubs, tritt mittlerweile nicht mehr als Sponsor auf.  

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