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Adam Malysz : Der Flieger wird zum Raser

Zäh: Der frühere Skispringer Adam Malysz mit Beifahrer Rafal Marton Bild: dpa

Er landet nicht mehr im Schnee, sondern im Sand, und er will auch nicht mehr aufs Ganze gehen. „Ankommen“ ist das Ziel des früheren Skispringers Adam Malysz bei der Rallye Dakar.

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          Er ist mit Sicherheit einer der leichtesten Fahrer bei der Rallye Dakar - aber auch ganz sicher nicht einer der schnellsten. Adam Malysz wiegt 54 Kilogramm. Ein filigraner Mitstreiter in dieser schweren, gefährlichen Motorsportdisziplin also. Als Skispringer hat der Pole sogar noch vier Kilo weniger gewogen. So ist der Mann aus der polnischen Stadt Wisla zu 39 Weltcupsiegen, vier WM-Titeln und einem Triumph bei der Vierschanzentournee geflogen. Als Dakar-Sieger kommt Malysz wohl vorläufig nicht in Frage.

          Als der Pole Anfang der Woche seinen Mitsubishi Pajero des RMF Carolina Team ins Biwak der chilenischen Stadt Antofagasta steuerte, lag er auf dem 37. Gesamtrang. Das hört sich ziemlich mäßig an, ist aber für einen Neuling in dieser Sportart eine beachtliche Leistung. Malysz will vor allem eines: „Ankommen.“ Die Chancen, an diesem Sonntag den Geländewagen nach mehr als 8000 aufregenden, staubigen und gefährlichen Kilometern durch Argentinien, Chile und Peru in Lima in den Parc fermé steuern zu können, stehen für Malysz gar nicht so schlecht.

          Vielleicht kommen die Wüste und der Kampf mit den Elementen dem einstigen Skisprungstar entgegen. Malysz galt immer als etwas öffentlichkeitsscheu. Jüngst zog er sogar aus seinem Haus in Wisla aus, weil ihm die vielen Touristen auf die Nerven gingen, die sein Domizil sehen wollen. In der Wüste ist Malysz auf sich und seinen Beifahrer Rafal Marton gestellt. Der ist sechs Jahre älter als sein 34-jähriger Chauffeur und bringt die Erfahrung von 40 Rallyeeinsätzen mit. Dass Malysz ohne seinen Navigator aufgeschmissen wäre, weiß er. Der zierliche, 1,70 Meter große Wintersportler auf staubigen Abwegen wirkt durchaus beeindruckt von dem, was ihm das Rennen abfordert. „Die Hitze ist sehr ungewohnt für mich“, sagt er und erzählt von seinen Erfahrungen bei minus 20 Grad auf dem Bakken einer Schanze. „Jetzt sind es 60 Grad Hitze im Cockpit des Autos. Das ist schon anstrengend.“

          Und ganz reibungslos läuft die Dakar für den Polen auch nicht. Auf der siebten Etappe legte Malysz seinen Wagen in einer Sandkuhle bei einem Ausweichmanöver aufs Dach. „Es war ein wenig eingedellt“, erzählt er. Passanten halfen dabei, den Wagen wieder auf die Räder zu stellen - und weiter ging’s. „Alles kein Problem“, erklärt er und lächelt unter seiner großen Schirmmütze hervor. Das Dach ist wieder ausgebeult, und der Wagen sieht tadellos aus. Als gelernter Dachdecker hätte Malysz auch sicher Schwierigkeiten, wenn es anders wäre. Zudem ist der Pole ein Autofan. Vor seinem Neustart als Rallyefahrer hat er selbst einen Geländewagen aufgebaut. „Motorsport und schnelle Autos haben mich schon immer fasziniert“, sagt er. Von seiner alten, kompromisslosen Herangehensweise an sportliche Herausforderungen hat sich Malysz bei der Dakar aber sicher ganz schnell verabschiedet.

          Minimalziele gebe es für ihn nicht, hat er als Skispringer einmal gesagt und hinzugefügt: „Man soll aufs Ganze gehen.“ Dass dies in der Wüste von Chile und auf den steinigen Trails in Peru ein falsche Taktik wäre, weiß er längst. „Ein Traum“, sei die Dakar für ihn, sagt Malysz, denkt kurz nach und fügt hinzu: „Ein sehr anstrengender Traum.“

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