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40 Jahre nach Jochen Rindts Unfall : Tod eines glücklichen Mannes

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Auch als Angestellter mischte sich der bisherige Motorsport-Unternehmer in alles ein. Ein Dauerzwist mit seinem Cooper-Teamchef Roy Salvadori entstand, der ihm manchmal zum Nachteil gereichte, aber ihm den Respekt der Branche einbrachte. 1965, mit 23, veranstaltete Rindt zum ersten Mal seine gleichnamige Rennwagen-Show in Wien, die ein riesiger finanzieller Erfolg wurde. „Ich will nicht abhängig sein vom Motorsport. Ausgebrannte Rennfahrer, die weitermachen müssen, obwohl sie nicht mehr wollen, gibt es genug“, erklärte Rindt damals. Parallel zur Formel 1 betrieb der Österreicher seinen eigenen Formel-2-Rennstall. Rindt, Fahrer und Teamchef in Personalunion, wurde zum König der kleineren Formel, in der sich damals noch einige Weltklassefahrer tummelten.

In der Formel 2 holte er sich das Selbstvertrauen, das er in seinen durchwachsenen Formel-1-Jahren von 1965 bis 1968 zu verlieren drohte. Rindt galt zwar nach dem Tod von Jim Clark zusammen mit dem Schotten Jackie Stewart als anerkannt schnellster Mann im Feld, aber auch nach der vierten Saison fuhr er dem ersehnten Grand-Prix-Sieg noch hinterher.

Sein Ehrgeiz trieb ihn 1969 schließlich zu Lotus. Die Rennwagen des genialen Konstrukteurs Colin Chapman waren in aller Regel die schnellsten, aber oft auch die zerbrechlichsten. Rindt sah in dem Vertrag auch einen Pakt mit dem Teufel, er unterschrieb ihn erst nach einem halben Jahr. Die Korrespondenz mit seinem Chef, in der er mehr Tests und stärkere Fahrzeugteile forderte, ist in der Branche legendär. Der heutige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone, damals Rindts Freund und Berater, übernahm die Vermittlung. „Ich musste den beiden dann gegenseitig etwas vom anderen ausrichten“, erzählte Ecclestone in einem Interview.

„Jochen starb als glücklicher Mann“

Auch die Sicherheit an den Rennstrecken war Rindt nach Clarks Tod, den er für ein Fahrgenie hielt, ein Anliegen. Für sich und seine Kollegen erstritt er einige Verbesserungen. Gemessen an den heutigen Standards blieb die Formel 1, wie die anderen Motorsportklassen auch, aber ein Spiel mit dem Tod. In seinen sechs Formel-1-Jahren verlor Rindt zehn Kollegen, darunter Freunde wie Piers Courage und Bruce McLaren. Rindt hatte haarsträubende Unfälle mit dem Lotus-Rennwagen zu überstehen, ehe er mit dem Sieg in Watkins Glen in den Vereinigten Staaten im Oktober 1969 seine Pechsträhne beendete. 1970 wurde dann sein Jahr. Nach einigen Ausfällen zum Saisonstart, gewann Rindt fünf Grand Prix, davon vier in Folge. Damit lag er nach zehn von 13 Grand Prix fast uneinholbar in Führung.

Dann brach im Training zum Großen Preis von Italien eine Bremswelle, der Lotus, Modell 72, wurde unkontrollierbar, beim Aufprall in die Leitplanken erlitt Rindt tödliche Verletzungen. Eine Zeitung verglich die Bestürzung im Land mit dem Satz: „Als wäre über Österreich die Sonne ausgeknipst worden.“ Bei der Beerdigung in Graz erwiesen ihm die Kollegen die letzte Ehre. Jackie Stewart, Jack Brabham, Graham Hill und viele andere standen mit tausenden Trauernder am Grab. Jacky Ickx, der Einzige, der Rindt noch den Titel nehmen konnte, versuchte die Witwe zu trösten: „Jochen starb als glücklicher Mann.“ Der Belgier war es erst wieder, als er seine letzte WM-Chance verspielt hatte. „Ich wollte Jochen den Titel nicht rauben.“

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