https://www.faz.net/-gtl-ze8l

24 Stunden von Le Mans : Der letzte Audi gewinnt

  • Aktualisiert am

Am Ziel: Rennfahrer Lotterer mit seinem Audi R18 TDI Bild: dapd

Nachdem die Markenkollegen Allan McNish und Mike Rockenfeller nach zwei schweren Unfällen ausgeschieden waren, aber unverletzt blieben, hat Dirk Lotterer auf dem letzten verbliebenen Audi die 24 Stunden von Le Mans gewonnen.

          2 Min.

          Mit dem letzten im Rennen verbliebenen Audi hat Dirk Lotterer dem Ingolstädter Autobauer den zehnten Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans seit 2000 beschert. Nachdem die Markenkollegen Allan McNish und Vorjahressieger Mike Rockenfeller nach zwei heftigen Unfällen ausgeschieden waren, dabei aber unverletzt blieben, verteidigte Lotterer im R18 TDI erfolgreich seine Führung gegen die Rivalen von Peugeot.

          Nach insgesamt 354 Runden auf dem 13,629 Kilometer langen Kurs hatte der 29 Jahre alte Lotterer, dessen Mitstreiter Benoît Tréluyer die Pole geholt hatte, über 15 Sekunden Vorsprung auf Simon Pagenaud. In der Audi-Box fielen sich die Mechaniker in die Arme, Motorsportchef Wolfgang Ullrich war die Erleichterung anzusehen. Endlich hatten sie Grund zu ausgelassener Freude, nachdem die entsetzlichen Bilder der Unfälle von McNish eine Stunde nach dem Start und Rockenfeller eine Stunde vor Mitternacht für Fassungslosigkeit und Entsetzen gesorgt hatten. „Man ist erst mal geschockt, wenn man die Unfälle sieht, und ist dann erleichtert, wenn nichts passiert ist“, betonte der Schweizer Pilot Marcel Fässler vom Sieger-Team 2011.

          „Da wusste ich noch nicht, wie das Auto aussah“

          Nachdem bei McNish bereits früh Entwarnung gegeben werden konnte, durfte Rockenfeller das Krankenhaus in Le Mans am Sonntagmorgen wieder verlassen. Beide zogen sich keine schwereren Verletzungen zu, was angesichts der Bilder wie ein Wunder wirkte. „Noch vor einigen Jahren hätte ich jetzt nicht hier sitzen und mit ihnen sprechen können“, sagte McNish am Sonntag bei einer Pressekonferenz und dankte den Audi-Ingenieuren. Der zweimalige Le-Mans-Sieger war nach einer Kollision in die Reifenstapel eingeschlagen, Teile seines Autos schleuderten unmittelbar vor den Zuschauern durch die Luft. Fotografen und Streckenposten warfen sich schützend auf den Boden.

          Glück im Unglück: Allan McNish steigt unverletzt aus dem Trümmerhaufen, der mal ein Audi war
          Glück im Unglück: Allan McNish steigt unverletzt aus dem Trümmerhaufen, der mal ein Audi war : Bild: dapd

          Nur um Haaresbreite entging Le Mans, wo auf den Tag genau vor 56 Jahren beim bislang schlimmsten Unglück im Motorsport über 80 Zuschauer und ein Fahrer ums Leben gekommen waren, einer Katastrophe. „Da hast du keine Gefühle. Du weißt im ersten Moment nicht mal, dass es ein Unfall ist. Du wartest nur, dass es endlich aufhört“, sagte McNish über seinen Unfall. Als man ihn gefragt habe, ob er okay sei, habe er ein paar Scherze gemacht. „Da wusste ich noch nicht, wie das Auto aussah“, meinte der 41 Jahre alte Schotte zu dem Trümmerhaufen, der von dem Wagen übrig geblieben war.

          „Ich habe das Gefühl, dass meine Uhr stehen geblieben ist“

          Kaum war der erste Schock einigermaßen überstanden, erwischte es in der 117. Runde Rockenfeller. Bei einem Überholmanöver mit über 300 Stundenkilometern in der Indianapolis-Passage berührte er wie schon McNish bei seinem Crash einen vor ihm fahrenden Ferrari der langsameren GT-Klasse. Der Audi des DTM-Piloten krachte in die Leitplanken, wieder schwirrten Teile des Autos wie Geschosse durch die Luft. Übrig blieb ein völlig zerstörtes Auto, von dem nicht mal mehr Konturen zu erkennen waren. Nach bangen Minuten gaben die Veranstalter erste Entwarnung: Rockenfeller schaffte es aus eigener Kraft aus dem zerstörten Audi. Dass man sich in Ingolstadt für ein geschlossenes Cockpit entschieden hatte, nachdem die Prototypen der vergangenen Jahre immer als Cabrio dahergekommen waren, hat die beiden verunglückten Piloten möglicherweise vor Schlimmerem bewahrt.

          Dass der Wagen schnell ist, hatte das neue Sieger-Team schon in der Qualifikation bewiesen, als Tréluyer die erste Pole für Audi seit 2006 eroberte. Auch im Rennen, in dem die Erstplatzierten trotz der langen Renndauer teilweise nur wenige Sekunden auseinander lagen, zeigte sich Lotterer noch nervenstark. „Er fährt ein beeindruckendes Rennen“, lobte ihn Mitstreiter Fässler, dem die letzten Minuten bis zur Entscheidung um 15.00 Uhr wie eine Ewigkeit vorkamen: „Ich habe das Gefühl, dass meine Uhr stehen geblieben ist.“

          Weitere Themen

          Olympiasiegerin Chloe Kim zurück im Wettkampf Video-Seite öffnen

          Snowboard Weltcup : Olympiasiegerin Chloe Kim zurück im Wettkampf

          Der 20-jährigen Amerikanerin Chloe Kim ist es gelungen nach rund zwei Jahren Pause mit einem Sieg im schweizerischen Laax wieder in die Wettkampfwelt zurückzukehren. Sie hatte im Vorfeld eine Pause eingelegt, um ihr Studium an der Princeton University voranzubringen.

          Topmeldungen

          Donald und Melania Trump am vorigen Mittwoch in Washington

          Trumps Impeachment-Prozess : Mehr Zeit für neue Skandale

          Der Impeachment-Prozess gegen Donald Trump soll erst am 9. Februar eröffnet werden. Bis dahin hoffen die Demokraten auf neue Skandale, die der Anklage weitere Munition liefern.
          Verrammelt und verriegelt: Das Lamb & Flag in London (Symbolbild)

          Großbritannien : 10.000 Pubs und Restaurants schließen

          Großbritanniens Gastronomie ist von der Corona-Krise besonders hart getroffen. Während große Ketten sich frisches Kapital beschaffen, gehen die Kleinen unter.
          Mehr Unterstützung aus Washington: Amerikanische Forscher von Regeneron arbeiten am experimentellen Antikörper-Medikament.

          Antikörper-Medikament : Was auch bei Trumps Genesung half

          Ein amerikanisches Antikörper-Präparat erhält eine Notzulassung, 200.000 Dosen kauft die Bundesregierung. Deutsche Wissenschaftler vermissen Unterstützung bei ihrer Forschung – so würden Chancen verpasst, kritisieren sie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.