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24-Stunden-Rennen : Glücksmomente in Le Mans

Letzter Check: Mechaniker wechseln beim Warm Up an Lotterers Audi die Reifen
Letzter Check: Mechaniker wechseln beim Warm Up an Lotterers Audi die Reifen : Bild: REUTERS

Als sich der Sonnenuntergang ankündigt, wird es gefährlich. Die Route Nationale 138 führt in westlicher Richtung von Le Mans nach Tours. An den Renntagen trägt sie einen anderen Namen: „Ligne droite des Hunaudières“, die Hunaudières-Gerade. Die Autos rasen sie mit mehr als 300 Kilometer pro Stunde entlang. „Wenn die Sonne untergeht und direkt ins Visier scheint, kannst du nur beten, dass dich ein langsamerer Fahrer im Rückspiegel sieht“, sagt Marco Werner. Er hat dreimal mit Audi in Le Mans gewonnen – auch, weil er stets gesehen wurde.

„In den Fahrersitzungen wird immer gesagt, dass die langsameren Fahrzeuge ihre Linie halten dürfen. Gleichzeitig bekommen sie von den Streckenposten blaue Flaggen gezeigt“, sagt Werner: „Da stellt sich doch die Frage, ob dem Veranstalter klar ist, was die blaue Flagge bedeutet.“ Die Antwort: Dem schnelleren Auto ist die Ideallinie freizugeben. Um kurz vor acht liegt Toyota auf Platz zwei und drei. Um 19.59 Uhr geht der Franzose Nicolas Lapierre mit der Startnummer sieben in Führung.

Der Anpressdruck geht verloren

Der Engländer Anthony Davidson will eine Minute später den Anschluss nicht verlieren. Er versucht am Ende der Geraden, vor dem Einlenken in die Mulsanne-Kurve einen langsameren Ferrari auszubremsen, er ist schon auf gleicher Höhe. Doch der Ferrari-Fahrer, Piergiuseppe Perazzini, ein sogenannter Gentleman-Pilot im gesetzten Alter von 56 Jahren, zieht trotz geschwenkter blauer Flagge nach innen, rammt Davidson.

Sofort stellt sich der Toyota quer, der Anpressdruck geht verloren, das Auto steigt in die Luft, überschlägt sich dabei erst über die Längs- und dann die Querachse. Nach 80 Metern schlägt Davidsons Bolide mit dem vorderen linken Kotflügel voraus in die Streckenbegrenzung ein – mit mehr als 200 Kilometern pro Stunde. Das Fernsehen zeigt zunächst die erschütterte Toyota-Crew in der Box und einen entgeisterten, aber unverletzten Perazzini.

Heißer Asphalt: Lotterer führt das Feld vom Start weg an
Heißer Asphalt: Lotterer führt das Feld vom Start weg an : Bild: REUTERS

In der Zwischenzeit befreit sich Davidson aus dem Auto und bleibt auf dem Kotflügel liegen. Ein Arzt bringt ihn ins Streckenhospital, später in ein Krankenhaus. Davidson erleidet zwei Brustwirbel-Brüche. „Das war heftig“, zitiert ihn sein Team: „Zu diesem Zeitpunkt des Rennens im Krankenhaus zu liegen, hatte ich nicht vor.“ Er liegt, aber er lebt. Es ist das größte Geschenk dieser Le-Mans-Ausgabe.

In der Nacht fällt der zweite Toyota mit Motorschaden aus. Der Weg für Audi zum elften Sieg in vierzehn Jahren ist frei. McNish, Capello, Kristensen und die Vorjahressieger André Lotterer, Benoît Tréluyer und Marcel Fässler kämpfen um den ersten Rang. Um zwölf Uhr, drei Stunden vor Rennende, scheinen die „elder statesmen“ nicht zu bremsen. McNish führt.

Nick Heidfeld wird Vierter

Um zehn nach zwölf rutscht der Schotte von der Piste und beschädigt die Frontpartie seines Autos. Zehn Minuten später ist der Schaden repariert, doch die Siegchancen sind dahin. Das Team mit Lotterer siegt vor rund 240.000 Zuschauern mit 378 Runden vor Kristensen samt Kollegen sowie einem konventionell angetriebenen Audi, unter anderen mit Mike Rockenfeller am Steuer.

Vierter wird der frühere Formel-1-Pilot Nick Heidfeld (Lola). 400 Meter von McNishs Unfallstelle werden die Lose des Verkäufers zu Glückshasen. Die Schlangen vor den Bierständen sind lang, trotz der letzten Nacht. Nur die Dänen wirken ein bisschen bedrückter.

Schnelle Ringe: Die Audi-Piloten lassen sich nach dem Rennen mit offenen Türen feiern
Schnelle Ringe: Die Audi-Piloten lassen sich nach dem Rennen mit offenen Türen feiern : Bild: REUTERS

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