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Formel 1 : „Wir sind nicht erpreßbar“

  • Aktualisiert am

Ärger zur Vorweihnachtszeit: Ralf Schumacher Bild: dpa/dpaweb

Die Vertragsverlängerung von Formel-1-Pilot Ralf Schumacher bei BMW-Williams läßt weiter auf sich warten. Unterdessen nannte Schumachers Manager Willi Weber Toyota als Alternative.

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          Irritationen statt Vorweihnachts-Frieden: Ralf Schumacher und Williams-BMW feierten das traditionelle Fest zum Jahresabschluß, doch die Harmonie zwischen dem Formel-1-Piloten und seinem Team scheint wegen eines offenbar problematischen Vertragspokers empfindlich gestört. „Grundsätzlich ist es so, daß ich nicht ganz zufrieden bin. Deshalb zieht sich das weiter hinaus“, räumte Schumacher am Wochenende bei einer Veranstaltung des Teams im österreichischen Seefeld Schwierigkeiten bei den Verhandlungen über eine Verlängerung des derzeit bis 2004 datierten Kontrakts ein.

          Während es schon vor Monaten geheißen hatte, man stehe kurz vor einer Einigung, ist eine Lösung noch immer nicht gefunden. Und der Ton zwischen den Parteien scheint schärfer geworden zu sein.

          „Geld ist weniger das Thema“

          Ob Ralf Schumacher 2005 weiter im Williams-BMW fährt, ist momentan offen. „Zurzeit weiß ich selbst noch nicht, in welchem Auto ich dann sitze“, zitierte die „Bild am Sonntag“ den seit 1999 bei Williams engagierten Kerpener. Sein Manager Willi Weber deutete gegenüber Medien sogar die Möglichkeit eines Abschieds an. „So gerne Ralf weiter für Weiß-Blau fahren würde: Wenn die Konditionen nicht stimmen, dann werden wir ganz sicher auch nicht unterschreiben“, so Weber in „BamS“, die Toyota als Alternative nannte.

          Man sei nicht „auf Gedeih und Verderb“ auf Williams angewiesen. „Erpreßbar sind wir nicht“, wurde Weber in der Münchner „Abendzeitung“ zitiert. Laut Schumacher ist der finanzielle Aspekt nicht ausschlaggebend für die Verzögerungen: „Geld ist weniger das Thema.“

          Puma als Ausrüster

          Das Team konnte sich unterdessen über den Vertragsabschluß mit einem neuen Sponsoring-Partner freuen. Das Sportartikelunternehmen Puma teilte am Sonntag mit, dass es den Rennstall in den nächsten Jahren ausrüsten wird. „Wir freuen uns auf die Partnerschaft mit einem der Top-Teams der Formel 1“, sagte Jochen Zeitz, der Vorstandsvorsitzende der Puma AG.

          Dafür ließ das Herzogenauracher Unternehmen die Sponsoring-Partnerschaft mit Wimbledonsiegerin Serena Williams (Vereinigte Staaten) auslaufen. „Wir haben uns entschieden, den Vertrag mit ihr zu Gunsten gezielter Investitionen in den Bereich Motorsport sowie neuer Werbekampagnen im wichtigen Sportjahr 2004 nicht zu verlängern“, erklärte Zeitz der „Welt am Sonntag“.

          Verärgerung bei Schumacher

          Ralf Schumacher äußerte sich verwundert über Presseberichte vom Vertragspoker um seine Person. Teamchef Frank Williams soll dem Deutschen, dessen Jahresgage auf bis zu 15 Millionen Dollar geschätzt wird, angeblich neun Millionen Dollar pro Jahr geboten haben. Zuletzt habe das Schumacher-Management laut Weber nichts mehr von Williams gehört. „Es geht um Interna. Ich weiß nicht, warum die nach außen gelangt sind. Das ist sicher nicht im Sinne des Erfinders“, sagte der 28-Jährige. Dies werde nicht ganz ohne Folgen bleiben.

          Unterdessen musste Schumacher bei den PR-Aktivitäten in Seefeld, wo er mit Kollegen Juan Pablo Montoya im Weihnachtsmann-Kostüm für die Fotografen posierte, wegen einer Knieverletzung zurückhaltend sein. Bei einem Sportunfall habe er sich einen leichten Riß im Knochen zugezogen, sei aber bei der Arbeit nicht beeinträchtigt.

          „Härtester Knochen“

          In Seefeld sah es danach aus, als bereite die Fahrer-Situation der BMW-Chefetage Sorge, nachdem der Wechsel Montoyas zum Konkurrenzteam McLaren-Mercedes 2005 bereits feststeht. BMW-Entwicklungsvorstand Burkhard Göschel brachte das Thema Piloten sogar bei der abendlichen Gala aufs Tapet. In Richtung von Verhandlungsführer Frank Williams äußerte Göschel auf der Bühne den Wunsch, „daß das mit den Fahrern alles klar gehen möge, bevor wir starten“. Auch beim Thema WM-Titel - der 2003 nicht gelang - machte er vor dem fünften Formel-1-Jahr der Münchner Druck: „Zeit wirds jetzt mal langsam.“ Anfang Januar soll das neue Auto fertig sein.

          BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen sagte auf die Frage, ob man befürchte, nun zwei Piloten für 2005 suchen zu müssen: „Das fürchten wir derzeit nicht. Wir sind in der Beobachter-Rolle.“ Gerhard Berger, der in Seefeld offiziell als Motorsportdirektor verabschiedet wurde, sagte über Williams: „Frank ist der härteste Knochen, der sich je vor einen Geldhahn gelegt hat.“ Der Brite sei hart im Pokern. „Ich glaube, Ralf kann ein Lied davon singen.“

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