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Formel 1 : Schiefes Lenkrad, süßer Sieg

Eisname Spitze: Sebastian Vettel Bild: AP

Sebastian Vettel gewinnt in Ungarn trotz heftiger Probleme – auch dank des Abschirmdienstes, den Teamkollege Räikkönen übernimmt. Hamilton gibt freiwillig Punkte an Bottas ab.

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          Und wer ist nun der Gewinner von Budapest? Sebastian Vettel ist am Sonntag beim Großen Preis von Ungarn als erster ins Ziel gekommen, hauchdünn vor seinem Teamkollegen bei Ferrari, Kimi Räikkönen, und dem Mercedes-Piloten Valtteri Bottas. Da brüllte der Hesse die Freude über seinen vierten Saisonsieg ins Bordmikrophon, über den schönsten Einstieg in die dreiwöchigen Sommerferien der Formel 1: Vettel vergrößerte die Führung in der Fahrerwertung vor Lewis Hamilton von einem auf 14 Punkte und ließ sich feiern, umarmen, schütteln, gar küssen, Sekunden nach der Einfahrt in den Parc fermé des Hungarorings. Räikkönen bekam nur einen Klapps auf die Schulter, Vettel flüsterte ihm etwas ins Ohr. Vielleicht den Dank für die Arbeit über fast 40 Runden als Schutzpatron vor dem Titel-Rivalen Hamilton im Silberpfeil, der mit fast ritterlicher Geste Rang drei auf den letzten Metern an Bottas zurückgab?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Selten hat ein Formel-1-Rennen vor den Toren von Budapest so viel Spannung erzeugt; bei den Zuschauern, aber vor allem unter den Hauptdarstellern in ihren Boliden. Dabei hatte es doch nach einem „Spaziergang“ für Ferrari ausgesehen. Hamilton sprach davon nach der heftigen Niederlage im Qualifying. Er behielt Recht – für ein paar Runden. Vettel kontrollierte das elfte Saisonrennen. „Aber dann zog das Auto nach links. Und es schien immer schlimmer zu werden.“ Das Lenkrad stand schief, vermutlich eine Folge eines Aufhängungsschadens. Was tun? Räikkönen vorbei winken, Vettel dem Angriff aussetzen, aber den Sieg sichern vor der Mercedes-Fraktion?

          Vettel ist der Chefpilot auf WM-Kurs

          Die Ferrari-Strategen machten eine erstaunliche Entdeckung: Räikkönen, berühmt wie berüchtigt für seine sparsamen Wortbeiträge vor allem während der Fahrt, verwickelte seine Renningenieure in eine handfeste Diskussion: „Ich bin schnell genug, um draußen bleiben zu können“, rief er über Funk, als er eine Runde nach Vettel zum Reifenwechsel kommen sollte. Es blieb beim Plan. Und so fehlte dem Finnen bei der Rückkehr auf die Piste eine Wagenlänge für die Führung. Was man getrost als taktische Entscheidung der Scuderia werten kann, als Lenkungsorder beim Steuerproblem: Vettel ist der Chefpilot auf WM-Kurs.

          Gesprächsstoff auf dem Podium: die beiden Ferrari-Fahrer Vettel und Räikkönen

          Ihn galt es mit dem zu diesem Zeitpunkt schnelleren Auto zu schützen vor den Attacken der Konkurrenz. Die hatte längst erfahren vom Malheur Vettels. Er durfte nicht mehr über die Randsteine fahren, steuerte seinen Ferrari rund um die Kurven, anstatt wie Räikkönen über die Kerbs zu rattern. Auf dem Hungaroring ist das üblich und nötig, um im Rennen bleiben zu können. Räikkönen geriet in eine Zwangslage. Bottas hatte dem schnelleren Hamilton auf Rang vier in der 48. von 70 Runden Platz gemacht, sehr offensichtlich vor der ersten Kurve. „Ich habe einige Zeit vergeudet hinter Valtteri, konnte das dem Team aber wegen eines (vorübergehenden) Funkausfalls nicht mitteilen“, erzählte Hamilton. Als die Kommunikation wieder funktionierte, kam es zum Handel: Der dreimalige Champion sollte versuchen, die Ferrari-Phalanx zu sprengen. Würde er es nicht schaffen, dann solle er Bottas den geschenkten Rang wieder zurückgeben.

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