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Formel 1 : Schumacher begrüßt Reform: „Die Show wird spannender“

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Weltmeister Michael Schumacher: Hauruck-Aktion war nicht notwendig Bild: dpa

Der Segen für die Formel-1-Revolution kam vom Weltmeister höchstpersönlich: „Die generelle Richtung ist positiv“, sagte Ferrari-Star Michael Schumacher.

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          Der Segen für die Formel-1-Revolution kam vom Weltmeister höchstpersönlich: „Die generelle Richtung ist positiv“, sagte Ferrari-Star Michael Schumacher am Tag nach der radikalsten Regelreform in der Geschichte der Motorsport-Königsklasse.

          50 Tage vor dem Saisonstart in Melbourne sorgte der Weltverband FIA mit seinem resoluten Machtwort an die Adresse der Teams für eine Überraschung, aber auch für neue Probleme im PS-Zirkus. „Das ist nicht nur ein Erdbeben - da hat die FIA in der Formel 1 einen Flächenbrand gelegt“, befand Willy Rampf, der Technische Direktor des Schweizer Sauber-Teams von Heinz-Harald Frentzen und Nick Heidfeld. „So eine Hauruck-Aktion war nicht notwendig“, schränkte Schumacher seine positive Bewertung ein.

          Marathon-Meetings bei den Teams

          „Ich denke allerdings, dass sich einige der Maßnahmen in der Kürze der Zeit nicht realisieren lassen“, glaubt BMW-Motorsport-Direktor Gerhard Berger, der „gelernt hat, die Entscheidungen der FIA zu respektieren“.

          Die Formel-1-Teams hielten am Donnerstag trotzdem Marathon-Meetings ab. Schon am Freitag trifft sich die Technical Working Group der FIA in London, um die „noch bestehenden Unklarheiten zu beseitigen“, sagte Bergers Kollege Mario Theissen. Auch die in der GPWC zusammengeschlossenen Hersteller mit Mercedes, BMW und Ferrari an der Spitze trafen sich. Die Diskussionen um die von den Automobilherstellern angedachte eigene Rennserie könnten jetzt neu entflammen.

          „Rückkehr zum Sportsgeist“

          Uneinig wie selten fielen die internationalen Pressestimmen aus: „Die Formel 1 ändert erneut die Regeln und dreht durch“, kommentierte das italienische Blatt „Corriere della Sera“. „Zurück zur Vernunft. Auf zu einer billigeren und besseren Show“, wertete der Schweizer „Blick“. Auch Frankreichs „Le Figaro“ begrüßte die „Rückkehr zum Sportsgeist“.

          2006 soll die gravierendste Reglements-Änderung in der Motorsport-Geschichte abgeschlossen sein, doch bereits in diesem Jahr treten die einschneidenden Veränderungen in Kraft. Vor allem um Kosten zu senken. Im vergangenen Jahr waren das Prost- und das Arrows-Team Pleite gegangen. „Wenn die Teams den Schock erst einmal überstanden haben, werden sie gut mit den Änderungen zurechtkommen“, glaubt Mosley.

          Funkverkehr ab sofort untersagt

          Mit barschen Worten hatte der Brite die massiven Eingriffe in das Regelwerk, das erst im Oktober überholt und im Dezember vom Weltrat abgesegnet worden war, begründet. „Trotz Warnungen“ hätten die Teams im vergangenen Herbst alle Pläne für eine Kostensenkung abgelehnt. „Sie saßen stundenlang zusammen und fanden keine Lösung. Jetzt haben wir sie ihnen präsentiert“, sagte Mosley.

          Erstmals nahm sich die FIA das Recht heraus, das Reglement im Interesse des Sports ohne Einwilligung der Teams zu verändern. Schon im März in Melbourne ist deshalb die Datenübertragung (Telemetrie) zwischen Auto und Box ebenso wie der Funkverkehr zwischen Fahrer und Team verboten. Es gibt nur noch in Ausnahmefällen Ersatzautos - Arbeitsplätze in der Branche sind somit akut bedroht.

          Frentzen zufrieden: Fahrer aufgewertet

          Außerdem werden die Autos nach der Qualifikationsrunde am Samstag künftig im Parc Fermé bis zum Rennen eingeschlossen - nur noch im Notfall darf unter strengster Aufsicht an ihnen gearbeitet werden. Die erst vor eineinhalb Jahren eingeführte Traktionskontrolle wird wieder abgeschafft. Verboten wurden auch die Startautomatik und das Vollautomatik-Getriebe.

          „Fallen all diese künstlichen Hilfsmittel weg, wird der Fahrer zu 40 Prozent aufgewertet“, sagte Sauber-Pilot Frentzen zufrieden. 2004 sollen nur noch Standard-Bremsanlagen und Einheitsheckflügel zulässig sein. 2005 muss ein Motor zwei Rennen, 2006 sogar sechs Grand Prix' halten. „Ein Team, das schon Vorteile hat, kann auf Regeländerungen besser und schneller reagieren. Vielleicht sind die neuen Regeln eher ein Vorteil für uns“, glaubt Michael Schumacher.

          „Regeländerung hilft kleinen Teams“

          „Die Fans wollen keine Fahrer sehen, die mit Knöpfen spielen. Sie wollen Rennsport sehen und da kehren wir nun wieder hin zurück“, bemühte Eddie Jordan, einer der letzten Privatiers der Szene, das Prinzip Hoffnung. „Die Regeländerung hilft den kleinen Teams, Geld zu sparen. Was ich zudem für sensationell halte: Sie haben die Chance, Chassis von der Konkurrenz zu kaufen“, sagte Ex-Pilot Marc Surer.

          „Die Ingenieure müssen sich zusammensetzen und schauen, was von den Änderungsvorschlägen umsetzbar ist. Manches wird nicht so schnell gehen“, glaubt Schumacher. Die FIA hat sich für diesen Fall bereits eine Hintertür offen gelassen: Falls die Teams überzeugende Belege dafür vorlegen können, dass das sofortige, strikte Aufzwingen der Regelungen zu zusätzlichen Kosten führt, so können die Maßnahmen ausgesetzt werden.

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