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Formel 1 : Schickt Ecclestone Prost-Rennstall auf die Strecke?

  • Aktualisiert am

Rennstall verkauft: Alain Prost Bild: dpa

Der Rennstall des früheren Formel-1-Weltmeisters Alain Prost ist an den britischen Geschäftsmann Charles Nickerson verkauft worden.

          Ein Hühner-Besitzer hat den in Konkurs gegangenen Rennstall des früheren Formel-1-Weltmeisters Alain Prost gekauft. Nach Angaben aus Justizkreisen in Paris hat der britische Geschäftsmann Charles Nickerson für Autos, Patente und Rechte des früheren Frentzen-Teams 2,586 Millionen Euro gezahlt.

          In Frankreichs Hauptstadt wurde noch nicht bekannt, wer hinter dem in England als „Chicken King“ bekannten Nickerson steht. Im Fahrerlager in Melbourne kursieren derweil Gerüchte, dass ein großer Automobilkonzern oder sogar Formel-1-Boss Bernie Ecclestone höchstpersönlich hinter Nickerson stehen.

          Auch Heinz-Harald Frentzens neuer Teamchef Tom Walkinshaw unterstützt die neuen Eigentümer: „TWR hilft ihnen im technischen Bereich, damit sie so schnell wie möglich wieder fahren können“, sagte der Schotte. „Vielleicht in vier Wochen in Brasilien, vielleicht aber auch schon in zwei Wochen in Malaysia“, kündigte der Arrows-Boss in Melbourne an.

          Undurchsichtiger Deal

          Die Übernahme des Prost-Teams brachte in Melbourne vor allem Minardi-Chef Paul Stoddart in Rage, der selbst ein Angebot abgegeben hatte. „Es gab zwei Gebote, seines war nicht hoch genug“, meinte dazu Walkinshaw: „Ich weiß nicht, warum der französische Richter ein Angebot von 30 Millionen Dollar abgelehnt und nun 2,5 Millionen Euro angenommen hat.“

          Für Stoddarts Minardi-Team würde die Rückkehr von Prost erhebliche finanzielle Einbußen bedeuten. Minardi würde wieder auf Platz elf der letztjährigen Konstrukteurswertung abrutschen und damit die Transportkosten-Erstattung von rund acht Millionen Euro und möglichweise anteilige Fernsehgelder verlieren.

          Wer fährt die Autos?

          Als Fahrer werden die früheren Prost-Piloten Tomas Enge aus Tschechien und Gaston Mazzacane aus Argentinien gehandelt. Denkbar wäre auch eine Verpflichtung des Niederländers Jos Verstappen, der gerade bei Walkinshaws Arrows-Team seinen Platz für Frentzen räumen musste. Verstappens Manager hatte nach der Vertragsauflösung rechtliche Schritte angekündigt.

          Das mit etwa 30 Millionen Euro verschuldete Prost-Team war am 28. Januar vom Handelsgericht in Versailles liquidiert worden. Versuche des viermaligen Weltmeisters Alain Prost, Sponsoren für seinen erst 1997 gegründeten Rennstall zu finden, waren gescheitert. Die Frist für eine Übernahme des französischen Teams war am Donnerstag abgelaufen. Ein Angebot von Minardi-Chef Paul Stoddart kam offenbar zu spät.

          Minardi kündigt Gang vor Gericht an

          Der Australier hatte 2,7 Millionen Euro zusätzlich zahlen und die 40 Angestellten übernehmen wollen. „Ich werde vor Gericht gehen, wahrscheinlich noch vor dem Großen Preis von Malaysia“, kündigte Stoddart an.

          Seinem Konkurrenten Walkinshaw warf Stoddart vor, gegen das so genannte Concorde Agreement verstoßen zu haben, das den Ablauf in der Formel 1 regelt. Stoddart behauptet, dass beim Verantwortlichen für die Liquidation vor wenigen Wochen Offerten zwischen 35 und 65 Millionen Euro für die Übernahme Prosts eingegangen seien.

          Minardi rückte durch den Kollaps des WM-Neunten Prost vom letzten auf den zehnten Platz hinter Arrows vor. Tritt Prost - egal unter welchem Namen - wieder an, fällt Minardi aus dem Kreis der Empfänger wieder heraus. Stoddard kritisierte, dass er beim Kauf des ebenfalls hoch verschuldeten Minardi-Teams etwa 30 bis 35 Millionen Euro bezahlen musste. „Die Gläubiger, Kreditgeber und ehemaligen Angestellten sind die Opfer“, sagte er.

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