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Formel 1 : Reaktionen nach dem Schummel-Sieg: „Ferrari ruiniert alles“

  • Aktualisiert am

Nachdenkliche Sieger: Schumacher und Barrichello Bild: dpa

Während sich Ferrari verteidigt, müssen Michael Schumacher und Rubens Barrichello bei der FIA Stellung nehmen zum Schummel-Sieg in Österreich.

          3 Min.

          Das falsche Spiel von Spielberg hat ein Nachspiel. 21 Stunden nach dem Skandalrennen in der Steiermark zitierte der Internationale Automobil-Verband (FIA) sowohl Ferrari als auch Michael Schumacher und Rubens Barrichello vor den Weltrat.

          Dort müssen sie am 26. Juni in Paris zu den Vorfällen beim Großen Preis von Österreich Stellung nehmen. Das oberste Entscheidungsgremium der FIA erwartet Auskünfte über den „Zwischenfall auf der letzten Runde“ sowie bei der Siegerehrung. Dies teilte die FIA am Montag in einer Presseerklärung in Genf mit.

          Barrichello hatte seinem Teamkollegen auf den letzten Metern den Sieg geschenkt; auf dem Podium machte der Kerpener dann seinen Platz für den Südamerikaner frei.

          Weltmeisterwetter beim Training in Österreich: Michael Schumacher
          Weltmeisterwetter beim Training in Österreich: Michael Schumacher : Bild: dpa

          „Das Ende der Formel 1““

          Am Tag danach gab es reichlich Empörung über Ferrari, Enttäuschung und Verständnislosigkeit gegenüber Pyrrhussieger Schumacher, Mitleid dagegen für „Bauernopfer“ Barrichello: Nach der unsportlichen Stallregie stand das italienische Team weltweit im Kreuzfeuer der Kritik.

          Die Medien sprachen von Schiebung, Farce und Betrug; der viermalige Formel-1- Weltmeister gilt als großer Verlierer. Schumacher vergab zudem die Chance, sich durch Ignorieren des Brems-Befehls an Barrichello als großer Sportsmann zu präsentieren.

          „Ferrari ruiniert alles“, verurteilte das italienische Fachblatt „La Gazzetta dello Sport“ am Montag nach dem Skandal-Rennen die Teamorder. „Die Entscheidung ist Selbstmord.“ Und „Il Piccolo di Trieste“ titelte: „Barrichello für Schumi geopfert - ein Skandal“. Der englische „Daily Mirror“ sieht schwarz für die Zukunft der Milliarden-Branche und titelt: „Das Ende der Formel 1.“

          Todt verteidigt sich

          Jean Todt ließ die massive Kritik an seiner Entscheidung zu Gunsten des sportlich klar geschlagenen Schumachers kalt. Der Teamchef begründete die Stallregie sachlich und emotionslos als im Interesse der Scuderia. „Es ist schlimmer, die WM zu verlieren als ein Rennen. Wenn wir uns für einen Fahrer entscheiden müssen, dann für Michael“, sagte der Franzose.

          Zwischen 1997 und 1999 habe Ferrari drei Mal den Titel beim Saisonfinale verloren. „Es ist erst ein Drittel vorbei. Da kann noch viel passieren.“ Dennoch schien sogar dem erfolgorientierten Strategen der zwar reglementkonforme, aber dem Sportsgeist widersprechende Befehl ein bisschen unangenehm zu sein. „Es war eine schwierige Entscheidung im Interesse des Teams. Ich habe nicht gesagt, dass es die richtige Entscheidung war“, sagte Todt. Schwere Schäden für das Image Ferraris befürchtete er nicht.

          Imageschaden für Schumacher

          Möglicherweise unterschätzt der Teamchef aber die Auswirkungen dieser Anweisung. Denn Ferrari hat Schumacher damit einen Bärendienst erwiesen, auch wenn der WM-Spitzenreiter dank der zusätzlichen vier Zähler mit nun 54 und damit doppelt so vielen Punkten wie Juan Pablo Montoya (27) fast uneinholbar führt.

          Der 33 Jahre alte Kerpener, der auf Grund seiner fahrerischen Sonderklasse eine solche Bevorzugung eigentlich gar nicht benötigen würde, muss nun reichlich Kritik einstecken. Der Respekt vor seiner fahrerischen Leistung und Ausnahmestellung wird so in Mitleidenschaft gezogen..

          Sein Versäumnis: Mit einer großen Geste, die auch an ihn gefunkte Anweisung schlichtweg zu ignorieren und damit seinen Ausnahmestatus zu nutzen, um sich der Teamorder zu widersetzen, ohne ernsthaft Konsequenzen befürchten zu müssen. „Es war wahrscheinlich die falsche Entscheidung, das Rennen zu gewinnen“, räumte er ein. Echte Freude wird der 58-malige Grand-Prix-Sieger über diesen Erfolg nie empfinden können, wie er gestand.

          Schumacher kämpft um Glaubwürdigkeit

          Aber auch Schumacher scheint zu erfolgsorientiert zu sein, um sich zu einer solchen sportlichen Größe durchringen zu können. Trotz seines Frustes und aller symbolischen Gesten, Barrichello als wahren Sieger zu würdigen, wählte auch er die Teamorder als Rechtfertigung. „Ferrari entscheidet, die Teamleitung entscheidet. Es ist sicher kein Paradebeispiel, wie wir es gemacht haben, im Sinne des Sports, - aber im Sinne des Teams.“ Die Glaubwürdigkeit des Sports sah er nicht beschädigt.

          Nun ist zu befürchten, dass Ferrari bei vergleichbarem Rennstand auch in den nächsten Grand Prix Barrichello zu Gunsten Schumachers zurückpfeift, bis dessen fünfter Titel unter Dach und Fach ist. Schon Monte Carlo in 14 Tagen könnte es zu einer ähnlichen Situation kommen. „Ich hoffe, dass die WM bald entschieden ist, damit Rubens gewinnen kann“, sagte Schumacher.

          „Menschliche Schwäche“

          „Michael hätte Nein sagen müssen“, missbilligte „La Gazzetta dello Sport“ dessen Egoismus und warf ihm „menschliche Schwäche“ vor. Ausnahmepiloten wie Ayrton Senna, Alain Prost, Niki Lauda oder Nigel Mansell, die alle für Ferrari fuhren, „hätten nie akzeptiert, so zu gewinnen“. Für Schumacher ist die Farce von Spielberg auch insofern peinlich, als er am Montagabend in London als „Sportsmann des Jahres“ geehrt und am Dienstag in Monte Carlo den Sport-Oskar „Laureus“ erhalten wird.

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