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Formel 1 : Ralf Schumacher offenbar nur knapp am Tod vorbei

  • Aktualisiert am

Nachdenklich: Ralf Schumacher Bild: AP

Die angeblich schlechte medizinische Behandlung in Indianapolis wird „ein Nachspiel haben“, sagt Ralf Schumacher. Wäre er bei seinem Unfall in einem anderen Winkel mit der Mauer kollidiert, hätte er nicht überlebt.

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          Ralf Schumacher ist bei seinem Unfall in Indianapolis wohl nur knapp dem Tod entronnen. Bei einem anderen Einschlagwinkel in die Betonmauer des Hochgeschwindigkeitskurses hätte er nach eigenen Angaben nicht überlebt.

          „Dann würde es dieses Gespräch jetzt nicht geben. Dann wäre ich jetzt nicht mehr da“, sagte er. Trotzdem denkt der Williams-BMW-Pilot keinesfalls an ein Ende seiner Formel-1-Karriere. Allerdings kündigte Ralf Schumacher an, die medizinische Behandlung in den Vereinigten Staaten werde „ein Nachspiel haben“.

          „Er ist falsch transportiert worden“

          Ralf Schumacher und sein Manager Willi Weber werfen den Ärzten an der Rennstrecke und dem Methodist Hospital von Indianapolis indirekt schwerwiegende Fehler vor. Die Mediziner hatten nur eine schwere Gehirnerschütterung und Prellungen im Rückenbereich festgestellt. Erst eine eingehende Untersuchung in der Sportklinik in Bad Nauheim hatte am Montag - acht Tage nach dem Crash - die niederschmetternde Diagnose ergeben, daß sich Schumacher bei dem Aufprall in die Betonmauer rückwärts in spitzem Winkel mit etwa 300 Stundenkilometer auch zwei Wirbel gebrochen hatte.

          „Es hat uns am meisten geärgert, daß das in den USA nicht festgestellt wurde. Er ist falsch transportiert worden“, sagte Weber. Ralf Schumacher habe auch viel zu früh die Erlaubnis erhalten zurückzufliegen. „Er hätte nicht transportiert werden dürfen.“ Schumacher konnte bereits einen Tag nach dem schweren Unfall am 20. Juni in seine Wahl-Heimat Salzburg zurückfliegen.

          Das Unfallopfer leidet unter sehr starken Schmerzen. „Ich überlege mir jeden Treppengang“, sagte Schumacher in einem Interview. „Ich trage ein Korsett, das die Festigkeit meines Rückens verbessert. So mache ich nur Bewegungen, die auszuhalten sind.“ Bei jeder falschen Bewegung seien die Schmerzen extrem.

          Rückkehr wohl noch in diesem Jahr

          Dennoch strebt der sechsmalige Grand-Prix-Sieger, der mit acht bis zwölf Wochen Pause rechnen muß, möglichst schnell ins Cockpit zurück. „Ich gehe schon davon aus, daß es noch dieses Jahr sein wird“, erklärte er. „Es hängt aber auch davon ab, wie schnell meine Wirbelsäule verheilt.“ Angst habe er wegen des Unfalls nicht, versicherte Ralf Schumacher. Sonst würde er „sofort mit der Formel 1 aufhören“.

          Nicht zum Aufhören, aber zu einer langen Pause riet unterdessen Michael Schumacher seinem Bruder. „Das Wichtigste ist jetzt, daß er sich genügend Zeit und Ruhe nimmt und nicht zu früh ins Cockpit steigt - aber das weiß Ralf auch selbst“, sagte er. Er sei „doch erstmal geschockt gewesen“, als er die Diagnose gehört habe.

          Michael Schumachers Vorfreude auf den Großen Preis von Frankreich am Sonntag wurde durch die niederschmetternde Nachricht getrübt. Der Seriensieger hofft aber trotz der Sorge um seinen Bruder auf seiner Paradestrecke in Magny-Cours auf den nächsten Streich. „Ich gehe davon aus, daß wir auch dort um den Sieg mitfahren können und habe mir fest vorgenommen, die Tendenz aus der ersten Saisonhälfte nicht abreißen zu lassen“, sagte der haushohe Favorit gewohnt zurückhaltend über seine Erfolgschancen. „Bisher gab es keine Rennstrecke, auf der unser wunderbares Auto nicht zurechtgekommen ist.“

          Magny-Cours - ein Schumacher-Kurs

          Alles andere als eine abermalige Triumphfahrt des Titelverteidigers wäre eine Überraschung. Schumacher gewann auf dem 4,411 Kilometer langen „Circuit de Nevers“ schon sechsmal und hat beste Chancen, seinen erst vor knapp drei Wochen in Montréal aufgestellten Rekord von sieben Siegen auf einer Strecke einzustellen. Zudem krönte sich der inzwischen sechsmalige Weltmeister aus Kerpen vor zwei Jahren in Magny-Cours im elften von 17 Saisonrennen zum „schnellsten“ Champion der Grand-Prix-Geschichte.

          Ein derartiger Schnellschuß ist an diesem Sonntag nicht möglich. Halbzeit-Weltmeister Schumacher liegt nach neun von 18 Rennen mit 80 Punkten zwar schon wieder souverän an der Spitze vor seinem brasilianischen Teamkollegen Rubens Barrichello (62) und den weit abgeschlagenen Verfolgern anderer Teams. Aber wegen des nach seiner Spazierfahrt zum Titel 2002 veränderten Punktemodus' und des aufgestockten Kalenders muß sich der Ferrari-Star mit seinem siebten WM-Gewinn etwas länger gedulden.

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