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Formel 1 : Michael Schumacher: „Ferrari hat Teamorder nicht erfunden“

  • Aktualisiert am

"Schumacher verliert an Glanz": Ex-Pilot Jochen Maas im F.A.Z. Business-Radio Bild: dpa

Schon beim nächsten Formel-1-Lauf in Monte Carlo hält Ferrari eine neuerliche Stallregie für „nicht ausgeschlossen“.

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          Auch zwei Tage nach dem Skandalrennen von Zeltweg reißt die weltweite Kritik an der plumpen Teamorder von Ferrari beim Großen Preis von Österreich nicht ab.

          Der Aufschrei der Empörung stößt bei den Chefstrategen offenbar jedoch auf taube Ohren. Das Team werde sich von außen nicht unter Druck setzen lassen, im Gegenteil. Volkes Zorn ist längst noch nicht verraucht, da denken die Verantwortlichen der „Scuderia“ bereits an die nächste Stallregie.

          „Auch beim WM-Lauf in Monte Carlo könnten wir einen ähnlichen Beschluss fassen. So lange Ferrari nicht mathematisch Weltmeister ist, ist dies nicht ausgeschlossen“, sagt Technikchef Ross Brawn und begründet seine Einstellung: „1997, 1998 und 1999 haben wir die Meisterschaft jeweils im letzten Grand Prix verloren. Ich will nicht, dass dies nochmal geschieht. Vor dem Rennen in Österreich hatte Michael 44 Punkte, Ruben sechs. Es war kein schwieriger Beschluss. Wir sind ein Team und müssen zuerst an Ferrari denken.“

          Di Montezemolo (l) und Todt: demonstrative Gelassenheit
          Di Montezemolo (l) und Todt: demonstrative Gelassenheit : Bild: dpa

          „Rubens war der bessere Fahrer“

          Die Teamorder war es, die Titelverteidiger Michael Schumacher in Zeltweg das kurz vor dem Ziel erfolgte Überholmanöver zu Lasten seines führenden Teamgefährten Rubens Barrichello ermöglichte. Der viermalige Champion verteidigt sein Verhalten erneut. Der 33-Jährige räumt zwar ein, dass das Thema Teamorder manchmal nicht einfach zu vermitteln sei - „dennoch finde ich sie verständlich, wenn man sich einmal damit auseinander setzt - es ist ja nicht so, dass wir von Ferrari sie erfunden hätten.“

          Wohl fühlt sich Schumacher, der die WM-Gesamtwertung nach sechs Rennen mit 54 Punkte überlegen vor Williams-BMW-Pilot Juan Montoya (Kolumbien/27) anführt, allerdings nicht: „Es ist ein Dilemma, das stimmt schon. Natürlich kann man argumentieren, dass Rubens am Sonntag der bessere Fahrer war. Das war er, absolut und eindeutig. Natürlich kann man sagen, dass er den Sieg verdient gehabt hätte. Das hätte er, da gibt es gar keine Frage. Und natürlich kann man auch die Frage stellen, ob wir das nötig gehabt hätten, wo doch die WM-Situation momentan so günstig für uns ist und unser Auto so stark ist.“

          Auch er habe sich diese Fragen gestellt: „Ich habe auch gezweifelt und dachte: Muss das sein? Ich war auch nicht sicher. Aber sicher ist in diesem Sport gar nichts.“

          Keine Angst vor FIA-Anhörung

          Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo sieht der Anhörung seiner beiden Fahrer vor dem Automobil-Weltverband FIA am 26. Juni gelassen entgegen. „Ich habe keine Angst vor der FIA-Untersuchung. Teamorder ist nichts Ungewöhnliches, da wird es nicht viel zu diskutieren geben.“ Die Autorität der FIA wolle man seitens Ferrari nicht in Frage stellen. „Wir akzeptieren die Rolle der FIA hundertprozentig. Wenn Klärungsbedarf besteht, werden wir unseren Teil dazu beitragen“, sagt Montezemolo.

          Zu der Weigerung von Schumacher, auf den Podiumsplatz für den Ersten zu steigen und den Siegerpokal entgegenzunehmen sagte er: „Das war für mich eine nette Geste, um Solidarität zu zeigen.“ Den legendären Ruf von Ferrari sieht di Montezemolo nicht in Gefahr: „Die, die uns heute kritisieren, werden in ein paar Tagen Verständnis haben. Der Ruf und die Legende werden intakt bleiben, denn das resultiert aus einer 50-jährigen Erfolgsgeschichte.“

          Die Glocken läuten für Barrichello

          Derweil fordern erboste Gemeindemitglieder in Maranello den Ortspfarrer Don Alberto Bernardoni auf, Rennleiter Jean Todt bei seiner nächsten Beichte die Absolution zu verweigern. Der Franzose ist beim Weltmeister-Team zuständig für die Stallorder.

          „Ich habe am Montag den ganzen Tag lang Anrufe bekommen“, sagt Don Alberto. „Einige Anrufer haben mich aufgefordert, Todt die Absolution zu verweigern, falls er zur Beichte kommen sollte. Die Sache ist schlimmer als eine Niederlage. Wir alle sind voller Bitterkeit. Am Sonntag werde ich wie üblich die Glocken läuten. Allerdings für Barrichello, denn er war der wahre Sieger in Österreich.“

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