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Formel 1 : Kündigung: Frentzen fliegt bei Jordan raus

  • Aktualisiert am

Überraschende Kündigung: Heinz-Harald Frentzen Bild: dpa

Vier Tage vor dem Großen Preis von Deutschland in Hockenheim hat Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen überrschend seinen Job beim Jordan-Team verloren.

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          Erfolglos, hilflos und jetzt sogar arbeitslos: Formel-1-Pilot Heinz-Harald Frentzen ist vier Tage vor dem Großen Preis von Deutschland überraschend vom Jordan-Team vor die Tür gesetzt worden. Jordan löste den Vertrag mit dem 34 Jahre alten Mönchengladbacher mit sofortiger Wirkung auf und nominierte den brasilianischen Testfahrer Ricardo Zonta für das Rennen in Hockenheim.

          Frentzen will sich mit dem Rauswurf nicht abfinden und kündigte rechtliche Schritte an: „Den mir für die Kündigung angeführten Gründen widerspreche ich energisch und lehne sie in ihrer Gesamtheit ab. Mit der Wahrung meiner Interessen habe ich meine Rechtsanwälte beauftragt“, sagte der Deutsche.

          Eddie Jordan: „ Wir hatten einen Meinungsaustausch“

          Frentzen bestritt bislang 124 Grand Prix, von denen er drei gewann: Imola (1997), Magny-Cours und Monza (1999). „Es war eine sehr enttäuschende Saison für beide Seiten“, sagte Teamchef Eddie Jordan, nachdem der Ire erst vor knapp vier Wochen auf dem Nürburgring die Zusammenarbeit mit Frentzen für die Saison 2002 bestätigt hatte. „Wir hatten einen Meinungsaustausch nach dem britischen Grand Prix in Silverstone, und das ist das Resultat“, begründete Jordan seinen Sinneswandel.

          Frentzens Vater sprach nun in einer ersten Reaktion sogar offen von Sabotage: „Es ist doch nicht normal, dass das Auto immer stehen bleibt, und bei Tests funktioniert immer alles wunderbar. Da drückt wohl jemand die Knöpfe.“

          Frentzen fühlte sich benachteiligt

          Über die wahren Hintergründe kann nur gerätselt werden. So gilt es seit geraumer Zeit als offenes Geheimnis, dass sich Frentzen bei Jordan gegenüber seinem Teamkollegen Jarno Trulli (Italien) stark benachteiligt fühlt. Das hatte er auch in der Öffentlichkeit zuletzt lautstark moniert, wofür es einen Rüffel von Teamchef Jordan gab.

          Für den Formel-1-Kollegen Ralf Schumacher war die Nachricht von Frentzens fristloser Entlassung keine Überraschung. „Dieses Gerücht gibt es bereits länger im Fahrerlager. Ich kenne Eddie Jordan und weiß auch, wie er handelt“, sagte der BMW-Williams-Pilot, dessen Formel-1-Karriere 1997 in einem Jordan begann: „Eddie ist ein lieber, netter Kerl, so lange man nicht mit ihm arbeiten muss. Frentzen kann sich daher strecken wie er will, er kriegt keine Unterstützung.“ Für ihn ist die Trennung von Jordan „die beste Lösung“ für Frentzen

          In Zukunft bei Toyota?

          An das Ende der Formel-1-Karriere des Kollegen glaubt der Kerpener jedoch nicht: „Ich bin sicher, dass wir ihn in einem Toyota wiedersehen. Wenn die schlau sind, holen die Heinz-Harald, denn er ist der beste Fahrer, der auf dem Markt ist.“ Frentzen hatte schon lange ein Auge auf Toyota geworfen und dies auch im Pokerspiel vor seiner Vertragsverlängerung bei Jordan immer wieder anklingen lassen.

          Angeblich sollen die Japaner, die in Köln ihre Motorsport-Abteilung aufgebaut haben, dem Mönchengladbacher 30 Millionen Mark Jahresgage geboten haben. Toyota steigt 2002 in die Formel-1-WM ein, Mika Salo (Finnland) steht als Stammpilot fest, der Schotte Allan McNish (Schottland)hoft als Testfahrer auf das zweite Cockpit.

          Allerdings kam aus Köln das schnelle Dementi: Toyota habe kein Interesse an Frentzen: „Wir stehen nicht in
          Verhandlungen mit Heinz-Harald Frentzen, und es hat auch nie ein Interesse von uns an einem der aktuellen Fahrer gegeben“, sagte Toyota-Pressesprecher Andrea Ficarelli.

          Enttäuschende Saison schon vor dem Rauswurf

          Nach einem enttäuschenden Jahr 2000 sollte es in dieser Saison mit Honda-Werksmotoren für Frentzen und Jordan wieder aufwärts gehen, doch wiederholt traten technische Probleme auf. Seinen Tiefpunkt in dieser Saison erlebte Frentzen in Montreal, wo er nach einem schweren Unfall im freien Training auf einen Start beim Kanada-Grand-Prix verzichtete. Frentzen holte nur sechs WM-Punkte, das Trainingsduell mit Trulli steht 1:9.

          Frentzens Management bestätigte dem Sport-Informations-Dienst (sid), dass die Angelegenheit bereits seit dem englischen Grand Prix vor knapp zwei Wochen in Silverstone ein Thema sei, lehnte aber mit dem Hinweis auf das schwebende Verfahren weitere Kommentare ab.

          Sponsor Post zurückhaltend

          In einer kurzen Presseerklärung hatte der Mönchengladbacher seinen Rausschmiss am Mittwoch mitgeteilt: „Weil Jordan meinen Vertrag unerwartet gekündigt hat, werde ich in Hockenheim wahrscheinlich nicht fahren.“

          Die Deutsche Post AG, die als Sponsor jährlich 20 Millionen an das Jordan-Team zahlt, zeigte sich zurückhaltend über den plötzlichen Verlust des deutschen Werbeträgers Frentzen. „Das ist eine Personalentscheidung des Teams, die wir nicht kommentieren werden. Wir werden Jordan nach wie vor unterstützen“, meinte Dr. Gert Schukies, Kommunikations-Direktor der Post.

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