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Formel 1 in Singapur : Ein Wimpernschlag Vorsprung für Rosberg

Nico Rosberg genießt nach dem Sieg das Bad in der Menge Bild: AP

Trotz Bremsproblemen gewinnt Nico Rosberg den Großen Preis von Singapur – und schnappt Lewis Hamilton die Führung in der WM-Wertung weg. Eine starke Aufholjagd liefert auch Sebastian Vettel.

          3 Min.

          Als er das Feuerwerk in die Nacht von Singapur aufsteigen sah, da fiel all die Anspannung der vergangenen Runden von ihm ab. Nico Rosberg stieß erst einen Jubelschrei heraus, dann dankte er seinem Mercedes-Team. Fünf Zehntelsekunden Vorsprung hatte er auf Daniel Ricciardo (Red Bull) ins Ziel gerettet und so den Grand Prix im asiatischen Stadtstaat gewonnen. Mehr noch: Weil sein Teamkollege und WM-Rivale Lewis Hamilton nur Dritter wurde, führt Rosberg das Formel-1-Klassement nun mit 273:265-Punkten an und hat wieder beste Aussichten auf seinen ersten WM-Titel. „Wow!“, sagte Rosberg. Und selbst Hamilton zollte ihm Respekt: „Nico hat den Sieg absolut verdient. Unser Kampf geht weiter.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Schon am Samstag hatte sich Rosberg überlegen Startplatz eins gesichert, es war die 29. Pole Position seiner Karriere. Der Deutsche zog damit gleich mit Juan-Manuel Fangio, der in seiner Karriere allerdings auch Weltmeister wurde – fünf Mal sogar, zwei Mal davon in einem Silberpfeil. Rosberg arbeitet weiter an seinem Premieren-Titel. In Singapur ging er als Führender in die erste Kurve, wurde aber nach nicht einmal zwanzig Sekunden wieder ausgebremst, als das Safety Car auf die Strecke kam. Im Mittelfeld hatte Nico Hülkenberg (Force India) sehr schnell reagiert, als die Startampel erloschen war, er zog an Daniil Kwjat (Toro Rosso) vorbei, wollte auch noch dessen Teamkollegen Carlos Sainz überholen, als sich die Räder der beiden Boliden ineinander verkeilten. Sainz konnte weiter fahren, das Rennen von Hülkenberg endete früh in der Mauer.

          Nico Rosberg fährt trotz Bremsproblemen unbeirrt vorneweg – und schnappt sich die Führung in der WM-Gesamtwertung Bilderstrecke
          Nico Rosberg fährt trotz Bremsproblemen unbeirrt vorneweg – und schnappt sich die Führung in der WM-Gesamtwertung :

          Immerhin kam dessen Landsmann Sebastian Vettel so schon einen Platz nach vorne. Der Neunundzwanzigjährige musste als Letzter ins Rennen gehen, weil er das Qualifikationstraining wegen eines Stabilisator-Bruchs vorzeitig hatte abbrechen müssen. Sein Team nutzte die Gelegenheit, um am Ferrari des Deutschen eine neue Antriebseinheit und ein neues Getriebe einzubauen. Sein Weg nach vorne war ein langer. Nach drei Runden ging das Safety Car wieder in die Box, nach zehn Runden lag Vettel als Dreizehnter schon dreißig Sekunden hinter der Spitze zurück.

          Dort kontrollierte Rosberg das Rennen, drehte vier Sekunden vor Ricciardo und weitere zwei Sekunden vor Hamilton seine Runden. Ein ruhiger Nachmittag aber war es nicht. Dreißig Grad Celsius und eine Luftfeuchtigkeit von rund neunzig Prozent machten nicht nur den Fahrern zu schaffen, auch die Boliden gerieten bei diesen Bedingungen an ihre Grenzen – allen voran die Bremsen der beiden Silberpfeile. Mehr als 800 Grad Celsius wurden die Scheiben heiß, leuchteten feuerrot und versetzten den Mercedes-Kommandostand in Alarmzustand. Schon früh im Rennen erklang via Funk die erste Warnung an Rosberg und Hamilton: Die Bremsen werden zu heiß!

          Beide Mercedes plagten Bremsprobleme

          Aber noch etwas anderes bereitete den Experten vor dem Rennen Sorgen: die richtige Strategie. In der Theorie waren zwei Boxenstopps der schnellste Weg ins Ziel, und deshalb starteten die Mercedes-Fahrer auf der weichsten Mischung und ließen sich bei ihren ersten Reifenwechseln (Hamilton in der 17. Runde, Rosberg in der 18. Runde) die härteste Gummimischung aufziehen. Red Bull entschied sich zwei Mal für die mittlere Mischung, und so machte Ricciardo vor allem im mittleren Rennabschnitt Druck und verkürzte den Rückstand von rund zehn auf nur noch vier Sekunden (25. Runde). Rosberg musste weiterhin seine Bremsen schonen, Hamilton hatte das gleiche Problem – aber deutlich größere Schwierigkeiten.

          Zur Hälfte des Rennens tauchte der rote Ferrari von Kimi Räikkönen im Rückspiegel des Briten auf. Hamilton suchte Hilfe bei seinem Ingenieuren: „Mit diesen Problemen kann ich nicht schneller. Lasst euch was einfallen“, funkte der Weltmeister. Räikkönen attackierte, Hamilton wehrte sich, konnte den Angriff des Finnen aber nicht abwehren. Danach ging die Führungsgruppe zum zweiten Mal an die Box. Rosberg behielt Platz eins, Ricciardo folgte mit fünf Sekunden Abstand, Räikkönen lag zwölf Sekunden, Hamilton sogar schon achtzehn Sekunden zurück. „Okay, wir wechseln zu Plan B“, bekam Hamilton zu hören – und der Einunddreißigjährige setzte sofort die schnellste Runde des Rennens. In der 47. Runde kam er dann zum dritten Mal an Box und ließ sich die mittlere aller Gummimischungen für seinen Schlussspurt aufziehen.

          Vettel war inzwischen bis auf den fünften Rang nach vorne gekommen und hatte damit die Hochrechnungen seiner Strategen bestätigt. In den Fokus aber geriet sein Teamkollege Räikkönen, der den Podiumsplatz unbedingt gegen Hamilton verteidigen wollte, eine Runde später ebenfalls an die Box kam – aber hinter dem Briten wieder zurück auf die Strecke bog. Auch Ricciardo kam noch einmal, holte sich sogar die weichste Reifenmischung ab und setzte so Rosberg unter Druck. Denn der Deutsche blieb auf der Strecke und verlor so knapp vier Sekunden in dieser Runde. 24 Sekunden betrug sein Vorsprung – bei noch zehn ausstehenden Umdrehungen. Ansage an Ricciardo: „Mit diesem Tempo bekommst du ihn vier Runden vor Schluss!“

          Zum Schluss wurde es nochmal eng

          Sekunde für Sekunde des Vorsprungs von Rosberg ging dahin. Der Deutsche konnte den frischen und schnellen Reifen Ricciardos kaum etwas entgegen setzen. Und so bereitete sich Rosberg schon auf das vor, was ihm da noch bevorstehen konnte: „Wie viel stärker darf ich am Ende wieder bremsen?“, fragte er. Antwort: „Das lassen wir dich wissen.“ Fünf Runden vor Schluss trennten Rosberg und Ricciardo noch fünf Sekunden, aber dann verlor der Australier Zeit, als er an den Überrundeten vorbei musste. Noch vier Runden, noch viereinhalb Sekunden, noch drei Runden und vier Sekunden, noch zwei Runden und drei Sekunden. In die letzte Runde ging Rosberg zwei Sekunden vor Ricciardo, im Ziel lag er noch einen Wimpernschlag vorne.

          Es war der erste Sieg von Rosberg in Singapur. Vor ihm standen dort Vettel (vier Mal), Hamilton (zwei Mal) und Fernando Alonso (zwei Mal) ganz oben auf dem Podium. Männer, die Weltmeister waren.

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